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Der Orient · 1842-09-13 · 38 (13.9.1842) · p. Spalte 607-608

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
1842
Issue
38 (13.9.1842)
Date
1842-09-13
Page
Spalte 607-608 (sequence 8)
Language
German
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«08 «07 Literarische Ankündigungen. eine Woche später,- mit Hinweglaffung wichtiger Momente und sonst verstümmelt, erschien. Ich schwieg zu diesem befremdlichen Verfahren; nicht so ein hiesiger ehrenwerther Leser des Orients, der — ohne die mindeste Veranlassung meinerseits, ja wider meinen Wunsch — im Anzeiger der Iudenthumszeitung deren Redacteur anonym um Erklärung bat, „warum derselbe die Notiz, daß die Landesbehörde die isr. Bibel von Dr. Herxheimer allen Pastoren aus den Kirchenkassen anzuschaffen befohlen, ausgelassen habe?" Diese einfache Anfrage mutz eine zauberische Wirkung auf die Gemüthsverfassung des Hrn. PH. hervorgebracht haben; denn der Mann verliert auf der Stelle alle Besonnenheit, verwechselt in seinem blinden Eifer Freund und Feind, und in der Meinung, ich sei der Anonymus, ich, nur ein Lehrer, der es wagt, Ph., den großen Mann, wie ihn sein eignes Blatt proklamirt, zu fragen : was machst du da? — ist es ihm nicht genug, mich seiner Wuth zu opfern, nein, über den ganzen Lehrerstand schwingt er Nr. 31 die Geißel seines Grimmes in folgender Philippica: Der Lehrer Leser in Bernburg wird wissen, daß in seiner Correspondenz nicht blos, was die Bibel des Herrn Dr. Herxheimer betrifft, sondern auch der Bericht überden Handwerker rc.-Verein, bei Seite gelegt worden, weil über diese beiden Punkte wir vom Hrn. Dr. H. selbst authentischen und ausführlichen Bericht erbitten wollten. Dies zur. Antwort, und die Bemerkung obendrein, daß solche Leutchen (!) doch nicht zu anmaßend an die Oeffentlichkeit sich drängen sollten; er hätte ja dies leicht brieflich erfahren können. Nach diesen beleidigenden Aeußerungen erklärte ich ihm brieflich, daß ich weder Verfasser, noch Absender des Inserats sei, daß der Hr. Anonymus auf Verlangen mit offenem Visier dasselbe vertreten wolle, ich daher auf vollständige Ehrenerklärung .dringen müsse. Des Hrn. Ph. ziemlich ünpertimente, briefliche Antwort übergehend, theile ich dessen Erklärung in Nr. 35 mit: H r. L e fe r versichert, nicht der Verfasser der Anfrage im Anzeiger Nr. 29 zu sein, und würde dann unsere Zurechtweisung in Nr. 31 nicht ihn, sondern den anonymen Abfasser treffen." Diese kalten zwei Zeilen sind mir, dem Verfasser eines harmlosen Referats, zu dessen Verstümmelung ich sogar geschwiegen hatte, als genügende Ehrenerklärung, wie ein (rockner Brocken, zugeworfen! In der Lhat, man möchte zweifeln, ob man es hier mit dem Redacceur eines Blattes zu thun habe, das als Vorkämpfer unsrer heiligsten und theuerstm Interessen Würde und Unparteilichkeit an der Stirne tragen sollte — oder mit einem Journalisten, der seine gistgetränkte Feder zu Kränkungen und Schmähungen, zur Herabsetzung eines ganzen Standes' benutzt; einem Geistlichen, der an nichts weniger, als an das Gebot der Liebe zu denken scheint. Beantworten Sie mir, Hr. Doctor, folgende Fragen: 1) Sie nehmen nicht den mindesten Anstand, auf eine bloße Muthmaßung hin mich zu beleidigen. Warum weigern Sie sich mit solcher Hartnäckigkeit, nachdem Ihr Irrthum .klar am Lage liegt, Ihr Unrecht ehrlich — ohne Winkelzüge — einzugestehen? Wollen Sie etwa die Welt Ihre Insallibilität glauben machen? 2) Hatten Sie das Recht, meinen Namen preiszugeben, da ich doch dem Publikum gegenüber anonym austrat? Und dennoch zeihen Sie mich — possirlich er Weise — der Anmaßung, als wollte ich mich an die Oeffentlichkeit dra'n- Vertag von C. L. Fritzsche. gen! Blieb nicht mein Name verschwiegen, bis es Ihnen, in Ihrem Muthwillen, einsiel, ihn durch eine Art Herostratus-Ruhm in Ihrem Blatte unsterblich machen zu wollen? 3) Hatten Sie ferner das Recht, mich und meinen Stand in den verächtlichen Ausdruck „solche Leutchen" hineinzubündeln? oder schauet da nicht vielmehr des Pfaffen Hochmuth hervor; der in seiner Arroganz den armen Lehrerstand mir einem Fußtritt abzufertigen vermeint? 4) Hatten Sie endlich das Recht, meinen Aufsatz ohne meine Genehmigung, verstümmelt und mit Uedergehung der Hauptsachen abdrucken zu lassen? Sie behaupten, daß Sie sich . zuvor über die a u s g e l a sse n e n Punkte authentischen Bericht vom Herrn Dr. Herxheimer verschaffen wollten; warum denn nichr über den mitgerh eilten Punkt? Aber wie steht es um die Wahrheit dieser Ausflucht, da - ich aus authentischer Quelle versichern kann, daß dies bis jetzt — fast drei volle Monate nach Absendung meines Referats — nicht geschehen ist? wie steht es mit der Wahrhaftigkeit Ihres Blattes, wenn Sie sich ähnliche Unredlichkeiten gegen Ihre Correspondenten überhaupt erlauben? Sie mögen nun erwiedern oder nicht; vor dem unparteiischen Forum der Oeffentlichkeit werden Sie schwerlich dem Verdachte entgehen, daß nur unlautere Motive Ihre Handlungsweise bestimmt, haben. Ich aber schließe mit dem Bedauern, daß ich, durch so traurige Veranlassung genöthigt, als Ihr Ankläger vor die Oeffentlichkeit treten mußte. Bern bürg, den 4. Septbr. 1842. H. Leesee, Lehrer. [127.] Bei Ph Nipp Korn, Buchhändler in P reß burg ist im Verlage erschienen und durch alle Buchhandlungen der österreichischen Monarchie zu beziehen, fürs Ausland durch Eduard Kummer in Leipzigs Die EmaneipaLion Der Jrrden aus dem Ungarischen des Joseph Freiherrn von Cötvös. Deutsch von Herrmann Klein. Zweite rechtmäßige Auflage mit einem Vorworte vermehrt von Adolf Neustadt. 5-;- Bogen stark, gr. 8. Umschlag broschirt 48 X. (17^- Ngr.) [128.] Durch alle Buchhandlungen ist von mir zu beziehen: UNiwe Blumen. Dichtungen von Joseph Mendelssohn. s. br. Preis 1 Thlr. 1 fl. 45 kr. In sauberster Ausstattung wird hier eine Sammlung von Poesien dargeboten, die eben so sehr durch wahrhaft dichterische Gluth, Liefe des Gefühls, lebendige Anschauung, wie durch meisterliche Behandlung der Sprache den weitesten Leserkreis verdienen. Freisinnige Anklänge der wichtigsten Zeitfragen finden sich in den „Wilden Blumen". Die Glaubensgenossen des Dichters werden ihn wieder, wie so oft schon, als begeisterten Kämpfer für die hehre Sache der inneren und äußeren Emancipation kennen lernen. Leipzig, im September 1842. Philipp Reelam jun. Hierzu eine Beilage. Druck von I. H. Nagel.

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