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Der Orient · 1842-10-04 · Heft 41 (4.10.1842) · p. Seite 328

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Journal
Der Orient
Volume
3 (1842)
Issue
Heft 41 (4.10.1842)
Date
1842-10-04
Page
Seite 328 (sequence 15)
Language
German
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328 Und wirklich, das Verhältniß zwischen den Juden und Bauern im Elsaß ist gräßlich und erscheint als ein doppelter Fluch für Beide. „Die Juden saugen die Bauern, an sehr vielen Orten des Elsasses bis auf den letzten Blutstropfen aus und bleiben dabei in Masse so elend, wie ihre ausgesaugten Opfer." ' Dies Resultat erklärt sich leicht. Die Juden des Elsasses schachern, die unendliche Mehrzahl arbeitet nicht. Nun giebt es aber heute im Elsaß 27—28,000 Juden auf- 8 — 900,000 Einwohner. In den Städten ist der Schacher weniger ergiebig , in vielen Dörfern und Gegenden lassen die Bauern keine Juden zu; daher verringert sich diese Zahl sehr bedeutend, in Bezug auf die den Juden zugänglichen und anheimgefallenen Bauern. Die große Anzahl der Juden, dieser verhältnißmäßig geringen Anzahl von Auszubeutenden gegenüber, verbunden mit der Scheu gegen Alles, was Arbeit und Gewerbe, ist, erklärt es von selbst, daß die Juden des Elsasses, trotz des unheilvollen Erfolges, den sie bei so vielen Bauern haben, dennoch nur in Elend und Noth leben und fortkümmern. Nicht Alle aber auch, die elend aussehen, mögen eben so elend sein; die ihr Geschäft ganz besonders gut verstehen, werden bald sehr reiche Leute. Als zur Zeit der Revolution die Emancipation der Juden an der Tagesordnung war und durch die Nothwendigkeit herbeigeführt wurde, erschien in Straßburg ein Schriftchen über den Zustand der Juden, in dem es heißt *) : Die Wechsel der Bauern allein in der Provinz Elsaß, vor ein paar Jahren einregistrirt durch An&t du Conseil souverain de Colmar, zeigen in ihrer Totalität Summen, deren Unendlichkeit schaudern macht. Man behauptet, daß ein Dritttheil des Grundbesitzes dieses schönen Landes ihnen verhypothekirt sei. Indessen sind dieselben unter fünfmalhunderttausend sehr thätige Einwohner und gute Ackerbauer vertheilt, während der Elsaß höchstens 18 bis 20,000 müssiggehendeJuden zählt. Diese Stelle ist ziemlich sicher, übertrieben. Aber sie zeigt schon, von welcher Seite man diesen Gegenstand im Elsasse selbst betrachtete. Eine dreißig Jahre später (1824) erschienene Schrift1 2) weist dagegen nach, daß , in den drei Bezirken des Oberrheins allein vom 1. Septbr. 1813 bis den 1. Septbr. 1823 in Altkirch für 7,053,181 Fr. in Belfort für 953,371 Fr. in Colmar für 8,483,299 Fr. Hypotheken - Schulden von Juden eingeschrieben wurden, 16,449,781 Fr. Außer diesen hypothekarischen Schulden schätzt derselbe Schriftsteller die chirographischen Schulden auf 8 Mill. Fr. Er fügt hinzu: „Man sagt, daß der Aktiv der 1) Le juifs d’Alsace. Doivent-ils dtre adniis au droit de citoyens actiss. Lisex etjugez. 1790. Pag. 122. 2) Considerations sur l’etat des juifs —-en Alsace par de Lancastel. 1824. Israeliten im Departement des Oberrheins sich auf 24 Mill. belaufe, doch halte ich dies für übertrieben." Auf ein paar Millionen kommts hier nicht an. Ein einziger Jude, Jakob W., der 1821 starbsoll nach demselben Schriftsteller in den letzten acht Monaten seines Lebens nicht' weniger als 855 Jnscriptionen für 814,236 Fr. genommen haben. v „Also ist die Emancipation der Juden ein Unglück, also muß man die Juden durch gesetzliches Unrecht unter dem Fuße halten." Ich bin weit entfernt, diesem Schlüsse beizustimmen, wenn ich auch, wie gesagt, während ich im Elsaß reiste und all' das Unglück und Elend mit meinen eignen Augen sah, mit meinen eignen Ohren hörte und oft in eine ähnliche Lästerung des heiligen Geistes der Gerechtigkeit ausbrach. Nicht einmal im Elsasse selbst ist die Emancipation der Juden ein Unglück gewesen, das den Mßstand der Juden hervorgerufen und vermehrt hätte. Der so eben angeführte Auszug eines Schriftchens aus dem Jahre 1790 ist der klarste Beweis, daß die Emancipation an dem Unglücke der Elsässer Bauern- und Judenzustände nicht Schuld ist. Damals glaubte man versichern zu können, daß zwei Dritttheile des Elsasses den Juden verpfändet seien. Wenn daran ein Gesetz hätte Schuld sein können, so konnte dies nur das Ausnahmsgesetz, das gesetzliche Unrecht sein. Die Ursache liegt tiefer. Sie liegt für den Juden in dem gesetzlichen Unrecht selbst, das ihn zu Betrug und List zwang und für den Elsässer Bauer in seiner moralischen Uncultur, in seiner Sprachlosigkeit. (Fortsetzung folgt.) Personalchronik und Miseellen. In Ottendorf im Hannoverschen ist die Stelle eines Lehrers und Schächters der isr. Gemeinde offen. — In Altona wird ein isr. Hilfslehrer gesucht, der auch nach den Schulstunden die Aussicht über mehrere Knaben führen soll. Beide Stellen sind schon zu Michaelis offen. Zufolge einer Notisication des Generalsteuerdirektors an die Regierung zu Franks, a. O. sind die jüd. Lehrer von der Personalsteuer nicht frei, müssen also auch Klassensteuer bezahlen. In der Abendz. vom 8. u. 9. Sept. findet sich ein Bericht des Dr. Cohnfeld in Berlin über verschiedene Ereignisse aus der Kunstwelt. Darin wird mit nicht geringem Lobe der russisch-jüdischen Sängerfamilie Kantrowitzsch (eines Vaters mit 6 Söhnen) gedacht, die vor dem Könige in Potsdam und im Theater, wo Juden übrigens kein festes Engagement erhalten könnten, aber in Synagogen-Melodie-Anklängen gesungen hätten^ Am Schluffe folgt ein kleines Lob für Herrn I. I. Sachs, den jetzt arg Mitgenommenen. Verlag von C. L. Fritzsche. Druck von I. H. Nagel.

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