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Der Orient · 1842-10-18 · Heft 43 (18.10.1842) · p. Seite 344

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Journal
Der Orient
Volume
3 (1842)
Issue
Heft 43 (18.10.1842)
Date
1842-10-18
Page
Seite 344 (sequence 15)
Language
German
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344 abzugeben. So lange der Bauer Geld hat, spricht der Jude nicht vom Bezahlen, und erst, wenn er sicher, daß jener ohne einen Sous, dann erscheint er und klagt, noch immer sehr freundlich, über böse Zeiten, und fragt, ob er ihm nicht zahlen könne. Natürlich ist der Bauer in Verlegenheit. Am Tage nachher kommt der Jude wieder und drängt schon mehr, Tags darauf aber kommt er zurück, spricht heute nicht von der Schuld, sondern sagt, daß er eine Kuh und ein Pferd habe, die ihm im Wege stehen, und daß der ihm einen großen Dienst leiste, der sie kaufen wolle. Der Bauer kauft sie zu sehr theurem Preise schon heute, oder übermorgen gewiß, denn weigert er sich, so kommt der Jude morgen und klagt sehr, und fordert dringend sein Geld. Hat der Jude keine Kuh und kein Pferd zu verkaufen, dann braucht er unumgänglich Geld und muß dasselbe bei Isaak oder Abraham leihen. Das ließe sich wohl machen, wenn der Bauer behülflich sein und wenigstens die Zinsen, die der Jude ja nur, weil er den Bauer nicht auspfänden läßt, zahlen muß, auf sich nehmen wollte. Von Tag zu Tag wächst die Schuld. Ist der Bauer wieder bei Geld, so spricht der Jude gar nicht mehr von der Schuld , bleibt so viel wie möglich aus dem Hause des Bauern weg, oder weigert sich auch, als Freund das Geld anzunehmen, und erzählt von diesem oder jenem Stück Land, oder einem schönen Pferde, die zu verkaufen sind. So kommt denn wieder die geldleere Stunde, und mit ihr erscheint von Neuem der mahnende Jude.. Ist die Schuld nun bedeutend genug, so muß der Bauer endlich einen WechA ausstellen, den der Jude weislich in die Zeit der Geldeböe fallen läßt. Dann ist die Noth groß, aber der Jude läßt sich erweichen, und gegen einen neuen Wechsel, um einen guten Theil angewachsen, wartet er zwei, drei Monate. So wird der Jude nach und nach Herr und Meister im Hause des Bauern, den er alle Tage zernichten kann, nur noch nicht zernichtet, weil noch ein Nest übrig So lange noch eine Möglichkeit der Rettung für den Bauern blieb, war der Jude ein demüthiger Hausfreund, Honig auf der Zunge und Lächeln um die Lippen. Ist aber der Bauer dem Juden unwiederbringlich verfallen, dann reckt sich der gebeugte Rücken des Juden, er tritt gehobenen Hauptes, den Hut auf dem Kopfe ins Haus, schreitet gerade auf den Tisch zu, setzt sich auf denselben und läßt die Beine schlenkernd .hängen. Das ist sein Thron, der Hausfreund wurde zum furchtbarsten Haustyrannen. Wer im Elsaß einen Juden in einem Bauernhause auf dem Tische sitzen sieht, kann sicher sein, daß hier eine tausendjährige Rache an ihrem Ziele ist. Das ist eine alltägliche Geschichte, eine tausendmal gemachte Erfahrung, und doch erneuet sich dieselbe alle Tage wieder. Dies Geheimniß aber erklärt sich durch einen andern elsasser Mißstand. Der elsasser Bauer versteht kein Französisch, der französische Beamte meist kein Deutsch. Der Jude versteht beide Sprachen. Die Schlußfolge ist natürlich: Drr Jude, der schon auf die beschriebene Weise sich in das Haus des Bauern einzuschleichen gewußt hat, wird zu seinem Geschäftsmanne, zu seinem Interpreten, und weiß sich nach und nach so nothwendig, so unerläßlich zu machen, daß ihn der Bauer auch selbst da nicht gerne entbehrt, wo er seiner kaum bedarf. Ich kenne den xu-oeureur äu Kol einer elsasser Stadt, der selbst ein Elsasser ist und die elsasser Bauernsprache spricht und versteht, und der versicherte mich, daß nur ausnahmsweise ein Bauer ohne seinen Juden auf dem Parquet erscheine,, und daß jener denselben sogar meist nicht entbehren zu können glaube, wenn es sich auch nur um eine Heiraty oder eine Familienangelegenheit handele. Daran ist denn wieder der UmstandiSchuld, daß der elsasser Bauer an . und für sich das rege, aber tiefe Bewußtsein hat, wie wenig er im Stande ist, sich selbst zu vertreten, wie wenig er auch nur die Sprache der Gebildeten verstehe. „Unfähig, uns selbst zu verteidigen, noch unfähiger, wir wir es selbst erkennen, uns die wirksame Gunst der geschäfts- und kunstverständigen Männer zu erwerben" — sagen die Kogenheimer von sich selbst, leider nur zu richtig, nur zu wahr. ■ Unfähig sich selbst zu verteidigen, muß der Jude dem Bauern auf Schritt und Tritt zur Seite stehen. Der Jude erweißt sich bei diesen Gelegenheiten meist sehr großmüthig, opfert dem Bauern für eine Kleinigkeit, oft für Nichts, seine Zeit und Mühe, und verschließt gerade hierdurch jedem christlichen Rechtsbeistande den Weg. Dann aber weiß eu sich auf andere Weise doch wieder schadlos zu halten, und thut wahrlich nichts, um die ewige Seligkeit an einem christlichen Bauern zu erwerben. Die Winkeladvokaten in Deutschland sind überall eine Landplage, Blutsauger der Bauern, die ihnen in die Hände fallen. Der Jude im Elsaß ist zugleich'ein Schacherjude und ein Winkeladvokat und die Lage des Bauern ist der Art, daß er ihm entweder auf die eine oder die andere Weise in die Hände fällt. Es ist ein Fluch, der kaum seines Gleichen hat. (Beschluß folgt.) Perfonalchronik und Miseellen. Ost und West No. 73 bringt einen trefflichen, wichtigen Artikel gegen den Edlen Dr. v. Rosas. Gutzkow's Telegraph No. 152 erzählt nach einem engl. Courier von einem hebräischen Gebetbuche, das 1357 Jahr alt sein soll. Die Archives israelües, Augusthest 1842, enthalten einen Aufsatz über den Hamburger Tempelstreit von Herrn Dernburg, Vorsteher eines isr. Erziehungsinstitutes in Paris. Verlag von C. L. Kritzsche. Druck von I. H. Nagel.

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