Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 3 (1842)
- Issue
- Heft 41 (4.10.1842)
- Date
- 1842-10-04
- Page
- Seite 321 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2360092-2360201-2360243--2669-3529707- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Jahrgang. Dritter 4 Berichte, Studie» und Kritiken Daö Abonnement für ein Jahr ist 5 Thlr. Man abonnirt bei allen lobt. Postämtern und allen solid. Buchhandlungen auf ein Jahr. für Mische Geschichte und Literatur. Herausgegeben von Dr. Julius Fürst. Von dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich, das Literaturblatt mitgerechnet, zwei Bogen, und zwar an jedem Samstag regelmäßig. 9 41. Leipzig, den 4. Oktober 1842. Deu 1 schland. Wien. Berichtigungen der Neisebeschreibung Kohl's über die Juden in Oesterreich. B er lin: Synagogenbau. Das laute Beten. Berlin: Stand der Dinge in der Rabbinatsangelegenheit. Reformen des Gottesdienstes. Stuttgart: Antwort des Hrn. Kirchenr. Maiers auf eine Frage des Hrn. Dr. Kleins. Stolp: Dr. Kleins rühmliche Wirksamkeit. Erste Confirmation. Dr. Philippson zur Gemeinde. ' Hamburg: Wochenbericht über jüd. Verhältnisse. — Böhmen. Gitfchkn: Tempel-Einweihung. — Galizien. Lemberg: Jüdische Gemeindezustände. — Licht- und Schattenbilder aus der jüd. Geschichte der Gegenwart: Die Juden im Elsaß. .(Fortsetzung.)— Personalchronik unk Miscellen. — LB. d. Or. Deutschland. Wien, 23. Septbr. Der geschickte Reisebeschreiber Kohl erwähnt in seinem so eben erschienenen: Hundert Tage auf Reisen in den österreichischen Staaten (Dresden 1842. Theil II.) bei der Beschreibung unserer Kaiserstadt auch die türkischen Juden, wozu ich mir einige Berichtigungen in Ihrem Plätte ertaube; denn selbst der geringfügigste Jcrthum verdient eine Widerlegung, weil der kleine Jrrthum mit der Zeit einen großen erzeugt. Doch ich lasse zuerst Hrn. Kohl sprechen: „Neben den Reizen (in unserer Hauptstadt) spielen die sogenannten türkisch-spanischen Juden in den Handelsbeziehungen Wiens mit dem Oriente eine Hauptrolle. Diese merkwürdige Branche jener merkwürdigen Nation hat sich, nachdem die, christlichen Könige Spaniens sie aus, ihrem Reiche vertrieben, über das ganze türkische Reich verbreitet. Sie haben Handels-Etablissements in vielen türkischen Städten Afrika's und Europas und sind so auch als Vermittler des Ostens und Westens nach Oesterreich gekommen, wo sie sehr bedeutende Handelshäuser gegründet haben. Sie haben wie die Serbiec, - aber in weit geringerer Anzahl als diese/ sich an der ganzen Donau hinunter, in Pesth, in Neusatz, in Semlin und Belgrad verzweigt und sind besonders in den Verbindungen der Donau-Lander mit Thessalonich (Salonik), wo ebenfalls viele der Ihrigen etablirt sind, wichtig". So weit ist die Darstellung zwar unvollständig, aber doch so ziemlich richtig. Nun aber fahrt Hr. Kohl fort: „Diese türkischen oder spanischen Juden haben orientalische Kleidung angenommen, wahrscheinlich weil dies eine Bedingung 8M6 qua, aon ihrer Aufnahme war, dagegen haben sie die spanische Sprache beibehalten. Sie conversiren und correspondiren unter einander von Belgrad nach Salonichi und von Neusatz nach Wien noch jetzt in spanischer Sprache, wahrscheinlich weil ihnen dieses Idiom als ein hier unbekanntes sehr erwünscht sein mochte. Sie genießen hier in Wien mancherlei Vorrechte, unter andern auch das, daß sie, obgleich in dieser deutschen Stadt ansässig und etablirt, türkische Unterthanen bleiben dürfen, und sie stehen daher hier unter dem türkischen Gesandten, von den Ortsbehorden ungefähr eben so unabhängig, wie die Franken unter ihren Consuln im türkischen Reiche." „Nach dem Wiener Schematismus von 1840 waren israelitischtürkische Handelsleute (von denen die meisten noch jetzt spanische Familiennamen haben, z. B. Somajo, Majo, Minen, Ventura, Major, Sabetay) in Wien 48 an der Zahl". Gegen einen Theil dieser Darstellung lassen sich einige Ausstellungen machen. Die orientalische Kleidung der spanisch-türkischen Juden ist nicht erst in der Türkei angenommen worden, sondern wurde bereits von den Juden in Spanien unter den Mauren getragen, und höchstens haben sie seit jener Zeit die Tracht modisicirt. Unter den Mauren selbst aber scheint die Tracht keine entlehnte gewesen zu sein, sondern eine die sie mit der Invasion der Araber in Spanien gleich mitgebracht, die sich dann später gleichmäßig bei Juden und Mauren entwickelt har. Was die Benutzung der corrumpirten mit türkischen Elementen stark versetzten kasti- 41