Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 3 (1842)
- Issue
- Heft 51 (13.12.1842)
- Date
- 1842-12-13
- Page
- Seite 408 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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408 beobachten, denn er ist euch heiligwer ihn entweihet soll getödret werden, und wer an demselben eine Arbeit verrichtet, dessen Seele solNrusgerottet werden aus ihrem Volke." Selbst die Propheten, die sonst stets nur allgemein zur Beobachtung der.Gesetze ermahnen, heben immer die Heiligung des Sabbats noch speciell hrrvor (fl Jesaja Cap. 56 u. 58, Ierem. 'Cap. 17, Hesekiel, Cap. 20). Und dabei wagen Sie es, sich auf den Talmud zu berufen, der vom Sabbat sagt, daß er älter sei als das ganze übrige Gesetz: dn Drfr'jnJ $hu/ ny ML,N nx pi minn und: xbx D’bn-y nmn xb nDcyn nx ifrm und endlich: wnv nnpn rb tn neu/ roun h rDiD. Doch wir wollen einen Augenblick dies Alles vergessen, wir wollen einmal annehmen, das Landesgesetz könnte wirklich das mosaische Gesetz aufheben: Sie aber wagen hier das Arbeiten am Sabbat zu erlauben „weil das Nichtschreiben der israelitischen Schüler eine Unbequemlichkeit und,ein Nachtheil (??) für die Lehrer und die übrigen Schüler (???) ist." Die Unbequemlichkeit für die Lehrer gilt Ihnen also gleich einem La nde sgesetze, welches das Schreiben gebietet! Der Geist, der in diesem Schreiben des Hrn. Hofmann weht, ist durchaus nicht zu verkennen, es spricht aus ihm der allercrasseste Materialismus, der jedes edlere Streben, jede Idee von etwas Höherem, jede geistige Regung verbannt und aufopfert, sobald, es sich um eine Erdscholle handelt, sobald das liebe Ich in's Spiel kommt, sobald das materielle Wohl auch nur einen Fingerbreit in Frage gestellt wird. Wer aber noch bezweifelt, daß Hr. Hofmann ein" Vertreter dieser edlen Gesinnungen ist, der erfahre es aus seinen eignen Worten: „Überhaupt würde es ein schlechtes Licht auf alle Israeliten werfen, welche nach Emancipation, nach Aemtern und Würden streben . .. wenn das Schreiben und Arbeiten am Sabbat ihnen verboten wäre." Heißt das nicht klar und deutlich: Wie könnt Ihr Euch noch bedenken, am Sabbat zu arbeiten, Ihr bekommt ja sonst keine Aemrer und Würden. Ware es aber der reine Materialismus, wie wir ihn alltäglich in vielen Exemplaren sehen, der aus diesem Schreiben spräche, so hätten wir nicht ein Wort darüber verloren, er trägt den Keim der Auflösung in sich selbst: hier tritt er uns aber verkleidet entgegen, im Gewände eines Rabbiners, mit der Maske der Frömmigkeit, verbarrikadirt hinter den. Aussprüchen des Talmuds: darum wollten wir ihm seine Larve und seinen Heiligenschein abreißen und ihn in seiner völligen Nacktheit darstellen. Wir rufen daher dem Hrn. Hofmann und allen ihm Gleichgesinnten die Worte des Propheten zu: „Gehet hin und dienet den Götzen eures Herzens, spricht der Herr ... nur entweihet meinen heiligen Namen nicht mehr." (Hesekiel Cap. 20. v. 39). Wir aber, das heißt der bessere Theil unter uns, wir werden dem Judenthume und dem mosaischen Gesetze in seinem ganzen Umfange ewig treu bleiben, wir werden.keine Aemter und Würden annehmen, die eine Entweihung des Sabbats, oder einen andern Eingriff in unsere Religion bedingen, selbst wenn noch zehn solche provisorische Sachsen - Meiningen'sche Landrabbiner dagegen protestiren würden: wir werden aber dessenungeachtet unsere Pflichten gegen den Staat treu erfüllen, wir werden auch nicht ermüden in dem Streben nach bürgerlicher Gleichstellung, die wir als unser gutes Recht in Anspruch nehmen. Aber j eben weil wir sie als unser gutes Recht betrachten, wellen j wir keine Concessionen im Sinne des Hrn. Hofmann machen, \ wir fürchten auch nicht das schlechte Licht, das nach Hrn. j Hofmann's Meinung durch ein solches Verfahren auf uns ] fallen würde; wohl aber würden wir uns die Verachtung j eines jeden vernünftigen Christen zuziehen, wenn wir um j jene Rechte zu erlangen, Gesetz, Glauben und Religion in die \ Schanze schlagen wollten. Wir fordern völlige Emancipation, wir betrachten sie als ein hohes Gut: aber wir entsagen ihr von ganzem Herzen, ja wir verabscheuen sie, wenn wir auch nur ein Iota von unsrer heiligen Religion dafür aufopfern sollen. — Die Folgen Ihres sündhaften Verfahrens aber, Herr Hofmann, wenn dasselbe Folgen haben sollte, sie kommen über Ihr Haupt, nicht über das jener unschuldigen Kinder; denn 12 bn D’D-in NDfl D’D-Iil NX X'llNllN b. Ihre Gemeinde aber möge sich Glück wünschen, daß Sie noch provisorischer Landrabbiner sind. Sollte aber Einer oder der Andere unter Ihren Gemeindemitgliedern sein, derIhren Worten mehr Glauben beimißt als den Worten Gottes, so rufen wir ihnen die Worte des Jeremias zu ^Cap. 23, v. 16). „Hört nicht auf die, Worte dieser Lügenpropheten, sie leiten euch irre, die Erfindungen ihres Herzens tragen sie euch vor, nicht das Wort Gottes." — M. Perfonalchronik und Miseelle». Der Commerzienrath Ioül Wolf Meyer in Berlin hat den Titel „Geh. Commerzienrath" erhalten. Die Wiener Theaterz. No. 1260 u. 126k giebt einen Auszug aus dem Buche des ehemaligen Trappisten Joseph de Gerainb: Pilgerreise nach Jerusalem und dem Berge Sinai 1831—33. (Peierinage a. Jerusalem), die Juden in Jerusalem betreffend. Er nimmt 4000 Juden der ganzen Bevölkerung) daselbst an; sie seien meist fremde, zum Theil vornehmer Abkunft (?), wohlhabend und zierlich gekleidet. Ihre Frauen erscheinen verschleiert. Die Männer schildert er als habsüchtig, aber gut erzogen und gebildet, meist einiger fremden Sprachen, bes. des Spanischen und Italienischen mächtig. Sie wenden große Sorgfalt aus die Erziehung ihrer Kinder; dochist die beste Schule in Liberias. Man findet keinen Bettler und keinen Zerlumpten unter ihnen. Sie sind fleißig , arbeitsam, geschäftig, (reiben Handel und Gewerbe. Görambs Blechschmied in Jerusalem war ein Jude. Er beschreibt sie als schön, höflich und reinlich. Ihre Synagoge dagegen sei ein schlechtes Gebäude und ihre Andacht mit heftigen Bewegungen begleitet. — Verlag von C. L» Fritzs ch e. Druck von I. H. Nagel.