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Der Orient · 1842-12-06 · Heft 50 (6.12.1842) · p. Seite 400

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Journal
Der Orient
Volume
3 (1842)
Issue
Heft 50 (6.12.1842)
Date
1842-12-06
Page
Seite 400 (sequence 15)
Language
German
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400 14* Jahrhundert gemacht haben. — Sie stutzen entrüstet, meine Herren? Doch hören Sie mich ruhig an: In der schönen Zeit des seligen Aberglaubens, brach einst ein epidemisches Uebel los, welches furchtbar grassirte. Hätten Sie nun damals gelebt, Sie hätten wahrscheinlich den Grund dieses Uebels in der Veränderung der Witterung, in der miasmirten Luft gesucht, und dem gemäß das gestörte Verhältniß des Oxygens zum Hydrogen wieder herzustellen gesucht. Und doch wußte man damals, trotz der Unkcnntniß in der organischen Chemie, weit besser den Nagel auf den Kopf zu treffen. Der Grund lag nämlich in dem Dasein des jüdischen Volkes, welche alle Brunnen vergiftete — Sie lachen, Sie fragen vielleicht ironisch, ob denn der Jude den Durst länger als ein arabisches Kameel ertragen könne? und woher er selber zu trinken nahm, wenn alle Brunnen vergiftet waren? Doch lachen Sie immerhin. Eine Wissenschaft muß Hypothesen haben, und diese Hypothese war, wie die Folge gelehrt hat, trotz der kleinen Inconsequenz, stets einträglich. Ja ich gehe nvch weiter und sage: Noch heute giebt es Uebclstände und Krankheiten, deren Quelle Sie vergebens anderswo als im Iudenthume suchen. Doch Sie verlangen Beweise! Ich bin nur zwar ein Laie Ln Ihrer Kunst, allein die Belege für meinen Satz habe ich von einem competenten und authentischen Richter in diesem Fache, von keinem Geringeren als dem Herrn Dr. und Professor Anton Edler von Rosas in Wien, der sich neuerdings bemühet hat, diese fromme Theorie des 14. Jahrhunderts ins Leben zu rufen. In einem Aussatze der östreichischen Iahresbücher für Medicin (datirt vom 30. Juli pag. 16 — 19) macht der Her^ Mos. nämlich auf etne_ Krankheit MfrmrEsam, an der die Medicin selber leidet, welches Uebel sich durch das Symptom eines gewissen Mißbehagens zu erkennen giebt und wodurch die Wissenschaft zu verfallen drohete, wenn nicht das Glück den Herrn Prof, auf den Einfall gebracht hätte, daß der Grund des Nebels in den Aerzten zu suchen sei, welche sich zum jüdischen Glauben bekennen. Indem sie nämlich den Geist des Mereantilismus und Egoismus von ihrer jüdischen Nationalität in die Wissenschaft hinüber bringen, -verpesten und vergiften sie diese, und indem sie sich „wie eine Schmarozer-Pflanze um den höhern Baum ärztlichen Wissens und ärztlicher Kunst schlingen, dessen Lebenssaft so lange aussaugen, bis er immer spärlicher Früchte trägt, und endlich ganz verkümmern muß". Doch Sie fragen verwundert: Wie? wäre es möglich? die Aerzte selber, denen die Heil- Lunde der Born und Brunnen ist, aus dem sie ihres Wissens heißen Durst stillen, die ihnen die Quelle ihrer leiblichen und geistigen Existenz ist, vergiften sie und machen sie versiegen? Allein Sie sollten wohl einsehen, daß dieses eine Hypothese fst, und es nicht so genau damit nehmen, zumal da Ihnen L posteriori die Richtigkeit derselben bewiesen werden soll. Denn nehmen Sie die Position an: die Juden beeinträchtigen bie Heilkunde. Was folgt daraus? Man muß den Juden auch diesen letzten Nahrungszweig nehmen, und sie von der Medicin fern zu halten suchen. Ergo werden Sie 200 bis 300 Individuen, die Ihre Kunst betreibenlos werden. Ergo werden Sie eine weitere Praxis, ein größeres Einkommen haben. Ergo ist es vor theil ha ft anzunehmen: die Juden verkümmern den ärztlichen Lebensbaum, quod fuit demonstrandum. Run kann etwas klarer und deutlicher sein, als dieser Beweis, und doch haben Sie dieß nicht eingesehen, bis Sie ein Augen-Dottor vom schwarzen Staare befreiet? Habe ich nun nicht Recht, wenn ich behaupte: Sie hätten Rückschritte gegen das 14te Jahrhundert gemacht, wo man doch wenigstens einsah, daß die Annahme des Brunnen-Vergiftcns (trotz der kleinen Inconsequenz, daß die Juden nicht wie Tantalus ewigen Durst ertragen können) dennoch sehr vortheilhaft und einträglich sei? Allein vielleicht werden Sie einwenden : die Philautropie ist doch die Seele der ärztlichen Kunst; Duldung, Schonung, Nachsicht und Humanität sind es ja, die ihr das Dasein gaben, und würden wir nicht dem Geiste unserer Kunst, dem des gebildeten Zeitalters, des humanen Jahrhunderts der Menschlichkeit, der Moral zuwider handeln, wenn wir störrig, unversönlich und intolerant Menschen, die uns befreundet sind, mit denen wir gemeinschaftlich des Wissens edle Palme gehegt und gepflegt, aus unserer Mitte stoßen? Sollten wir, denen unser Stand die Pflicht auferlegt, rastlos thätig für die Menschheit zu wirken, ohne Parteisucht und Eigennutz, in die niedrigste Hütte, wie in den prächtigen Palast zu kommen, ohne Rücksicht auf Stand und Religion, und das Leid zu mindern, und den Schmerz zu mildern, sollten wir so grausaum sein, unseren eigenen Wissens-Brüdern das Leben.zu verkümmern? Sollten wir diejenigen, denen wir oft freundschaftlich die Hand drückten, mit einem Male fliehen, und aus unserem Herzen reißen? Doch da sind Sie wiederum irre!— denn grade dem Geiste Ihrer Kunst, grade der Humanität und der Menschheit, weint Herr Prof. Rosas, sind Sie es schuldig, den Juden die Duldung zu versagen. Eben aus purer Toleranz müssen Sie intolerant sein. „Wie denn?" ganz natürlich, weil Sie für die Menschheit wirken, müssen Sie die Nicht- Menschen von sich weisen. „Wie paßt dieß hieher? die Iu? den sind doch wohl auch Menschen'.?" Beileibe nicht! die Juden sind Kaufleute, und Kaufleute und Menschen für identisch ' halten welcher Unsinn! „Ja aber die jüdischen Mediciner"? Die sind verkappte Kaufleute, die unter dem Doctor-Hute ihre Rechnungsbücher verborgen halten. „Wie gehet denn dieß zu?" , (Beschluß folgt.) Personalchronik und Miseellen. Die Frau des neulich verstorbenen Leopold Jerusalem Edler von Salemfels, eines geachteten Kattundruckereibesitzers in Prag hat die jüdischen und christlichen Armen in Mainz, wo ihr Gatte starb, reichlich beschenkt und daselbst ein Iahresgedächtniß im Krankenverein für ihn gestiftet. Verlag von C. L. F r i tz s ch e. Druck von I. H. Na a e l*

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