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Der Orient · 1844-02-20 · Heft 8 (20.2.1844) · p. Seite 58

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Journal
Der Orient
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 8 (20.2.1844)
Date
1844-02-20
Page
Seite 58 (sequence 3)
Language
German
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53 Flüchtlinge in den Schutz anderer leuropäischm Mächte, erfolgt sei, und ob überhaupt Hr. L. bei den gegen Hrn. A. S. S. aus ge führten türkischen Justizmaaßregeln betheiligt sei. 4) Ob und aus welchem Grunde Hr. L. sowohl Hrn. Moses Sachs aus Jerusalem als auch Hrn. Aaron Selig in ganz Europa, soweit solches bei ihm gestanden, und besonders in Amsterdam, verfolgt und namentlich Letztem als einen Bettler und unbefugten Kollektanten der Amsterdamer Polizei denunzirt und dessen momentane Vorführung veranlaßt habe — ein Verfahren, welches den Verdacht aufkommen ließ, daß Hr. L. seine eignen Gründe habe, um Niemanden, der über die Verhältnisse in Jerusalem Aufschluß zu geben vermöchte, in Europa zu Worte kommen zu lassen. 5) Ob es wahr ist, daß Hr. L. zum Aufbau der nach dem Namen eines seiner Anverwandten benannten Schule und Synagoge in Jerusalem durch seinen Agenten Jesaias Pinzker in Jerusalem an 500 Pfund Sterling von dem zur Unterstützung der Armen in Palästina kollektirten Gelde, und namentlich aus dem Ertrag der Sammlungen zu Gunsten der im Jahre 1837 durch ein Erdbeben heimgesuchten Städte Aefat und Hebron, verwenden ließ, und daß überhaupt weder diese letztem Gelder noch die andern gesammelten Summen gleichmäßig und im Sinne der Geber, sondern lediglich nach dem willkürlichen Gutdünken des Hrn. L., resp. seines, sehr verdächtigen Agenten Jesaias Pinzker in Jerusalem, vertheilt worden sind. 6) Aus welchem Grunde sich Hr. L. seit vielen Jahren geweigert hat, dem Publikum über die gehörige Vertheilung und Verwendung der gesammelten Gelder öffentlich eine belegte Rechnung abzulegen, und endlich 7) warum er sich ebenso beharrlich geweigert hat, dem zu diesem Zwecke seit vielen Jahren bestehenden Komit« m Wilna denjenigen. Lheil der gesammelten Gelder — i-f des Betrags — zugehen zu lassen, welchen dieses Konnte von jeher unter die Aschkenasim in Palästina zu vertheilen pflegte, und über welche Vertheilung niemals eine Klage laut geworden, während dagegen die Vertheilungsweise der Agenten des Hrn. L. ununterbrochen die bittersten Klagen über Parteilichkeit, Beeinträchtigungen und sogar über Unterschleif hervorgerufen hat'). Obgleich diese sieben Punkte noch nicht alle die Beschwerden erschöpfen, welche man mir aktenmaßig vorgelegt, so würde doch eine vollkommen befriedigende und mit den gehörigen Nachweisen belegte Rechtfertigung hierüber schon sehr wesentlich dazu beitragen, die allgemein verbreiteten, auffallenden Gerüchte zu widerlegen, aufgekommene Zweifel *) Die Nachricht von dem Kavasscn - Unfug und der Bastonadentyrannei des Jes. Pinzker (Orient v. 1842, S. 339) war zur Zeit der Absendung dieses Briefes (19. Aug.) noch nicht hier eingetroffen, weshalb darin nichts davon erwähnt wird — vorläufig ein Beweis mehr, daß nicht etwa Aussagen des Hrn. A. Selig, der damals .schon längst sich hier aushielt, die Aufstellung dieser Fragen veranlaßte. niederzuschlagen, und zunächst wenigstens die Folge haben, daß der Unterzeichnete alsdann, Ihrem und des Hrn. I. M. Kann Verlangen gemäß, eine publicistische Darlegung der besprochenen Mßstände und Mißbräuche unter solchen Umständen vorerst zu unterlassen geneigt wäre. Empfangen Sie rc. L. H. Löwensteim ' Fra nkr eich. Paris, im Februar. Der UltrakatholicismuZ, der! sich überhaupt gegen 2llles Humanität athmende so hef-! tig ereifert, fand auch an der Wahl des Hrn. Ad. Fr an ck zum Mitglieds der Akademie der moralischen und politischen Wissenschaften kein Behagen, und sein Organ „rami de la Religion“ wollte behaupten, daß ein Jude diese Würde nicht erlangen könne. . Allem der Constitutionel und mehre andere Blatter zogen sogleich gegen die Herren Zeloten zu Felde. Der Feind der Religion der Liebe soll sich nun in Schwarz gekleidet und Asche auf sein Haupt gestreut haben. — Den Gemeinden in Deutschland und Oester- § reich, welche die schnelle Beerdigung der Tobten noch I nicht abgeschafft haben, empfehlen wir die Schrift von Ehalette dem Sohn: de3 dangers des inhuma- I Lions precipitees et de Piniportance de faire j constater les deces par les gens de Part (Clialons \ sur Marnes, 1843. 8. 2 Bogen.). Deutschland. Frankfurt a. M», 5. Febr. Die Jnstruktioj nen, die für unfern Rabbiner entworfen wurden, sollen j nach den allgemein verbreiteten Gerüchten j derart fein, daß derselbe seine Stelle nicht sobald an-! treten wird. Ein Rabbiner, dem die Beaufsichtigung j des Religionsunterrichts entzogen ist, und dessen Wir- ) kungskreis sich nur auf die Predigt und den religiöstn ( Trost der Sterbenden beschranken soll, ist keineswegs im I Stande, der Aufgabe der Zeit und der Heiligkeit seines! Berufs genügen zu können. Ist auch momentan der \ Religionsunterricht der hiesigen Schulen den besten Leh-! recn anvertraut, so ist solches nur ein glücklicher Zufall,; da wir in unserer Gemeinde keinen Theologen besitzen, der über diesen heiligen, wichtigen Gegenstand in pada-! gogischer Beziehung ein gültiges Urtheil zu fällen vermag. Um so mehr ist es zu bedauern, daß man die Kenntniß eines Mannes, der diese Lücke auszufüllen im; Stande ist, unbenutzt und brach liegen laßt. — Wie; wollen hoffen, daß Herr Stein durch ernstes Auftreten i alle Hindernisse beseitigen wird, die sich feinem Wirkungskreise entgegenstellen.

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