Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1844
- Issue
- 2 (9.1.1844)
- Date
- 1844-01-09
- Page
- Spalte 17-18 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Lrteraturblatt des Orients. Berichte, Studien und Kritiken für M-ische Geschichte und Literatur. 2. Leipzig, den 9. Januar 1844. Inhalt. Literatur-Berichte. Paris. London. Prag. Berlin. — Stu dien. Offenes Sendschreiben an die jüd» Neformsreunde in Franks, a. M. Vom Rabb. Dr. Gutmann. (Schluß.) Jakob Trigland's Abhandlung über die Sekte der Karäcr. Geschichte d. rel. Spaltungen unter d. Juden. Im Auszuge übersetzt. (Forts.) Lit. Analekten. Zur Erklärung einiger Kunftausdrücke in den Ritualien. Von A. Ink. Pismon. Tamrur K u k l ar o. — K ri ti k e n. K u r z e A n z e i g e n. Die Autonomie der Wbinen rc. von Dr. S. Hold heim. Beurtheilt von Dr. Gebhardt. — Lit. Ankündigungen Literatur - Berichts. Paris, Dec. 1843. Ohne die rechte Zeit und Muße zu haben, Ihrer Aufforderung gleich beim ersten Berichte nach Wunsch genügen zu können, hätte ich fast meine Mittheilung gniz unterlassen, wäre ich nicht überzeugt, daß die geehrten Lchr ohnehin mit dem Anfänge Nachsicht haben werden. — Das berüchtigte Jnquisitionsdikt zu Mantua, welches die Men Deutschlands, Frankreichs und Englands mit Schrecken ttsiillte, so daß man kaum seinen Augen und Ohren trauen wollte, und das in den Tagesblättern die heftigste Polemik hervorgerufen, hat auch eine kleine Broschüre gebracht. Ein Israel. Advocat zu Paris, Eugene d' Almeyd e, schrieb: Lettre d’un Juif au Pape siu* Ledict d’Ancone contre lesjuifs'(Paris, 1843. 8. — 1 Fr). Schon daß ein Jude es wagen durfte, an den Papst ein Sendschreiben zu richten, ohne verbrannt zu werden, ist ein merkwürdiger Fortschritt und sicherlich ein Segen des neunzehnten Jahrhunderts, wenn auch das Schriftchen an sich nicht voll der interessantesten Bemerkungen wäre. Freilich bietet Frankreich in Bezug auf dergleichen Tagesschristen zu wenig Stoff und das schreibselige Deutschland, wo die Juden noch für ihre Menschenrechte so hartnäckig zu kämpfen haben, hat vor unserm Vaterland den Vorrang z aber dafür bleiben wir im Anbau der jüdisch-biblischen Wissenschaft nicht zurück. In Bezug auf die biblische Geographie ist erschienen: E. Garnier, Jerusalem et Ja ludce, description de ia Palestine ou terre sainte (Tours, 1843. 8. mit 4 Kupfern, Preis 1 Fr.). In Bezug auf die Zustände der Juden im Morgenlande ist erschienen: tte^lenient du comite oriental de Paris, institue pour ^emancipatiori des chretiens et des israelites d’Orient TVis> 1843. 8.). In Bezug auf die phönicische Sprache, und somit auch als ein Beitrag zur Kenntniß des Hebräischen zu betrachten, ist erschienen: A. C. Judas, lettre ä M. de Souley sur quelques monuments de la langue plienicienne (Paris, 1843» 84). — Zur jüdischen Theologie rechne ich, obgleich es ganz zum Verständniß des Christenthums geschrieben ist, das erschienene Buch: Dissertations sur les propheties, par Je Cardinal de la Luzerne (Paris, 1843. 8.). In Bezug auf jüdische Altertumskunde, aber verbunden mit den Reformbestrebungen der Gegenwart, ist von Dr. L. Ter quem in Metz erschienen: Guide du posthetoniiste avec im exp ose d’un nouveau procede etc. (Metz, 1843. 8.). Dieses letztere ist in Ihrer Nahe, unter dem Titel: die Beschneidung u. s. w. übersetzt von Dr. Ludw. Heymann (Magdeburg, 1843. 8.) übersetzt erschienen, aber schon trefflich bereichert. — Bei allen diesen Arbeiten wird aber die eigentliche rabbinische Literatur, wie noch z. B. in Italien, Rußland, Ungarn, Böhmen, nicht eingebaut; kaum daß noch eine tüchtige Kenntniß des Hebräischen, wenn man Einige wie Cahen, Franck u. s. w. ausnimmt, an zutreffen ist. Die eigentliche rabbinische Literatur mit ihrem Idiome scheint mit der Zunahme der Civilisation unter unfern Glaubensgenoffen zu verschwinden, wie uns selbst Deutschland in dieser Beziehung ein Beispiel ist; und doch vermögen wir nicht die Notwendigkeit'einzusehen, wonach dieses geschehen müsse. Wir haben uns oft gefragt: ist denn die jüdische Literatur eine Pflanze, die nur auf dem sumpfigen Boden der Schmach und der Kerker und in der verpesteten Lust der Ghetti's gedeiht? Doch Sie wünschen keine Naisonnements und ich will sie auch unterdrücken, nur die für uns gar nicht schmeichelhafte Bemerkung erlauben Sie mir noch, daß, wie ich bemerke, die in das Gebiet des Judentums gehörigen Produktionen Frankreichs den deutschen Leistungen bedeutend nachstehen. Nächstens Mehres.