Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1842
- Issue
- 40 (27.9.1842)
- Date
- 1842-09-27
- Page
- Spalte 625-626 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Meratrrrbtatt -es Orients. Berichte, Studien und Kritiken für züdrsche Geschichte und Literatur. M 40. Leipzig, den 27. September 1842. Gesetzgebung. Schriften über eine zu erwartente Verfassung der Juden in Preußen: 1) Die gegenwärtig beabsichtigte Umgestaltung der bürgerl. rc. 2) Entwurf zu einer zeitgemäßen Verfassung rc. 3) Der Patriot, von Buhl» 4) Legislative Fragen, von Jost. 5) Mein fünfzigjähriges Dienstleben und literarisches Wirken von Sachs. 6) Welche Motive rc. Von Waller. — Literarische Ankündigungen. Schriften über eine zu erwartende Verfassung der Juden in Preußen. „Es wird eine Zeit kommen, da man in Europa nicht mehr fragen wird, wer Jude oder Christ sei; denn auch der Jude wird nach europäischen Sitten leben und zum Besten der Staaten beitragen, woran nur eine barbarische Verfaffung ihn hindern oder seine Fähigkeiten schädlich machen konnte." Herder. Noch hat die von Herder ausgestellte Anweisung auf die Zukunft ihre Gültigkeit, ein halbes Jahrhundert ist seitdem in das Reich der Vergangenheit hinabgerollt und noch ist die Anweisung nicht bezahlt; die Menschheit macht reißende Fortschritte, die Menschlichkeit wandert sehr langsam ihre Bahn! Der Jude, dem man sonst eine ewige Unveränderlichst vorgeworfen, hat in so kurzer Zeit die Hülle des Morgenlandes abgeworfen und die asiatische Natur abgestreift; der Jude lebt nach europäischen Sitten und trägt zum Besten der Staaten bei, aber noch fragt man, wer Jude oder Christ sei und barbarische Verfassungen hemmen und hindern die Entwickelung seiner Fähigkeiten. Armer Herder! du warst ein schlechter Prophet, obgleich du die Sache der Menschheit geführt! Wahrheiten erreichen wohl empfängliche, unbefleckte Herzen, wo aber der Sinn durch Vorurtheil geschändet, werden Wahrheiten Jahrhunderte lang überhört, wenn sie nicht zur Ausdauer greifen. Es ist dann die Aufgabe der Wahrheit, tausend und aber tausend Mal zu beweisen, daß der Wahn nur Wahn, das Vorurtheil nur Vorurtheil sei, denn der Mensch ist schon blind in seiner Liebe, geschweige in seinem Haffe, und tiefer als die Wahrheit sitzt der Wahn und das Vorurtheil. Mußte doch der Menschheit tausendmal bewiesen werden, daß es keine Hexen gebe, und Hunderttausende mußten erst dm Flammen des Scheiterhaufens geopfert werden, bevor man es vermochte, den Faden des Wahns zu zerreißen! Und seit zwei Jahrhunderten wird in unserem zerklüfteten Vaterlande bewiesen, daß Glaubensfreiheit unser edelstes Gut sei, welches in blutigen dreißigjährigen Kriegen errungen wurde, und doch wie wenige vermögen dieser Wahrheit ihre Herzen zu öffnen! Preußen hat vom Schicksal die Mission übernommen, dieses edle Gut der Glaubensfreiheit, welches durch Ströme Blutes erkämpft wurde, zu vertreten und zu schirmen: Preußen, welches das Zukunftsgesicht des germanischen Januskopfes reprasentirt, wie Oesterreich das Vergangenheitsgesi'cht Deutschlands darstellt; ist diesem Preußen die erwähnte Mission eine Wahrheit? Möge diese Frage ohne Antwort bleiben, wie so viele Fragen in Deutschland ohne Lösung, aber ein winziges Theilchen dieser Frage muß hier besprochen werden, nämlich die Judenfrage in Preußen; und auch dieses Theilchen ist eine Sache der Menschheit, eine Staatsangelegenheit von hoher Wichtigkeit, über welche nicht blos der Politiker, der Staatsmann, sondern auch der Mensch einen Beruf hat zu sprechen. — Preußen ist Mittelpunkt der zersplitterten, liberalen Jntereffen, Kern der Hoffnungen und Aussichten des fortschreitenden zukünftigen Deutschlands; auf diese Macht hin blicken die Wünsche nach Freiheit des Wortes, nach fteimüthigen Institutionen, nach wahrer nationaler Vertretung, nach Einigung des deutschen Lebens; denn die Fahne Preußens ist die Zukunft, das Werden, und „Vorwärts" heißt die Inschrift derselben. Auch die Juden des markenreichen deutschen Vctter- 40