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Der Orient · 1842-10-11 · 42 (11.10.1842) · p. Spalte 657-658

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Journal
Der Orient
Volume
1842
Issue
42 (11.10.1842)
Date
1842-10-11
Page
Spalte 657-658 (sequence 1)
Language
German
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Meraturblatt des Orients. Berichte, Studien und Kritiken für Jüdische Geschichte und Literatur. JVs 42« Leipzig, den 11. Dctober 1842« Literatur der Sa gen Poesie. Das Buch der Sagen und Legenden jüdischer Vorzeit. Von Abraham T e n d l au. — Handschriftenkunde. Apergu über eine reichhaltige philosophisch-kabbalistische Handschrift der Kön. Bibliothek Zu München. Von Dr. Delitzsch. (Schluß.) — Jüdische A l t er t h u m s k u n d e. Die Beschneidung bei den Israeliten. Vom historischen, kritischen und. medicinischen Standpunkte. Von Dr. Joseph Bergson. — Literarische Ankündigungen. Sagen-Poesie. <Bgl. Ro. 37). Das Buch der Sagen und Legenden jüdischer Vorzeit. Don Abraham Tendlau. Stuttgart. 4842. 8. „Freund, du kennst doch die goldne Zeit? Es haben die Dichter „Manche Sage von ihr rührend u. kind- , lich erzählt /,Jene Zeit, da das Heilige noch im Leben gewandelt." Das Judenthum hat wie jede andere Religion, seine Wunder, Sagen und Legenden; jene in heiligen Urkunden oder Ueberlieferungen niedergelegt, diese im Munde des Volkes lebend. Der Wunderglaube entstand zunächst aus historischen Begebenheiten, deren Fügungen und Verkettungen, Ursachen und Wirkungen dem menschlichen Auge nicht immer sichtbar waren, und deren Lösung nur in übernatürlichen Einflüssen, in höheren und wunderbaren Kräften gesucht wurde. Die Verbreitung des Wunderglaubens war nothwendig und nützlich, um dem unmündigen Menschengeschlecht diejenigen Religionswahrheiten beizubringen, die durch überzeugende logische Vernunftgründe in den Zeiten der Finsterniß nicht gelehrt werden konnten; Wunder waren daher das Fundament, auf welchem der Tempel des Glaubens erbaut wurde. Sagen und Legenden fanden ihren Anknüpfungspunkt am Leben historisch berühmter Männer, deren Handlungen nnd Schicksale die Phantasie der Dichter zu jenen herrlichen Gebilden und Schöpfungen entflammten und begeisterten, die in, jedem Zeitalter die Literatur schmückten. Als Produkt der religiösen Zeitbegriffe ist der Stoff der Sagen und Legenden in den Dunstkreis des Aber- und Wunderglaubens gehüllt, in welcher Nebelatmosphäre alle Völker des Alterthums Licht zu blicken wähnten.; nur theilen sich dieselben, so wie in ihren Religionsbegriffen, ebenso in ihren Wunder¬ und Sagengeschichten. Eine große Übereinstimmung ist jedoch zwischen den Legenden des Urchristenthums und des Judenthums wahrzunehmen, und die Tochter, welche den reinen Gottesglauben der Mutter zu abstrakt fand, spann mit Freuden das von derselben zurückgelassene Spinngewebe viele Jahrhunderte hindurch zu einem Netze für Leichtgläubige und Kurzsichtige, während jene schon längst aus der Kindheit der Mirakel-Periode herausgetreten war. Nur wenige Auserwählte besaßen, nach den talmudischen Sagen, die Macht zu tobten, vom Tode zu erwecken und Kranke zu heilen 2), während noch im dritten Jahrhundert die Auferweckung der Todten als ein gewöhnliches Ereigniß erzählt wird, und dieses Wunder häufig bei nothwendiger Veranlassung nach großen Fasten auf die vereinigte Bitte der Kirche bewilligt wurde (lrenaeus adv. Uaer. angef. von Gibbon 15, 13). Der Kunde fremder Sprachen, welche den Zeitgenossen des Irenaus häufig ertheilt wurde (während er selbst mit den Schwierigkeiten eines barbarischen Dialekts kämpfen mußte, als er den Eingebornen von Gallien das Evangelium predigte, ibid.) wird im Talmud nur ein einziges Mal gedacht (Sota 36). Von Vertreibung böser Geister finden sich bei den Talmudisten nur wenige Beispiele2), obschon die Dämonologie 1) Die Macht zu heilen vermittelst des Gebets befaß Rabbi (Chagiga). Von I o ch a n a n wird (B. Kama 117) erzählt, daß er R. Kahana getödtet aber wieder ins Leben gerufen hätte; ebenso Resch Lakisch (Bab. Mezia 84). A-bai soll nach Jebamot 106 durch.den bloßen Blick die Ettern des Papa getödret haben. Rabatz soll in der Trunkenheit Sera getödtet, aber durchs Geber wieder ins Leben gerufen haben (Megilla 7). Beispiele dieser Art finden sich noch hie und da zerstreut. 2) Berachot 62, Kiduschin 29, Chulin 105, Md. Rab. 42

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