Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1844
- Issue
- 11 (12.3.1844)
- Date
- 1844-03-12
- Page
- Spalte 175-176 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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175 Literarische Ankündigungen. 176 trefflichen Schrift war ein Aufsatz des Prof. Dr. Ne sfe lm an n in den Preuß. Provinzialblättern (December - Heft 1843) über den jüd. Reformverein in Frankfurt, worin derselbe dem Talmud eine durchaus verrenkte Philosophie und die feindselige Stimmung gegen alle andere Völker zum Vorwürfe macht. Hr. Lo wositz weist nun zuerst auf die Zeit der Entstehung des Talmuds hin und hebt hervor, daß er das Produkt vieler Jahrhunderte und vieler Verfasser ist, ein Umstand, der nicht oft genug den Talmudfreffern gesagt werden kann, und auf den auch wir an einem andern Orte hingewiesen haben. Daß aber die zunehmende Bekanntschaft mit griechischer Kultur und griechischen Schriftwerken auf die schriftliche Aufzeichnung des Talmuds einen Einfluß geübt habe, möchten wir wohl in Zweifel ziehen. Den Inhalt des Talmuds läßt Hr. L. dann in einen nothwendigen, mehr objektiven, der auch bindende Kraft hat, und einen zufälligen, mehr subjektiven zerfallen. Die Autorität des objektiven Theiles ist nicht eine persönliche, sondern eine sachliche. Die bedeutsamsten Momente des subjektiven Theiles sind das religiöse Gefühl, das Gefühl der Unterdrückung und das Selbstgefühl. Der Nachweis und die Ausführung dieser drei Momente ist sehr treffend; nur müssen wir den einen Punkt bestreiten, daß die Kabbalisten zur Be-, zeichnung der Größe und Erhabenheit Gottes die ausschweifendsten Bestimmungen der räumlichen Ausdehnung zu Hilfe genommen. Denn wenn z. B. die Jdra Suta aus dem Hirn des weißes Hauptes vierhundert Welten für die Frommen hervorgehen läßt, oder wenn nach der Jdra Rabba dreizehn taufend Myriaden Wetten in diesem Hirn sich täglich finden, so dient dies nicht zur Bezeichnung der Größe und Erhabenheit Gottes. — Indem wir dieses inhaltreiche Schriftchen den Lesern des Orients , und besonders den Antagonisten des Talmuds dringend empfehlen, wollen wir hier gelegentlich an einem Punkte zeigen, welche literarische Fundgrube der Talmud und die damalige Literatur überhaupt ist. Bekanntlich herrschte unter dm italienischen Gelehrten (Muratori u. A.) der Streit, ob zur Zeit der klassischen Latinität im Munde des Volkes ein dem Italienischen nahekommender Dialekt geherrscht habe. Nun denn, die Bejahung dieser Streitfrage läßt sich aus den Talmud, den Midraschim und dem Targum Jonathan ben Usiels darthun. In Megilla 7 b, Gittin 78 a findet sich das Wort NpQD; bei Jonathan ben Usiel, Lev. 25, 31, ist das Wort CTO anzutreffen; woher nun zu jener Zeit die italienischen Wörter tu8oa und tenüu, die nichtklassisch, .wohl aber im Munde des römischen Volkes gewesen sein konnten? Woher überhaupt Formen wie TTO, NJND, "QO, u. s. w. mit Wegwerfung nämlich der Endung us? Dies gehörte zur Eigeilthümlichkeit des Volksdialekts und gewiß hatten damals die Juden die meisten Wörter von der römischen Soldateska entlehnt. Die Korruptionen vieler lateinischen Wörter im Talmud würden sich daher aus dem alten Romanischen erklären lassen*). A. I. *) So würden wir in der Optativ form vive, (Midrasch zu den Klagliedern) eine romanische oder im römischen Volksdialekt gewesene sehen. Parallelen aus den später» romanischen Sprachen sind leicht zu finden. Literarische Ankündigungen. In diesen Ankündigungen werden Anzeigen aller Art, besonders in so weit sie jüdische und orientalische Geschichte und Literatur betreffen, gegen 1^- Sgr. für die gespaltene Petit-Zeile oder deren Raum ausgenommen. Neuestes und wohlfeilstes israelitisches Gebetbuch. [23.] Bei F. E. C. L e u ck a r t in B r e s la u ist so eben erschienen und in allen Buchhandlungen des In- und Auslandes zu haben: „Gott sieht in's Herz". PINT Gebet- und Andachtßbuch für fromme Israelitinnen, sowohl Frauen als Mädchen, zur öffentlichen und häuslichen Andacht an Wochen-, Sabbat-, Fest- und Fast-Tagen, wie auch für alle Verhältnisse des Lebens, bearbeitet von I. H. Jacobson, Verfasser des Abtalion rc. 300 Seiten in 8. Elegante Ausgabe auf Velinpapier. Geh. Preis wegen Konkurrenz nur 15 Sv., bei 6 — 1 Frei- Exemplac- Der außerordentlich starke Absatz von diesem vortrefflichen Gebetbuch machte es dem Verleger zur Pflicht, den möglichst billigsten Preis zu stellen. Verlag von. C. L. Fritz sch e. [24.] Bei C. L. Fritz sch e in Leipzig ist erschienen: CtRAMMATICA ARABICA Ji\ USUM SCHOLARUM ACADEMICARUM. SC RIPSIT CJLßOhUS VJLTJXiTT» CJLSPJLBI. ACCED1T BREVIS CHRESTOMATHIA EX CODD. MSCR. CONCIMATA. PAKS PRIOR. DOCTRINA DE ELEMENTES ET FORM IS. 8 maj. Preis 1 Thlr. Druck von I. H. Nagel.