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Der Orient · 1844-03-12 · 11 (12.3.1844) · p. Spalte 161-162

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Journal
Der Orient
Volume
1844
Issue
11 (12.3.1844)
Date
1844-03-12
Page
Spalte 161-162 (sequence 1)
Language
German
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Meratnrbtatl -es Orients. Berichte, Studien und Kritiken für zü-ifch- Geschichte und Literatur. m 11. Leipzig, den 12. März 1844. Inhalt. Studien. Zur neuesten Geschichte der jüd. Gemeinde zu Berlin. — Literarische Analekten. Die religiösen Dichtungen des R. Jakob ben Me'ir Ha-Lewi aus Orleans. Abfassung von Abot des R. Natan. Josef Kimchi's hebr. Uebers. der Chobot Ha-Lebabot. — Liter. Nachrichten und Miscellen. Notiz im Talmud über die jonische Einwanderung in Italien aus Kleinasien. ■— Kritiken. Kurze Anzeigen. — Lit. Ankündigungen. Zur neuesten Geschichte der jüdischen Gemeinde zu Berlin. Erstes Kapitel. Mehr als zu irgend einer Zeit hat die Berliner jüdische Gemeinde in den letzten drei Jahren dahin gestrebt, ihr Kultuswesen umzugestalten und ihre Wirksamkeit den Ansprüchen der Gegenwart entsprechend zu machen. Dieses neue Streben der Berliner Gemeinde hatte ein zweifaches Ziel: 1) ein neues Kultusgesetz von Seiten des Staats zu erringen, zu welchem Zwecke der Vorstand dieser. Gemeinde als Endresultat seiner Bestrebungen einen neuen Gesetzentwurf über das jüdische Kultuswesen dem Ministerium der geistlichen Angelegenheiten zur Berücksichtigung bei den Vorbereitungen für das neue Kuttusgesetz überreichte; 2) die innere religiöse Gestaltung der seit Jahren zerfahrenen Gemeinde durch die Anstellung eines Rabbiners zu versuchen, zu welchem Zwecke derselbe Vorstand einige Aktenstücke, theits um seine Handlungsweise zu rechtfertigen, theils um auf die Zustimmung der Gemeinde zu influiren, der Oeffentlichkeit übergeben hat. Dieses doppelte Ziel bildet aber im letzten Ausgangspunkt eine Einheit, indem beide am Ende da hinauslaufen, den religiösen Zerfall der jüdischen Berliner Gemeinde zu heilen, und dieses einheitlichen Zweckes wegen verdienen diese Bestrebungen in ihrer Ganzheit dargestellt zu werden. Bevor aber dieses im Zusammenhänge möglich ist, scheint es nothwendig, zuerst alle dahin gehörigen Aktenstücke zusammenzustellen, damit der Leser vor allen Dingen das thatsächlich Geschehene erfahre, dann aber in einer Geschichte und Kritik dieser Dokumente den Maaßstab zu geben, wie dieses neue Steben betrachtet werdem müsse, worauf dann ein Blick auf den gegenwärtigen Zustand der Gemeinde in religiöser, socialer und politischer Beziehung den Schlußstein zu bilden habe. Die wichtigsten dahin gehörigen Aktenstücke sind: 1. Gesetzentwurf, das Synagogen- und RelLgionsunterrichtswesen der Juden in Preußen betreffend *)♦ §♦ 1+ Jeder jüdische vnterthan genießt diejenige Religionsfreiheit, welche in Gemäßheit §> 1 bis 6. LH. II. Lit. 11 des Allgemeinen Landrechts jedem Einwohner in den Preußischen Staaten zusteht. §* 2. Den jüdischen Glaubensgenossen ist die Ausübung des öffentlichen Gottesdienstes in gewissen dazu bestimmten Gebäuden (Synagogen) gestattet. Neue Synagogen können nur *) Diesen aus folgenden 47 Paragraphen bestehenden Entwurf hat der Vorstand der Berliner jüdischen Gemeinde im Jahre 1841, als die Kunde von der Ausarbeitung eines neuen Judengesetzes in Preußen die 200,000 jüdischen Preußen aufregte, ausgearbeitet und dem Ministerium der geistlichen Angelegenheiten (Eichhorn) zur Berücksichtigung übergeben. Das neue Judengesetz, welches man gerade in diesem Augenblicke allgemein mit bangem Harren erwartet, soll dem Gerüchte nach, nicht nur die 18, jetzt bestehenden preußischen Judengesetze in ein einziges umgießen , sondern auch ein neues Kultusgesetz bieten, welches der jetzt herrschenden Anarchie in den jüdischen Kultusangelegenheiten ein Ende zu machen bestimmt ist, und es wird sich nun zeigen, ob dieser Entwurf des Vorstandes von Seiten des preußischen Kultusministeriums diejenige Berücksichtigung gefunden, die er bei allen seinen Mängeln in jedem Falle verdient. 11

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