Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1842
- Issue
- 34 (20.8.1842)
- Date
- 1842-08-20
- Page
- Spalte 529-530 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/8555529-9894039-9894090--2256-3529585- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Literaturblatt -es Orients. Berichte, Studien und Kritiken für jüdische Geschichte und Literatur. JVs A4» Leipzig, den 20. August 1842» . ~ ~ ~ .-- ' ' .. .."in Philosophie. Ein Wort über 25. v. Spinoza's theologisch - politischen Traktat von Isidor Kämpf. — Zu den Breslauer Rabbi nats wirren: 1) Darstellung des Sachverhaltnisses in seiner Rabbinats-Angelegenheit. Bon S. Ä. Tiktin. 2) Ansprache an meine Gemeinde. Von A. Geiger. — Methodik des Talmuds. Der Geist der talmudischen Auslegung der Bibel von Hirschfeld. Beurtheilt v. Dav. Cassel. — Lit. Ankündigungen. Philosophie. B. v. Spinoza's Theo logisch-politisch er Tractat. Von Isidor Kämpf. — njjao wns b'sn! h “ tib dj Nach Ps.'l29, 1-3. — Die moderne Philosophie macht kein Geheimniß daraus, daß sie auf Spinoza basitt; und wollte sie dies auch nicht, so würde doch jedes Blatt in ihren Annalen ihre Abkunft verralhen. Weniger offenherzig jedoch zeigt sich die in neuerer Zeit zur Mode gewordene Polemik gegen das talmudische Judenthum, die sich gern das Ansehen der Originalität geben möchte, im Grunde aber nur ein Echo des theologisch-politischen Tractats des berühmten Glasschleifers ist. Indessen dürfte von dem hier bezeichneten 'Werke dasselbe gelten, was jüngst ein namhafter Recensent über das bekannte Werk von Dr. Strauß gesagt, daß es nämlich weniger durch die Entfaltung eines Reichthums von Scharfsinn u.nd. Gelehrsamkeit, als vielmehr nur durch die Kühnheit, mit welcher sein Verfasser sich der ganzen gläubigen Welt gegenüber stellte, Sensation erregt hat. Was nun vollends den Tractat betrifft,, so trug besonders noch sein Eingreifen in die Politik mächtig dazu bei, ihm unter den höhern Standen Aufmerksamkei: zu verschaffen. Und in der That dürfte er nur aus dem politischen Terrain, schwerlich, auf dem religiösen Gebiete aber um so leichter anzugreifen sein, als die leidenschaftliche Polemik, die hier geführt wird, genugsam darthut, daß die fragliche Opposition nicht aus einem ruhig speculirenden Geiste, sondern nur aus einem durch Verfolgung bis zur äußersten Erbitterung gereizten Gemüth hervorgegangen ist ]), Wir werden im Verlauf dieser Abhandlung Gelegenheit genug haben, wahrzunehmen, wie der sonst so sehr sich beherrschende Mann, durch seinen Haß .gegen seine Glaubens- und Namensgenossen, zu allerlei Ungerechtigkeiten gegen dieselben sich hinreißen laßt, und dadurch nicht selten in handgreifliche Widersprüche sich verwickelt. Denn wie ffehr man auch in neuerer Zeit zu beweisen sich bestrebt hat, daß die Grund,Prmcipien des theologisch-politischen Tractats im Kopfe Spinoza's bereits existirt hat, ehe dieser noch mit der Synagoge in Eonflict gerathen, so ist doch soviel gewiß, daß dieses unselige Ereigniß. auf fein ferneres Verhalten gegen die Außenwelt den entschiedensten Einfluß ausgeübt, und er erst von diesem Augenblick an zur offenen Opposition sich entschlossen^). Nur so läßt sich seine unbezahmte Wuth gegen die Anhänger des Talmuds erklären, gegen welche er überall, wo sich 1) An einer Stelle im ersten Cap. des Tr., wo er die Geringschätzung rügr, welche die natürliche Erkenntnis; von Seiten der Menschen erfahren muß,' — .setzt er hinzu: „et praecipue ab Hebraeis, qui se supra omnes esse jactabant, imo qui omnes, et consequenter scientiam omnituis comnuinem, conteninere solebant.“ — Gehört diese Denunciation in die philosophische Untersuchung? — 2) Man vergleiche Cap. XVIII. des Tr., wo er in Bezug auf die jüdischen Geistlichen sagt: „Dciiuie quod quamvis sacrorum ministri legem interpretes fuerint, eoruni tarnen non erat, cives judieare, nee all quem exeommu ui o a r e“. — 34