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Der Orient · 1842-10-11 · 42 (11.10.1842) · p. Spalte 659-660

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Journal
Der Orient
Volume
1842
Issue
42 (11.10.1842)
Date
1842-10-11
Page
Spalte 659-660 (sequence 2)
Language
German
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Das Buch der Sagen und Legenden jüd. Vorzeit. Bon Abr. Lendlau. 660 659 ein gut angebautrs Feld war; die Kirchengeschichte weiß jedoch nicht nur von Legionen vertriebener Geister, sondern das Exorzisiren wird sogar von den alten Apologisten (Tert. Ap. K. 23) für die Wahrheit des Christenthums angeführt. Die seltenen Naturerscheinungen, die sich bei dem Tode großer Männer, nach den Berichten des Talmud's8), zugetragen haben sollen, sind nicht zu vergleichen mit den Phänomenen zur Zeit der Passion *). Die Gebeine der Todten werden vom Talmud, als Ueberreste der Vorfahren, zu verehren geboten, ohne daß irgendwo diesen Reliquien eine göttliche und wunderwirkende Kraft beigelegt wird, womit christliche Legendenschreiber die leichtgläubige Menge, nicht aus Kosten des Verstandes allein, bethörten. Die Geschichte der berühmten jüdischen Märtyrer wird im Talmud und in den Midraschim in anziehender Kürze, in natürlicher Einfachheit und ohne poetische Formen erzählt; selbst das an Mährchen und Legenden reiche Mittelalter ließ jene historischen Fakta außerhalb des Bereiches der Wunderfabrikation, während selbst ernste und gelehrte Kirchenväter die widersinnigsten Fabeln und zahllose Mirakel von den christlichen Märtyrern 'in ihre' Werke aufnahmen. So erzählt z. B. Eujebius, wie der zum Feuertod verutth eilte Polycarpus von der Flamme unversehrt geblieben, aber dennoch einen Schwertstreich unterlegen wäre; sein Blut hätte sodann die Glut des Scheiterhaufens gelöscht und sein Geist wäre in der Gestalt einer Taube gen Himmel entflohen (Herder, Litt, und Kunst Th. 3. S. 28V). Der heilige Romanus, dem auf Befehl des Kaisers Diokletian die Zunge ausgeschnitten wurde, soll dennoch seine vollkommene Sprache behalten haben. Vom heiligen Stephan werden so viele Wunder erzählt, daß Basnage ein gallisches Sprichwort anführt: Wer behauptet, alle Wunder des heiligen Stephan gelesen zu haben, der lügt. Stehen also die talmudischen Wundersagen und Legenden qualitativ und quantativ unter denen der kirchlichen, so ist hingegen in dem Talmud und in den Midraschim ein reicher Schatz von Erzählungen, ethischen Gehalts, niedergelegt, die auch in spätern Werken als reine Akkorde dem Gemüthe vorgeführt werden. Hauptmoment derselben ist größtenteils auf eine wunderbare, aber auf keine unnatürliche und widersinnige Handlung oder Fügung gegründet. Nur im Mittelalter und in Ländern, wo Druck und Verfolgung den par. Kedaschin; Pesachim 112. In allen diesen und ähnlichen Stellen geschieht das Exorzisiren nur aus einem örtlichen Raume, einmal findet sich jedoch ein Beispiel von der Vertreibung eines Geistes aus dem Körper einer römischen Kaisertochter. Von den in den Sagengeschichten der alten Deutschen vorkommenden Heimchen finden sich ähnliche Sagen in Ierus. TermnoL S. 27, Beresch. Rab. p. 55,3, Erubin 43, Pesachim 110, Iebamot 122. 3) Moetz Katan 25, Ierus. Aboda Sara 1, 2, Mid. Kohel. zur Stelle KAM p. 4) Auch römische Geschichtsschreiber erzählen von einem Phänomen nach der Ermordung Jul. Casars. wissenschaftlichen Aufschwung des Geistes nkederdrückten, da tauchten immer neue Truggestalten auf, die selbst in historische Werke, ohne kritische Richtung, übergegangen sind. Schon in den ältesten Zeiten hat es Sammlungen von Sagen und Legenden gegeben; die bekannteste ist diejenige, welche Nissim Gaon (1030) für seinen Schwiegervater Donasch (unter dem Titel ny^ilD DD' “inn) veranstaltete, die drei verschiedene Auslagen erlebte. Dieses Merkchen war ursprünglich arabisch abgefaßt und wurde später ins Hebräische übersetzt (Rapaports Biogr. desselben, Anm. 41). Auch Aruch und Rasch! haben solche Sammlungen benutzt, aus denen sie die Sagen und Erzählungen ergänzten, die im Talmud entweder kurz angegeben oder nur zitirt werden (Zunz G. V. S. 129), wie z. B. bei der Stelle pp (Aboda Sara 18 vgl. Iggeret Bik. am Ende). Noch andere Sammlungen dieser Art werden von den Bibliophilen erwähnt,B. rii'wyQ iinri, -rn^nn nwyn und idd von Raph. Aguilar. Auch im jüdisch - deutschen Dialekt wurden im 17. Jahrhundert verschiedene Maase-Bücher abgesaßt, worin nicht nur die talmudischen Sagen, sondern auch alle neu erfundenen Mährchen ausgenommen wurden, ohne sich ein Verdienst um die hebr. oder deutsche Poesie erwerben zu wollen, denn jene Sagen sind in der schmucklosesten nüchternsten Prosa wiedergegeben. Der nächste Zweck dieser Sammlungen war, das sittliche religiöse Moment hervorzuheben, die Bande des Glaubens fester zu knüpfen und in den mannigfachen Schicksalen Muth und Hoffnung aus dem Leben der Heiligen zu entnehmen. Daß aber diese Sagen-Sammlungen in ihrer schlichten schmucklosen Darstellung und in dem veralteten Dialekt unserem Zeitstyle nicht mehr angemessen seien, andrerseits aber auch viele Sagen als ehrende Denkmäler der Vorzeit in der neuen Literatur eine Stelle verdienen, wurde schon längst anerkannt; daher wurden zu Anfang der Regeneration des jüdischen Kulturzustandes, hie und da Versuche gemacht, die mannigfachen Sagen und Legenden in neue zeitgemäße Gewänder zu hüllen, um solche im Munde des Volks fortleben zu lassen. So haben Sal. Maimon, Herder, Dr. Weil, Dr. Krafft und Stein viele talmudischen Sagen, die einen ethischen Gehalt haben, theils in Prosa theils in Versen, herausgegeben, welche aber der Darstellung zu viel oder zu wenig Leben und Farbe gaben, und so entweder Grund und Ton der Sagen verwischten, oder sich mit der einfachen Uebertragung begnügten. Der Verfasser vorliegender Schrift hat glücklich diese beiden Klippen umgangen, und die Sagen, so wie er sie vorfand, treu wiedergegeben, ohne mehr Folie aufzuwenden, als gerade zur poetischen Ausschmückung notwendig war, und selbst da sind die Bilder und Situationen dem jüdischen Leben entnommen. Die Verse sind wohlklingend und streng nach den Regeln der Poetik gehalten; die Sprache rein und erhaben, weich und schmiegsam und die Einkleidung des Stoffes gut gewählt. Die vor uns liegende Sammlung des Herrn Tendlau enthält, außer den bekannten, von seinen Vorgängern bereits

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