Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 3 (1842)
- Issue
- Heft 40 (27.9.1842)
- Date
- 1842-09-27
- Page
- Seite 313 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Berichte, Studien und Kritiken für Das Abonnement für ein Jahr ist 5 Thlr. jüdische Geschichte und Citemtnr. Bon dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich. Man abonnirt bei allen das Literaturblatt mitlöbl. Postämtern und Herausgegeben aerechnet, zwei Bogen, allen solid. Buchhand¬ und zwar an jedem lungen auf ein Jahr. von Samötag regelmäßig. Br. Julius Fürst. Leipzig, den 27. September Deutschla n d. V o r w ärts oder Rückwärts in der preußischen Judenemancipation. Von einem christlichen preußischen Beamten. 1. Ist die bürgerliche Freiheit der Juden möglich ohne die geistige? und umgekehrt. 11. Wie weit sind preußische Juden seit 181.2 gekommen? 111. Was fehlt den Juden in Preußen zu ihrer bürgerlichen Gleichstellung mit den Christen ‘i i V. Was können sie mit Recht wünschen, ja verlangen? V. Was kann der Staat dagegen von ihnen noch fordern, um sie des Verlangten würdig zu erklären? VI. Was kann, was wird er ihnen dann gewähren? — Großherzogthum Baden : Ueber isr. Schulwesen. Hierzu eine Beilage. — LB. d. Or. Woewärts oder Mückwäets in der Von einem christlichen preußischen Beamten. Die Beantwortung der Titelfrage dieser Abhandlung liegt in, der Beantwortung folgender anderer Fragen, nämlich : I. Ist die bürgerliche Freiheit der Juden möglich ohne die geistige, oder umgekehrt: die geistige Freiheit ohne die leibliche oder bürgerliche? und II. wie weit sind die Preußischen Juden seit dem 11. März 1812 in Veidem gekommen? Daß die geistige und bürgerliche Freiheit in steter Wechselwirkung zu einander stehen, bedarf keines Beweises; die Geschichte der Vergangenheit lehrt es, wie die der Gegenwart. Zwei intelligente Völker, die, so schwer einem Deutschen dies Zugestandniß auch wird, in bürgerlicher und materieller Entwickelung bisher (oft malgre tious) unsere Anreger und Muster waren, Engländer und Franzosen, stehen uns auch in Bezug auf die erwähnte Frage am nächsten. Bei ihnen, so wie in Amerika, in den Niederlanden, in Belgien, ja sogar in dem deutschen Staate Kurhessm, findet, wie es notorisch, fast kein Unterschied zwischen Juden und Christen mehr Statt. Die bürgerliche Gleichheit der Confessionen erscheint da bereits als ausgeprägte Staatsnorm, so daß die Gesetzgebung jetzt jede Abweichung als anomal und unnatürlich betrachten würde. Wo das Volk gewerblusiig, gewerbthatig und gcwerbverstandig ist, kann es von einer Religionspartei, wie die Juden, denen die von Geschlecht zu Geschlecht fortgeerbre Verstandes-Scharfe und Thärigkeit als eigenthümlich betrachtet wird, nicht mehr überflügelt werden. Und umgekehrt sind die Juden in einem solchen Lande, wollen sie nicht zu elendem Schachern oder zur Bettelei herabsinken, genöthigt, in materieller Bildung mit den Christen gleichen Schritt zu halten. Materielle Bildung ist aber nicht möglich ohne geistige; sie ist entweder nur die Hülle der geistigen, oder, wo sie die primäre Grundlage bildet, sucht sie früh schon den geistigen Kern, um Halt und Bestand zu gewinnen. Der geringste Jude, vormals von Kindheit an gezwungen, ein anliquirtes Sprachidiom mit feinem Religionsunterricht zu erlernen, war an größere Anstrengung des Gedächtnisses und des Scharfsinnes gewöhnt als der Christ, der — in der untersten Volksklasse wenigstens — nur in seiner Muttersprache zu denken, zu lesen und zu schreiben nöthig hatte. Daher die Fertigkeit Jenes im Auffafsen, im Kopfrechnen, sein Glück in lukrativen Geschäften. Wo solche unnatürliche, abnorme Zustände noch bestehen, wird der Jude daher dem Christen in allen den Ländern überlegen, wo nationale Indolenz, oder Mangel an jeder, besonders realer Schulbildung diesen entweder von jedem Gewerbberriebe abhält, oder ihn ohne'dre richtigen Mittel läßt, sie vortheilhaft zu betreiben. Bei uns in Preußen ist dieser Zustand seit einem halben Jahrhundert verschwunden; die Juden haben sich nationalisirt,., haben die Vortheile der Besonderheit ausgegeben. Po lew und die Türkei zeigen uns noch heute die Carrikatur und die tragische Versunkenheit des nationalen Wohlstandes. Dort giebt es ohne Juden weder Geldverkehr noch Handel und Gewerbe; sie sind neben den Armeniern und Griechen die Hebel aller Handels- und Geldgeschäfte, und zwar auch zu ihrem eigenen Unglücke. In allen Landern der Art werden und wurden sie 40