Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1844
- Issue
- 8 (20.2.1844)
- Date
- 1844-02-20
- Page
- Spalte 121-122 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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121 122 Studien. Geschichte der Samson'schen Freischule zu Wolfenbüttel. zahlreichen ehemaligen Zöglingen der S. Fr. Sch. anreihen, die mit der Anstalt und ihren Lehrern in stetem regen Verkehr geblieben und unverkennbar von' dem lcbhaltesten Interesse für die wohltätige Sriftung beseelt sind. Möchte aber auch allen Zöglingen der S. Fr. Sch., zu denen ich mich mit Freuden rechne, der gegenwärtige Bericht eine herzliche Mahnung sein, ihrer treuen Mutter in wahrer Liebe zu gedenken, und ihr durch Anhänglichkeit, und wenn der Himmel sie gesegnet, auch durch die Lhat"^) ihre Dankbarkeit zu beweisen. Dann werden sie gewiß von ganzem Herzen in den Segenswunsch einstimmen, den ich vom Himmel für die verewigten Stifter erflehe. Aus einer höhern Welt schauen sie mit seliger Wonne auf das schöne Werk, das ihren Namen trägt, auf die treuen Nachfolger in der Leitung desselben, auf die Arbeiter, die es weiter zu führen streben, und freuen sich, daß ihre milden Stiftungen wohl Form und Namen geändert haben, aber unaufhaltsam noch und immer lebendiger demselben hohen Ziele zustreben, welches Betha-Midrasch und Sa mson' sche F r e i sch u l e wieder vereinigt: der Erhaltung und Befestigung des väterlichen Glaubens. Anhang I. Die Konfirmationen in der Samson'schen Freischule. Vom Jahre 1807 bis 1843 sind im Ganzen 24 Konfirmationen vorgenommen worden. Bei jenem ersten gewissermaaßrn kindlichen Versuche im Jahre 1807 beginnt der Lehrer mit der Stelle (Kohel. 12): „Gedenke deines Schöpfers in deiner Jugend, ehe die bösen Lage kommen, ehe die Jahre sich nähern, von denen du sagen wirst: Sie gefallen mir nicht". Dann folgen die Fragen: „Hast du wohl je daran gedacht, daß es einen Schöpfer gäbe? — Wie hast du dir denselben gedacht? — Woraus lernen wir ihn und seine Eigenschaften kennen? — In wie fern sehen wir hieraus seine Allmacht und Weisheit? — Wodurch lernen wir ihn noch näher kennen, als aus der Offenbarung in der Natur? — Durch wen hat er uns die heilige Schrift gegeben? —- Was hat er uns in dieser gelehrt? — Was bist du aber nach dieser Lehre vorzüglich zu glauben verpflichtet?" — Die Antwort auf die letzte Frage umfaßt die 13 Glaubensartikel in der gewöhnlichen Reihenfolge. Daran schließt sich eine herzliche väterliche Ermahnung, und der Knabe spricht zuletzt ein (wohl der Hauptsache nach selbst verfaßtes) hebräisches 108) Wie manche Verbesserung ließe sich vornehmen, würden mitunter kleine Summen (außer dem regelmäßigen Ausgabe-Etat) zur Disposition gestellt. Doch sei es hiermit herzlichem Danke erwähnt, daß mehrere Schriftsteller ihre Geistesprodukte für die Bibliothek der S. Fr. Sch. eingesandt haben, und daß diese sich sogar durch gütige Geschenke fremder Gelehrten (z. W. des Herrn Dr. I. Fürst) vermehrt hat. . Gebet in naiver, kindlicher Sprache, in welchem dem Schöpfer für die vielen erwiesenen Wohlthaten Dank gezollt wird und gute Vorsätze für die Zukunft gefaßt werden. — Schon bedeutend bestimmter und umfassender erscheint die dritte Konfirmation^»). Sie schloß schon einen volständigen Kursus des Religionsunterrichts ab. Die Fragen beginnen mit dem Begriffe der Religion, gehen auf das Wesen derselben, auf die Vollkommenheiten Gottes, auf den Unterschied zwischen Glaubens- und Sittenlehre ein; der Lehrer fordert zuletzt ein ausdrückliches Versprechen, den göttlichen Geboten treu zu bleiben, und schließt nach einer liebevollen Anrede mit dem Priestersegen. — Die vierte Konfirmation nimmt bereits eine ganz andere Gestalt an; der Vortrag, mit einem Gebete beginnend und schließend, ist ein Lehrvortrag, in welchem der Gang des Religionsunterrichts in der Sams. Freischule vollständig dargelegt, dann an eine Stelle des Wochenabschnitts noch eine Betrachtung geknüpft, und zuletzt der Konfirmand gefragt wird, ob er das Vorgetragene begreife und für wahr erkenne, so daß eine eigentliche Prüfung wegfällt. Dagegen erhält der Knabe nebst der väterlichen Ermahnung einen Bibelvers als Denkspruch und wird dann eingesegnet. — Die fünfte Einsegnung, nach langer Pause, weist allen folgenden entschieden den Weg an, Text, Predigt, Prüfung 110), selbstständiges Glaubensbekenntniß, Ermahnung und Segen. Auf's deutlichste ist immer die Entfernung von allem Angelernten, zu erkennen. Die eben erwähnte Pause ward durch einen eigentümlichen Zwischenfall veranlaßt. Von dem im Jahre 1808 eingesetzten jüdischen Konsistorium ging im Jahre 1810 die Verordnung aus, daß Niemand ohne speeielle Erlaubniß die Konfirmation vornehmen dürfe. Damit waren dem Inspektor der S. Fr. Sch. die Hände gebunden, und eine sechsjährige Unterbrechung trat ein. Aeußerten auch freilich die inspicirenden Konsistorialräthe ihr großes Erstaunen, daß „der Inspektor jene Verordnung auf sich bezogen habe, da sie ihn gar nicht treffen könne": so ging doch mit diesen Verhandlungen so viel Zeit verloren, und die ungünstigen Zeitumstände traten so hindernd entgegen, daß erst im Febr. 1816 wieder ein Knabe konsirmirt ward. Dann aber folgten die Konfirmationen ununterbrochen in der Weise, daß wenige Zöglinge ohne die Vollziehung dieses feierlichen Akts die Anstalt verlassen haben. Im I. 1827 wurden zum ersten Male einige Mädchen mit konsirmirt, wie nachher öfter, und von dieser Zeit an erbaten sich auch die andern in Wolsenbüttel wohnenden Glaubensgenossen die Erlaubniß, ihre Kinder an dem Konsirmandenunterricht und der Einsegnung Lheil nehmen zu lassen, ja sogar aus Wraunschweig kam ein Knabe zu demselben Zwecke herüber. Im Ganzen genossen diese wohlthätige Vergünstigung 15 nicht zur S. Fr. Sch. gehörende Kinder. 109) Ueber die zweite fehlen mir die schriftlichen Data. 110) Die Prüfung findet in neuerer Zeit gewöhnlich einen Lag vor der Konfirmation statt»