Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1842
- Issue
- 42 (11.10.1842)
- Date
- 1842-10-11
- Page
- Spalte 663-664 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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663 Ueber eine philosophisch-kabbalistische Handschrift der königl. Bibliothek zu München. 664 auszulegen, ihre Verborgenheiten aufzuhellen und zu öffnen ihre Pforten, die verschlossenen; denn bis jetzt ist mir nicht eine Auslegung der Commentatoren zu Händen gekommen, die das Verhüllte derselben ans Licht gestellt hätte, sondern die Commentatoren haben sich in Meinungsverschiedenheit verwirrt und die mannichfachste Auffassung des Sinns in ihren Commentaren zertheilt, ohne in seine Tiefe 19) einzudringm; sie haben sich in dieses Meer mit ihren vorgefaßten Ansichten versenkt und haben einen Scherben in ihrer Hand hervorgebracht. Der Eine sagt so, der Andere so, und kein einziger von ihnen, so weit ich sie kennen gelernt, hat seinen Zweck erreicht; denn die Schwierigkeiten dieses Buches ftnb gewaltig und gemein menschlicher Kenntniß verborgenao). Der Sinn desselben ist so unermeßlich tief und lang und weit, daß sie bei all ihrer Weisheit ihn zu erfassen nicht vermögend gewesen sind. Das Augenmerk Salomo's in dieser £aiäf£ion-1) ist, den Endzweck des Seins des Menschen, das Wesen seiner Existenz und Glückseligkeit zu erforschen, insofern er Mensch ist, vollendet durch seine menschliche Form 2 p — eine Frage, auf deren Lösung das Streben und Speculiren der Früheren und Späteren-^) unter den vornehmsten Philosophen in allen Zeitaltern ging, nämlich die Influenz des InteReews agens auf den intellectus materialis24), wie ersterer die Vorstellungen immaterieller inteiligibilia bildet und die wahrheitgemäß producirten auf 19) Dieser tiefe Sinn heißt rtfyD, ^aäa* 20) pon njno o’Diaj? rpjm 2. Vielleicht ist rwyß zu lesen i ist itcwn pon, _ , 21) So nennt der philosophische Exegct von seinem Standpunkte das Hohelied. 22) D. u die rationale Seele, die mit dem organischen menschlichen Körper den Menschen constituirt und seine forma informans ist. 23) omiNDni DWpIDD,- ganz arabisch: 24) whm him, dJudf, der TtoifyYjTLv,og vovg des Aristoteles, der corruptibel ist, und mit einer tabula rasa verglichen wird. Das Seitab et Taarifat (Excerpt in Freytags Lexikon) sagt darüber: Juait otcXaJu^f yD Jjisdf äaJU* ^2 (JJAÄAif da. RaJI^UI (I. Ä^LCwJ») 2UA,CCJ IgJlT jI ■ Lg3l6. D, t. „der hylische Intellekt ist die bloße Disposition zur Aufnahme der vom thätigen Intellekt erzeugten Vorstellungen, und dies ist eine reine an sich unintelligente Potenz, wie her Kinder, von der Hyle adjektivisch benannt, weil die Seele auf dieser Staffel der in Betracht ihres Wesens aller Formen baaren Hyle ähnlich ist." letzteren ü'berströmt." Schluß: „Dies ist es, was wir eben zu sagen hatten. Gott sei gepriesen für die Auslegung dieser mit Riegel und Schloß verwahrten Megilla. Möglich, daß uns in der Auslegung derselben in Wort und Sinn Manches deutlich geworden, was noch Niemand anticipirt hat; wer das von uns Gesagte faßt, der danke, wenn es ihn anspricht, demjenigen, dem Dank gebührt. Meine Auslegung ist das Ergebniß gründlicher Forschung und heller Speeulation nach Maßgabe meiner Kraft und meiner kurzen Einsicht. Findet sich der Leser nicht befriedigt, so spreche er mir kein richtend Verdammungsurtheil, sondern bedenke und erwäge wohl, daß die einzelnen Abschnitte dieser Megilla eine vielfache Deutung zulassen. Aber hier ist großer Forscherfleiß und tiefes Denken vonnöthen, so schwierig find die Worte dieses Weisen. Nun, wir haben das Unsrige gethan und die einzelnen Abschnitte nach unserer Fassungskraft ausgelegt, wie es uns eben thunlich war. Gott rette uns durch seine Barmherzigkeit von Sünde und von Irrthum durch seine Gnade, denn es ist kein Gott außer Ihm, dem Gebenedeiten." Darauf folgt dieses Schlußepigramm: nnwn "w : nnoi hxh rpnn DH’ irroo idj; pp rarra nih :Dnsi mpx) TroD rn nj:w m ynm pw pn d"? pi \ox und als Anhängsel ein tiefer Seufzer des armseligen Abschreibers, welcher bittet, ihm nur ein wenig Rast zu gönnen: rms* *ud na m nm p ->2D hx nrp noaj/ d’än ro jms hx Der Name des Vers, unsres Commentars ist, wie der Prolog besagt, ntätt/ p} der unwissende Abschreiber '^) hat uns über der Kunje seinen eigentlichen Namen Vorbehalten. Nun sind unter den Auslegern des Hohenliedes, die hier in Betracht kommen können, nur zwei: 1) Eljakrm b. Salomo, der einen von Josef b. Salomo begonnenen Commentar zum Hohenliede 1838 vollendete (Bartolocci i. S. 217); 2) Immanuel b. Salomo, der geniale Dichter der Machberot. Von dem ersteren wissen wir nur den Namen, von dem letzteren hingegen, daß er in der Schristauslegung Grammatik und Philosophie mit einander vereinigte. Ich vermuthe daher, daß unser Eomm. zum Hohenliede identisch ist mit dem von Bartolocci erwähnten und in Cod. Ross. 577 enthaltenen Immanuels des Römers. Leider ist uns anderswoher nichts über den Charakter dieses Commentars bekannt. In völlig gleichem Geiste abgefaßt, jedoch nicht identisch ist der Comm. zum Hohenliede in Cod. Sen. Lips. XXX. 5., der nach Zunzens Vermuthung den 25/Derselbe verräth-'seine Oscitanz auch gleich am Anfänge des DPDtf naü durch das unsinnige: jnnN pnDN Ti'bx p, dem der jämmerlich durcheinander gewürfelte gereimte Prolog vorausgeht.