Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1842
- Issue
- 50 (6.12.1842)
- Date
- 1842-12-06
- Page
- Spalte 785-786 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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MeratuMaLt des Orients. Berichte, Studie» und Kritiken für Mische Geschichte und Literatur. M 50 Leipzig, den 6. December Historische Studien: Die ehemalige Herrschaft der Israeliten in Arabien. Von L. Bodenheimer. — Homiletische Literatur. Predigten von Dr. Frankfurter. Anzeige v. E. C. — Lit. Natt richten und MisceUen: Berichtigung. — Literarische Analekten: Etwas über Rab ha - Meiri, von Hirsch C h a j e s. — Literarische Ankündigungen. Historische Studien. Die ehemalige Herrschaft der Israeliten in Arabien. Zur Geschichte des israelitischen Volkes. Von Bodenh e i m e r, Landrabbiner. Die Pflicht des gewissenhaften Geschichtsforschers, der, um die Wirkungen zu begreifen, die entfernt liegende Ursache auffuchen und aus den heterogensten Bestandtheilen ein Ganzes bilden soll, erfordert es, daß jede Erscheinung auf dem Gebiete der Weltgeschichte an ihm nicht gleichgültig vorüberziehe, sobald sie nur den Charakter der Wahrheit an sich trägt, selbst wenn sie bei erster oberflächlicher Betrachtung keinen besondern Einfluß auf die Mit- oder Nachwelt geäußert zu haben scheint. Denn wie das System des Philosophen nicht selten einer Idee, die auf jeder Seite wieder hervorleuchtet, seine Entstehung verdankt, ja, wie es eigentlich nur System genannt werden darf, wenn eine Idee durch das Ganze sich schlangelt; so entwickelt oft der Historiker aus einer einfachen, geringfügig scheinenden Begebenheit das Schicksal und die Lebensweise einer Nation während eines bestimmten Zeitabschnittes. Er findet in der Asche das Fünkchen, welches er wieder zur Flamme anbläst. Wenn aber diese Anforderung an jeden Geschichtsforscher, den Erzähler des gesammten Inhaltes der Vergangenheit, mit Recht gestellt werden darf und muß; um wie viel mehr erst muß der sein Augenmerk unverrückt darauf gerichtet haben, welcher die Absicht hegt, die Specialgeschichte eines Volkes und besonders die des israelitischen niederzuschreiben. Als der zweite Tempel in Flammen aufloderte, war auch das Land für Israel verloren, an das sich die heiligsten Erinnerungen dcc Vorzeit knüpften; und wenn auch seine Religion durch diesen Umsturz keineswegs gelitten, weil überhaupt der Tod des Vergänglichen nicht den Tod des Geistigen zur Folge hat; wenn seine Religion vielmehr mittelst der Zerstreuung durch die Welt getragen wurde und deren Wahrheiten über Einheit, Vorsehung und Unsterblichkeit einem Diamantenringe gleich im ewigen Glanze fortleuchten, obschon Jahrtausende daran gerieben: so mußte doch Israel das harte Loos beweinen, ein Land verloren zu haben, das die Nation größtentheils vereinigte und umfaßte. Eine große Religionsgesellschaft blieb, die Nationalität aber mußte allmälig aufhören. Zur Religionsgeschichte würde sich daher auch Stoff genug dacbieten, keineswegs aber zur Geschichte des israelitischen Volkes nach der Zerstörung des Tempels. Wo die Geschichte nicht an der Hand der Geographie, einer Stelle, eines Platzes ans der Erde, auf welchem sich das Volksleben concentrirte, fortlaufen kann, da wird sie natürlicherweise nur Bruchstücke liefern, die nicht ein abgerundetes Bild darzustellen vermögen. Wagt es nun aber dennoch ein Begabter, Hand an das Werk zu legen, die Geschichte des israelitischen Volkes niederzuschreiben, und aus dem Labyrinthe der Fragmente einen Ausweg zu suchen; so erheischt doch seine Pflicht ganz sicher, daß auch die kleinste Begebenheit seinem Forschergeiste nicht entgehe, daß sie ihm vielmehr als Stoff zu seiner Bearbeitung theuer und schätzenswerth erscheine; so erheischt seine Pflicht, daß er auch das kleinste Hilfsmittel einer Beachtung würdige. Und für den Zweck eines solchen Begabten erlauben wir uns diese Betrachtung in dem Literaturblatte des Orients zu veröffentlichen und eine aus den Quellen geschöpfte Skizze von der ehemaligen Herrschaft der Israeliten in Arabien zu liefern. — Wir finden, daß schon in den ältesten Zeiten Israeliten die fruchtbaren, an dem arabischen Meere gelegenen, 50