Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 3 (1842)
- Issue
- Beilage zu Nr. 38 (13.9.1842)
- Date
- 1842-09-13
- Page
- Spalte 1-2 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Beilage zum LB. -es Orients Nr. 38.184% Philosophie des Iub err t h u m s. Die Zteligion des Geistes, eine wissenschaftliche Darstellung des Iudenthums rc. von Dr. Formstecher. Beurtheilt von Dr. Samuel Hirsch. (Schluß.) Philosophie des Judenthmns. Die Religion des Geistes, eine wissenschaftliche Darstellung des Judenthums «. f. w. Beurtheilt von Dr. Samuel Hirsch. (Schluß.) Zwei Fragen sind es, über die man sich vor Allem Rechenschaft gegeben haben muß, will man über die hier behandelte Materie ins Klare kommen: 1) Was ist der Sinn der sogenannten Beweise fürs Dasein Gottes? 2) Warum bestehet das Judenthum so sehr auf dem Schöpfungsbegriff? Die Beantwortung der ersten Frage wird durch die moderne Philosophie hindurch wieder zum jüdischen Theismus führen und die zweite wird den Schlüssel zum Verständniß des ganzen Judenthums abgeben. Wir müssen daher um Entschuldigung bitten, wenn wir nicht bei einer Recension stehen bleiben, sondern sogleich das Richtige anzudeuten versuchen; denn wir wollen ja zeigen, daß das Judenthum die Unphilosophie nicht braucht, um sich vor der strengen Wissenschaft zu legitimiren. Also 1) Was ist der Sinn der sogenannten Beweise fürs Dasein Gottes? Das Bedürfniß, Beweise aufzufinden, um auf das Dasein Gottes zu schließen, ist kein populäres, sondern ein philosophisches. Die Völker alle sammt und sonders glaubten an Gott, oder an Götter, ohne daß es ihnen eingefallen wäre, nach Beweisen für das Dasein des- oder derselben zu fragen. Sobald aber das Bedürfniß ° nach derart Demonstrationen erwachte, da schwand der Glaube immer mehr und die Beweise zeigten sich kraftlos, ihn wieder zu erzeugen. Nichtsdestoweniger hat die Vernunft dieser sogmannten Beweise niemals entbehren können; es wurden und werden immer neue Versuche gemacht, auf dem Wege des Beweises zu Gott zu kommen. Woher dieses Phänomen? Es wird uns leicht erklärlich werden, wenn wir uns über den Sinn eines Beweises fürs Dasein Gottes verständigt haben. Unbedingt giebt es keine ungeschicktere Terminologie, als von einem Beweise fürs Dasein Gottes zu sprechen. Denn zunächst ist das Da zu streichen. Gott ist nicht da, weil er überall ist; diese Kategorie der endlichen Räumlichkeit ist völlig unbrauchbar von Gott. Ueberhaupt kann etwas was da ist nicht bewiesen werden und braucht es nicht. Es kann es nicht, denn auf vernünftigem Wege ist zu gar keinem bestimmten „bet" zu kommen; die Wahrheit ist zu gut kür ein „d a"; denn alle „da" sind sich emandep gleich. Es braucht es nicht, denn für unfern sinnlichen Haus-- bedarf genügt es schon, daß wir auf eine andere Weise, als vermittelst des geistigen Werkzeugs, der Sprache, nämlich auf eine thierische, uns der Da's bemächtigen. Streichen wir also das Da und sprechen von Beweisen fürs Sein Gottes, so gehet es uns kaum erträglicher. Wenn ich von Gott weiter nichts zu beweisen weiß, als daß er ist, so hatte ich mir diesen ungeheuren Umweg ersparen können, denn ich habe nur die Tautologie bewiesen, daß das Sein ist. Das „ist" ist hier nicht Copul a, sondern Pradikatdes Subjekts: Gott; ein Prädikat, das nicht wie jedes andere den reichen Inhalt des Subjekts auseinanderlegt und zusammenfaßt *), sondern eben nur das Inhaltsloseste vom Subjekt aussagt. Was ich also von Gott beweisen will, ist, daß dem Subjekt „Gott" das Prädikat „Sein" zukomme, und da ich vom Subjekt nichts weiter weiß, als was das Prädikat aussagt, daß das Subjekt Gott — dem Prädikat Sein. Wenn aber Gott — dem Begriff Sein, so ist jeder Beweis überflüssig; denn auf das Sein können wir nicht verzichten; wenn wir alles Bestimmte negirm, am Sein findet unser Negieren seine schlechtsinnige Grenze; aber eben darum ist auch das Sein unbeweisbar; das Sein ist, weil es ist. Daß Gott das Sein ist, verstehet sich von selbst, da, wenn das absolute Sein nicht ist, gar nichts sein kann, womit entweder das Undenkbare gesagt ist, oder wiederum das, was vermieden werden soll, daß ist. Also weder das Da noch das Sein Gottes soll bewiesen werden. Was denn? Nichts mehr und nichts weniger als Gott selbst. Man erschrecke nur nicht zu arg. Es soll gesagt werden, was Gott ist. Das Sein ist allerdings zu schlecht für Gott; denn es ist— nichts. Und diejenigen, die da behaupten, wie unser Verfasser, sie wüßten nichts von Gott, „nicht daß er lebe, und nicht daß er tobt sei" sagen damit, sich selbst unbewußt, doch was Gott ihnen ist. Es ist dieses die Ironie der Vernunft, die sich nicht ungestraft schmähen läßt. Sie sagen eben, was sie am Sein haben, nämlich nichts und am Nichts nämlich bas Sein. Freilich ist es nur die Unphilosophie oder der Dilettantismus, der bei diesem ABC aller Philosophie stehen bleiben und sich einreden kann, er stehe, statt bei dem Eleaten, im 19. Jahrhundert. Also es soll gesagt werden, was Gott ist. Welche Vermessenheit! Sie ist nicht so arg, als man meint. Gott ist ein leeres Wort; die Bedeutung dieses Wortes anzugeben, das ist das ganze Geheimniß. Was meint man, wenn man ') Freilich ein Prädikat thut das nicht, die Form des Urtheils ist überhaupt unbrauchbar, um den Inhalt des Subjekts anzugeben. Dieses können wir hier aber übersehen, da es nur darauf ankommt, die Jnhaltlosigkeit des Prädikats Sein gegen jedes Andere hervorzuheben.