Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 3 (1842)
- Issue
- Heft 44 (25.10.1842)
- Date
- 1842-10-25
- Page
- Seite 345 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Jahrgang. Dritter Berichte, Studien und Kritiken für Das Abonnement für ein Jahr ist 5 THLr. Man abonnirt bei allen löbl. Postämtern und allen solid. Buchhandlungen auf ein Jahr. Vr. Julius Fürst. jüdische Geschichte und Literatur. Herausgegeben von Won dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich, bas Literaturblatt mitgerechnet, zwei Bogen, und zwar an jedem Samstag regelmäßig o 44. Leipzig, den 25. Octoder 1843. R ückblick auf jüdische Zustande. Hamburg. Das Jahr 5602. Von E. C. — Deutschland. Leipzig: Das Wichtigste des ganzen Jahrgängen der englisch - jüdischen Zeitschrift. England. C a n a d a. Jama ca. Barbados. Nordamerika. Syrien. Jerusalem. Smyrna. Posen: Etwas über Missionswesen in Preußen. Hamburg: Wochenbericht über jüdische Verhältnisse. — Licht- und Schattenbilder aus der jüdischen. Geschichte der Gegenwart-: Die Juden im Elsaß. (Schluß.) Persoualchroniö und Miscellen. — LB. d. Or. Rückblick ans .jüdische Zustände. Das Jahr 560S. Bon E. <£. (Fortsetzung.) H a m b rr r g. . Man blättere einen vollständigen Jahrgang sämmtlichcr Organe der jüdischen Presse in Deutschland durch und man wird fast in keiner Nummer einen Bericht aus Hamburg oder über Hamburg vermissen. Wenn in Betreff anderer jüdischer Gemeinden Deutschlands, die eben so viele oder noch mehr Mitglieder zählen als die Hamburger, derselbe Fall nicht eintritr, so leuchtet von. selbst ein, daß ein numerischer Maaßstab, eine Rechtfertigung durch das Iahlenverhältniß nicht ausreicht, Unter diesen Umständen nimiut nur das Eirle Wunder, daß Hamburg noch keine eigene, daselbst erscheinende Zeitschrift besitzt, auch wohl in neuerer Zeit kaum eine solche besaß, da der von Herrn Dr. Niesser eine Zeitlang redigirte „Jude" in Altona mit schleswig-holsteinischem Privilegium herausgegeben wurde. Worauf stützt sich denn aber, könnte man uns fragen, das Uebergewicht, welches die Hamburger jüdische Gemeinde über ihre andern deutschen Schwestern, ja selbst über die meisten europäischen hat? Ist es der besondere Schutz, dessen sie sich unter freireichsstädtischem Banner erfreut? Mit Nichten! In den deutschen Hansestädten ist noch niemals davon die Rede gewesen (die Zeit der französischen Occupation allein ausgenommen), daß auch den Juden Freiheit und Recht gebühre. Hat ja die Behörde mehr als einmal einen schimpflichen Rückzug angetreten, als es galt, den Brutalitäten des Pöbels zu wehren. Wie könnte und sollte sie mit Erfolg zu Gunsten ihrer jüdischen „Einwohner" einschreiten, wenn sie — die. Maitage haben es sonnenklar bewiesen —- nicht einmal das Eigenthum und die persönliche Sicherheit ihrer „erbgeseffenen Bürger" zu schützen vermochte? — Nicht blos in der Theorie ist also noch keine bürgerliche Stellung der Hamburger Juden vorhanden, auch in praxi sprechen ihnen nur noch der Handel, die Zahl, der Neichthum Einzelner, die trotz aller Trennung durch Geschäfte und 'auch wohl durch den Uebertritt einzelner Familien gewonnenen Berührungspunkte das Wort. Darum sind sie blos geduldet, mithin rechtlose Schutzbefohlene. Und dennoch fühlen die Individuen sich wohl, so lange sie „ihr Brot" haben und so lange nicht der Hinblick auf ihre Glaubensgenossen in den Nachbarstaaten oder in fernen Ländern sie auffordert, sich mit jenen in einem treuen Spiegel zu vergleichen. Nirgends möchte daher ein Auswanderungsplan nach Palästina weniger Urterstützung finden als hier, wo es doch sehr strenge Verehrer des mosaischen Gesetzes, der Tradition und der Ceremonieen giebt. Ja, früge mau die Hamburger Juden der Reihe nach, ob sie lieber in Preußen sich niederlaffen als hier verbleiben möchten,- eine ungeheuere Majorität würde mit „Nein" antworten. Umgekehrt erhält die hiesige jüdische Gemeinde — wenigstens bis vor der Feuersbrunst — alljährlich reichen Zuwachs aus den Nachbarstaaten, besonders aus Mecklenburg, wo doch, nach den Anordnungen des verstorbenen Großherzogs, die religiösen und bürgerlichen Verhältnisse weit besser geordnet sind als in Hamburg, wo namentlich die Handwerke von Juden in der- 44