Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 5 (1844)
- Issue
- Heft 8 (20.2.1844)
- Date
- 1844-02-20
- Page
- Seite 64 (sequence 15)
- Language
- German
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64 daß die Moldau noch in keinem Nechtszustande lebt; nicht einmal der geringste Prozeß läßt sich hier ohne Bestechung durchführen; denn Alles ist käuflich/ das Recht, die Verwaltung, ja sogar die Hospodarwürde, wie die Leser im Verfolg dieser Mittheilung sehen werden. — Die Hauptmasse der hiesigen Juden, — in Jassy allein zahlt man 30,00t) Seelen — ist aus Rußland in den letzten 23 Jahren eingewandert und sie trägt alle Mängel und Gebrechen, von welchen der chasidäische Fanatismus der hauptsächlichste ist, welche die russischen Juden leider so rief entwürdigt haben. Der Hauptbeweggrund ihrer Einwanderung war das die Juden Rußlands betreffende erschienene Militärgesetz im Jahre 1826, als der jetzt regierende Kaiser seinen Thron bestieg, bei welcher Gelegenheit aus Rußland bei einer jedesmaligen Konskription Hunderte nach der Moldau herüberkamen, und das erst in den letzten Jahren etwas nachgelassen! Außerdem lockte noch viele die Freiheit des Handels, die Geringfügigkeit der Steuern und vorzüglich die Ergiebigkeit des Handels, zur Ansiedelung, was die moldauische Regierung gar nicht ungern sah, da der Kleinhandel und die Ausfuhr der vaterländischen Produkte noch sehr im Argen liegt. Ist aber auch die Hauptmasse der Juden russisch und der neuesten Zeit angehörig, so sind sie auch in die neuesten Gahrungen dieses Fürstenthums seit 1828, seitdem das Reglement organique oder unsere Konstitution uns von Rußland zugeworfen wurde, hinein gezogen worden. Als im Frühjahre 1828 die Russen den moldauischen Boden betraten, die ^Herrschaft des Hospodaren Johann Stourdza vernichtend, waren Juden in ihrem Gefolge, deren sie sich zu ehrlichen und unehrlichen Handlungen bedienten. Der russische Feldmarschall Wittgenstein, der nach Voraussendung einer höchst liberalen Proklamation eine provisorische russische Landesverwattung einrichtete, stellte den klugen Generallieutenant Kisseleff an die Spitze dieser provisorischen Centralverwaltung, mit dem Titel eines bevollmächtigten Divanspräsidenten für die Moldau und Walachei, welcher zu Bucha re st seinen Wohnsitz anfschlug, und den thätigen Generalmajor Mirko wich, als Lice-Präsidenten des Divans in der Moldau, in Jassy residirend.. Diese zwei talentvollen Männer Rußlands, welche die Verwaltung der zwei Fürstenlhümer mit ungemeiner Geschicklichkeit ungestalteten und deren Werk noch jetzt alles Gute ist, was diese Provinzen besitzen, hatten Juden zu ihren Rathgebern, die ihnen mit großem Geschicke in der Ausführung'ihres Reformwerks beistanden; es waren großtentheils gebildete und durch ihre Studien an deutschen Universitäten geachtete jüdische Aerzte. Als der jetzige Hospodac Michalaki Stourdza um die Hospodarenwürde zum Verdruß und Aerger aller Großbojaren zu prätendiren die Absicht hatte, sah er wohl ein, daß dazu nicht nur bedeutende Geldmittel nöthig seien, sondern daß sein nicht unbeträchtliches Vermögen nicht ausreicht, und er entschloß sich bei den jüdischen Bankiers in Jassy, namentlich bei dem sehr reichen Michel Daniel, ein ansehnliches Darlehn aufzuuehmen, was sie auch seht gern thaten, in der festen Ueberzeugung, darunter allen Großbojeren nur Michalaki durch seine Schmiegsamkeit an Rußland sich erhalten werde. Mich. Stourdza reiste mit ungeheueren Summen nach Petersburg, leitete dort persönlich die Bestechungen, aber er kehrte, wie die Juden es voraus wußten, zwar arm wie ein Bettler, aber doch mit der Hospodarenwürde noch Jassy zurück. Die Juden haben sich in dem Erfolge nicht getäuscht» Leider aber haben sie sich in dem Rechtsgefühle des Fürsten betrogen. Denn kaum war diese Wurde auch von der Pforte bestätigt, als der Preller seiner Mitbewerber seine Gedanken nur darauf richtete, wie er sich der Schuldenlast bei den Juden entledigen könnte, und die eigentdümliche Anschauung des Fürsten über fremdes Eigenthum hat ihm schnell ein probates Mittel eingegebm. (Fortsetzung folgt.). Perfonalchronik und Miscelleu. Salomon' s Geschichte des Tempels beurth eilt. In der Staats- und Gelehcten-Ieitung des Hamb, n. Korrespondenten Nr. 35 befindet sich von einem Dr. G. eine treffliche Recension des Salomonischen Werkchens: Geschichte des Tempels, wo namentlich der Standpunkt der Emancipation in Hamburg hervorgehoben wird. Es wird hervorgehoben, daß die Bürger, wenn sie über diese wichtige Zeitfrage in ihrer Stadt zu' entscheiden haben sollen, auch über diese kirchengeschichtliche Erscheinung sich unterrichten mögen. ' Isr aelitische V o l ks bild ung in Böhmen. Von dem Kreisrrbbiner Salomon Sachs in Böhmen erscheint: „Volksbibel als Belehrungs- und Erbauungsbuch für Israeliten" nach Art der Dinter'schen, wovon bereits der erste Theil der (Zensur vorliegt Es soll für die ungebildetere jüdische Volksklasse das werden, was früher der Brandt-Spiegel, Zeena und Reena, Kab Ha-Jafchar war. Der älteste lebende Kompositeur von ungarischen National-Musikstücken ist Hr. Mark Rü zsav öl g h r, ein Jude, der schon im Jahre 1840 komponirte, und noch fortwährend sehr fleißig arbeitet. Holländische Statistik. Nach dem „niederländischen Wochenblatte für Recht" befanden sich im Jahre 1843 in Holl. Gefängnissen 2321 protestantische, 1337 katholische und 115 israelitische Strafgefangene. Ob dieses ein günstiges oder ungünstiges Verhältniß ist, das läßt sich nur aus einer Vergleichung mit der allgemeinen Statistik beurtheklen. Verlag von C. L. Fritzsche. Druck von I. H. Nagel.