Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 5 (1844)
- Issue
- Heft 3 (16.1.1844)
- Date
- 1844-01-16
- Page
- Seite 24 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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,A;4ß^Ä^Uiihr Ä^Wh^«<rdUlH*«i - 24 - 32. öffentlichen Sitzung vom 3. Juni 1831 ging cm das SLaatsministerium der nichtssagende Beschluß ab: „daß eine Gleichstellung im Genuß politischer Rechte zur Zeit noch nicht stattfinden könne, daß aber an die Regierung der Antrag geschehe, zwischen dem'jetzigen und künftigen Landtage eine Versammlung von Abgeordneten der Israeliten zu veranstalten und mittelst dieser den Versuch zu machen, ob die jener Gleichstellung entgegenstehenden Hindernisse aus dem Wege geräumt werden können." So endete für die Israeliten Badens ein Landtag, der die eminentesten Talente vereinigte, der das denkwürdige Preßgesetz erkämpfte und auf dem die Regierung an Freisinnigkeit alle Staaten Deutschlands überragte. Eine misgeleitete Anschauung über Juden und Judenthum gebar dieses intolerante Resultat, und die falsche Furcht, die Popularität einzubüßen (wie z. B. bei v. Rotteck), trug zur Verstärkung dieser engherzigen Gesinnung bei. Bei den Juden erzeugte die entwürdigende Vereitelung ihrer Hoffnungen und Wünsche eine gewisse Bitterkeit und eine beißende Kritik gegen die Kammern, welche diese Letztern später oft schmerzlich empfanden, vorzüglich da sie nur zu sehr die Wahrheit traf. Den 10. Aug. 1832 erließ das Ministerium des Innern ein Schreiben an den israelitischen Oberrath, wegen Einberufung einer jüdischen Versammlung von Abgeordneten, in Folge des Beschlusses der 13. Kammer; aber schon den 3. Dec. 1832 wies der Oberrath dem Ministerium nach, indem er alle die von dem Ministerium in Bezug auf eine solche Versammlung gestellten Fragen erschöpfend beantwortete und die Einberufung der Versammlung auf die Mitte Febr. 1833 bestimmte, wie unvernünftig eine solche Anordnung auf dem Gebiete politischer Verhandlungen sei und wie die Versammlung eigentlich keine klare Vorstellung von dem gehabt habe, was sie verlangte. Dieser Nachweis war so klar und überzeugend, daß das Staatsministerium schon den 25. Febr. 1833 an den israelitischen Oberrath die Verordnung ergehen lieg/ eine solche Zusammenbecusung einzustellen.• Allein nun wollten die Juden auch keine Zeie verlieren und bereiteten sich ebenso zu dem auf den 20. Mai 1833 angesetzten Zusammentritt der Stände vor, wie die, damals eifrig rüstenden, politischen Parteien. Den 20. Mai 1833, wie erwähnt, traten die Stände zusammen; am 22. Juli 1833 überreichte Dr. Ladenburg in Mannheim der 1. Kammer eine Eingabe, begleitet von zwei, von ihm herausgegebenen Schriften: „Die rechtlichen Verhältnisse der Israeliten in Baden" (Mannheim 1832. 8.) und: „Die Gleichstellung der Israeliten Badens mit ihren christlichen Mitbürgern" (Das. 1833. 8); zu Ende Juli überreichten die schon oben erwähnten jüdischen Gemeinden an dieselbe Kammer eine Eingabe, unterstützt durch eine Druckschrift, betitelt: „Denkschrift an die hohe badische Ständeversammlung, eingereicht von badischen Bürgern israelitischer Religion, zur Begründung ihrer Petition um völlige bürgerliche Gleichstellung" (Heidelberg 1833. 8), und dm 13. Aug. that em Gleiches der Oberrath Epstein, ebenfalls mittelst einer Druckschrift, welche den Gegenstand erläuterte. Dieselben Schritte wurden bei der 11. Kammer wiederholt. (Fortsetzung folgt.) Personalchronik und Miseellen. Straß bürg, 1. Jan. Ein jüdischer Lehrer zeichnete sich vor Kurzem durch einen schönen Akt von Mildthätigkeit aus. Er wurde nämlich zu wiederholten Malen von dem hier erscheinenden Blatte „das Elsaß" durch verschiedene Artikel geschmäht, worüber er sich auf gerichtlichem Wege beschwerte. Der Angeklagte wurde zu einer Geldstrafe von 4000 Fr. verurtheilt, die der jüdische Lehrer, trotz seiner nicht gar glänzenden Umstände, für jüd. und christliche Arme bestimmte. Gutzkov über B. Auerbach. Im Feuilleton der Köln. Zeit, spricht sich G. über B. Auerbach's „Dorfgeschichten" sehr lobend aus, und drückt seine Verwunderung aus, daß ein Jude sich so in das Bauernleben versenken konnte. — Ist denn aber der Jude der „ewige Jude", der überall ist? D i e r u ssi s ch e n B e a m t e n sollen, nach einigen r u ssischen Zeitungen, die russische Medaille mit der Inschrift: „Für Menschenrettung" erhalten, wenn sie sich bei den Versetzungen der jüd. Grenzbewohner im Sinne ihres Herrn betragen werden. O sanctu siaiplieitas! Menzel ist verdrießlich, daß Prescott in seinem Buche über Ferdinand und Jsabella den spanischen Juden Gerechtigkeit widerfahren läßt. Hc. Menzel wünsch: wieder eine Juden - Inquisition j Die Iudenemancipation in Romanen zu verhandeln ist unstreitig einer der glücklichsten und wirksamsten Gedanken.. Nicht nur daß das Volk, für welches doch zunächst diese Art Lektüre bestimmt ist, mit dem Gedanken der Gleichstellung vertraut wird, ist der Roman auch die geeignetste Form, diese Idee unter dem Volke zu verbreiten. Möchten doch die jüdischen Belletristen, anstatt Reformvereine zu stiften, auf diese Weise für die Emaneipation wirken und sich die ungenannte Vers, der „Jenny" zum Muster nehmen! ' * In Prag soll sich ein „Verein zur Unterstützung armer Studirender" bilden. Die Herren Wessely und Landau werden oder sollen an der Spitze stehen. Verlag von E. L. Fritzsche. Druck von I. H. Nagel.