Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 3 (1842)
- Issue
- Heft 37 (6.9.1842)
- Date
- 1842-09-06
- Page
- Seite 296 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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296 schäften bei armen Leuten in Hamburg, Altona und Wandsbeck, ja wahrend seines Aufenthaltes in dem Seebads zu Travemünde, in dem nahen Moisling und in dem zu Norderney, auch in Ostfriesland. Für jedes Kind deponirte er 100 Mark Banco, in der letzten Zeir in'der-neuen Hamburger Feuerkassen - Anleihe bei der Gemeinde bis zur Mündigkeit des Kindes. Solche Fälle kamen fast 100 in den letzten Jahren vor. Außerdem schenkte er den armen Leuten, bei deren Kindern er Gevatterstelle vertrat, Einiges zu der Bestreitung der Kosten der Beschneidungsförmlichkeit und zur Anschaffung des Kinderzeuges. Ueberdies schloß er sich bei keiner außerordentlichen Gelegenheit von der Beisteuer zu einer Collekte u. s. w. aus. Die voraufgegangenen Bestimmungen sind sämmtlich dem früheren, jetzt in Kraft getretenen, Testamente entnommen; ein spater aufgesetztes ist, als der bestätigenden Unterschrift und der formellen Legalisation entbehrend, nicht zum Vollzüge gekommen. In demselben findet sich unter Anderm folgende Bestimmung: Alle Legate sollen nur solchen Leuten zufallen, die sich zu den Alt- und Rechtgläubigen halten, und kein Mitglied des Tempelvereins zur Coucurrenz zugelassen werden. — Der Erblasser setzt hinzu: Diese Ausschließung geschehe nicht aus Animosität gegen Andersdenkende, vielmehr wünsche er, daß sich Viele auf den rechten Weg leiten lassen möchten, damit auch sie auf den Genuß seiner Legate Anspruch machen könnten. Personalchronik und Miseellen. Das neue Betty - Heinesche Krankenhaus der Hamburger israel. Gemeinde ist seiner Vollendung nahe. Es ziert die Vorstadt St. Pauli, in welcher, es, ganz in der Nähe Altona's, gelegen ist, außerordentlich und ist unbedingt das schönste Gebäude' in diesem Hamburger Faubourg St. Antoine. — Der Bau des - neuen Hamb. Tempels oder vielmehr die Abtragung des bisher dort befindlichen Hauses hat begonnen. — Man nennt jetzt bereits die drei Candidaten, von denen einer an H. v. Effen's Stelle in den Hamb. Gemeindevorstand (und zwar in' die sog. Culruscommission) eintreten soll. — An den hohen Feiertagen wird diesmal in Hamburg ein ungewöhnlicher Mangel an Bethäuftrn eintreten, da nicht nur die größere Synagoge in der Attewallstraße, sondern auch mehrere Privatbetlocale abgebrannt sind. — Von Dr. Salomon's Wochenfestpredigt ist jetzt die dritte Auflage erschienen und größtentheils ins Ausland versandt worden. —- Es ist erfreulich, daß man in Hamburg, wo man so viel von abscheulichem Miethwucher reden hört, diese Klage nirgends in Beziehung auf jüdische Häuseigenthümer in der Vorstadt vernimmt; wenn auch vielleicht einzelne Fälle der Art unter diesen vorgekommen sein mögen, so kann man unbedingt annehmen, daß es nur sehr wenige gewesen sein können, da es sonst gewiß mit Begier aufgegriffen und zu herbem Tadel benutz: worden wäre, zumal.'kn einer Stadt, wo man lange Wucherer und Juden für identisch zu halten beliebte. — Ein Sänger am isr. Bethause in Wien, Kraus, hat am 12. Aug. als. Opernsänger am Kärnthethor-TheLter debutirt. Schon früher/ war oft von der' trefflichen Stimme des Vorsängers Sulzer, der in demselben Hause fungirt, die Rede« — In einer älteren Nummer des Lit.-Bl. zum Morgenblatte (22. Juli) benutzt Wolfgang Menzel, der doch durch Rieffers jüd. Briefe hätte geneigt werden sollen, reuig in sich zu gehen, den neuen Pitavat von Hitzig und Häring zu einer Nec., in welcher er bei Erwähnung der Damascus-Angelegenheit den, wie er gern glauben will, arg verleumdeten Juden vorwirst, daß sie den Gegenstand mehr , als zu breit getreten hätten; da sich der Mord des Paters Thomas nicht verinteressirt hätte, fei so viel Bertheidigungs-Gerede überflüssig gewesen. Von Deutschland geht demnächst abermals eine Dankadresse mit fast 2000 Unterschriften an Sir Moses Montesiore ab. — Dieser wohnte am 17. Aug. in Paris und am 18ten in Boulogne der Vermählungsfeier zwischen dem Baron Nathan v. Rothschild und seiner Cousine Charlotte bei. Die Brüder Rothschild waren zu diesem Zwecke'aus Franks.'a.M. Neapel, Wien und London zusammengetroffen. Der Adjunkt des' Maire, H. Alphen, vollzog die bürgerl. Trauung. Jedem der 12 Pariser Wohlthätigkeitsbureaux flössen 1000 Francs, den hülfsbedürftigen Juden in Paris außerdem große Gaben zu» (Jour, des Deb. vom 19. Aug.) — Die durch die Wesisynagoge zwischen Montesiore und Rothschild in London entstandene Spannung 'muß also wohl schon wieder aufgehör: haben. '; Für das Berliner jüd. Schullehrersemiyar beginnt nächstens ein neuer Cursus. Die Direction der Berliner Moses- Mendelssohn-Waisen-Anstalt fordert zur Annahme von Waisenkindern als Pensionaire .aust - Eine sonderbare, schwer zu rechtfertigende Maßregel ist am 22. Juli von dem bad. Min. des Innern getroffen und der bad. Regierung des Mittelrheinkreises zur Publikation mitgetheilt worden; Da nämlich seit längerer Zeit eine „Judenbande ", meist den k. stanz. Gemeinden Ober- und Unterhagenthal angehörig, im Badischen zahlreiche Betrügereien verübt hatte, so hat das Ministerium angeordnet, daß die von dort gebürtigen Juden nur dann im Badischen sich, sei es auch nur temporär, aufhalten dürfen, wenn sie einen von dem bad. Gesandten in Paris legalisieren Paß zur Reise ins Ausland vorzeigen können. (Vergl. L. A. Z. 22. Aug.) In Worms. ist vor Kurzem beim Neubaue eines ehemaligen Backhauses in einem Steine der Schwelle die Rückseite eines mit einer hebräischen Inschrift versehenen Grabsteines erkannt worden. Der dortige Rabbiner Bamberger .hat aus der Inschrift nachgewiesen, daß der Tobte, dem sie gelte, Asaria, Sohn Josephs, geheißen habe und im Febr. des Jahres 276 n. Chr., unter der Regierung des röm. Kaisers Claudius (11) Tacitus begraben worden sei. (Vergl. Bert. Sp. Zeit, vom 22. Aug.) Won Ferdinand Grafen Schirnding ist (Leipzig b. Volkmar) vor Kurzem erschienen : Die Juden in Oestreich, Preußen und Sachsen u. s. w. —' Nach einer Correspondenz aus Damaskus in b. L. A. Z. vom 23.. Aug. fanden dort wieder im Anfänge des Juli Plünderungen bei einigen Juden statt. Verlag von C. L. Fritzsche. Druck von I. H. Nage l.