Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1842
- Issue
- 51 (13.11.1842)
- Date
- 1842-11-13
- Page
- Spalte 801-802 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Meratrrrblatt des Orients ►0^9* Berichte, Studien und Kritiken für jüdische Geschichte und Literatur. M 51. Leipzig, den 13. December 184% D i e Judenf^age in Preußen. Nachträge zu dem legislativen Fragen. Von Dr. Jost. — Die Blut frage im Judentum. Der neue Pitaval. Zeugnisse gegen die Vlutbeschuldigung. — G e l e h r t e n - G e s ch i ch t e. Nachricht über Josef ben Jehuda. Von Munk. — Lit. Nachrichten und Miscellen: 1) Beitrage zu dem Blutaberglauben der Christen. 2) Zur Geschichte der Juden Badens. — Jüdisch-philosophische Literatur. Die neueste Ausgabe des Kusari, beurtheilt von M. S.id er. -— Literarische Ankündigungen. Die Judenfrage in Preußen. Nachträge zu den legislativen Fragen, betreffend die Juden im preußischen Staate. Von Dr. I. M. Jost. Berlin, 1842. 8. E. H. Schröder. Schon oben Nr. 40 ist von Ed. C. in Hamburg das treffliche Werkchen: „Legislative Fragen, betreffend die Juden im preußischen Staate", unter den verschiedenen Schriften, und Schriftchen über die preußische Judcnfrage rühmend hervorgehoben und nächst der zweiten anonym in Breslau erschienenen Schrift der erste Platz eingerau'mt worden; die hier anzuzeigmden Nachträge, indem sie den Wendepunkt der Judenfrage zu ihrem Thema haben, verdienen aber diese Beachtung im höchsten Grade, sowohl von Seiten der Legislatur als von Seiten der Betheiligten, und gewiß wird diese Beachtung nicht ausbleiben, da keine der erschienenen Schriften sich so durch eine ruhige Haltung, durch das „sich stellen aufden Standpunkt der Gegner" auszeichnet, als diese. Hr. Dc. Jost ist nicht blos als unser trefflicher Geschichtschreiber, sondern auch als Kämpfer für Juden und Judenthum bekannt, sobald der Haß, die Lüge oder das Voructheil zur Thatsache zu. werden drohet;, in diesem Sinne schrieb er gegen Abbö Chiarini, gegen Streckfuß u. s. m., und es ist natürlich, daß . wir ihn auch bei der neuesten, so sehr wichtigen Judenfrage nicht gern ver-, mißt hätten; ja gerade hier wünschten wir ibn als Dolmetsch .und als Sprecher, da er durch seine tiefen Kenntnisse in der preußischen Gesetzgebung, durch seine Vertrautheit mit dem preußischen Wesen, durch die ruhige Haltung und Klarheit seiner Sprache am meisten dazu geeignet ist. In dem Vorworte der Nachträge spricht sich Hr. I. sehr richtig aus, daß die Besprechungen in den Zeitungen, so weit sie sich im Bereiche der Principien bewegen, auf die eigentliche Berathung nur von geringem Einflüsse sein können, überhaupt daß das Besprechen der Emancipationsgrundsätze und der Pcincipien der Humanität.für Preußen überflüssig wäre, da diese hinlänglich bekannt und anerkannt seien; es gälte blos, die angeblichen Hemmungen und Schwierigkeiten, welche man bei der Ausführung einer entschiedenen Befreiung zu finden meint, zu untersuchen und zu prüfen, und der Untersucher hätte sich dann auf den Standpunkt Jener zu stellen, die dergleichen Hemmungen finden. Daß aber eine Aufklärung über die vermeintlichen Hemmungen wirklich nöthig sei, beweist eben das am 1. April erlassene Ministerial - Circular, nach welchem die beabsichtigte legislative Reform in Frage gestellt und von ganz andern Elementen abhängig gemacht wird. Die ganze Untersuchung erstreckt sich daher über die zu ermittelnden factischen Zustände, mit besonderer Bezugnahme auf eine Ministerialverfügung vom 1. April c., welche Untersuchung in 8 Paragraphen zerfällt, worauf eine Schlußsolge als Resultat folgt. Es wird den Lesern gewiß lieb sein, hier eine Andeutung dieser 8 Paragraphen zu haben, und ich beeile mich, diese so kurz als möglich zu geben. 1. Von gehässigen Unterlagen kann bel der gerechten und freisinnigen preußischen Regierung nicht die Rede sein; die öffentlich dargelegten Absichten und Motive der zu verändernden Gesetzgebung in Betreff der Juden, die ruhige Hinnahme der mannigfachen mitunter sehr starken Protestationen und die Freiheit der Verhandlungen sind schöne Beweise, daß die Regierung es nicht darauf abgesehen hat, Rückschritte zu machen, und die einstimmigen Reskripte bestätigen es auch. Nicht also Vorurtheil, kränkende Zurücksetzung, gehässige Insinuationen hatten die Juden zu fürchten, sondern Mißverständniß ihrer Zustände, hervorgegangen aus dem Principe einer na- 51