Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 3 (1842)
- Issue
- Heft 34 (20.8.1842)
- Date
- 1842-08-20
- Page
- Seite 265 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Dritter Jahrgang. Berichte, Studien Das 'Abonnement für ciit Jahr ist 5 Thlr. Man abonnirt bei allen Lob!. Postämtern und allen solid. Buchhandlungen auf ein Jahr. für jüdische Geschichte und Literatur Herausgegeben von ’ Dr. Julius Fürst. Von dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich, das Literaturblatt rnitgerechnet, zwei Bogen, und zwar an jedem Samstag regelmäßig. jfyß 34» Leipzig, den 20. August_;_1842» UeOet ein neues - altes Project zur bürgerlichen Gleichstellung der Juden, v. H. B. Oppenheim. (Fortsetzung.) — Orient. 2£ [ q i e t: Wohtthatigkeitsvereirn — F rank r e i cb (M e tz : Trauerfeier. Leipzig: Inhalt des Julihefts des Arcbives). — B e!- gie^n. Brüssel: Die politische Stellung der Juden. — Deutschland. Hamburg: Die bürgerl. Lage der Juden. Hamburg: Wochenbericht über die Aeußernngen der politischen Blatter. Berlin: Preiöaertheilung an Juden. Fortgang der Rabbinatswahl. Berlin: Ueber den Bauinspektor S. Sachs. 'Ostpreußen: Inden zu Communalamtern. Posen: Erweiterung der Rechte der 3..^. — Lichtu. Schattenbilder aus d. jüd. Gesch. d. Gegenwart. Die Juden im Elsaß. — Personalchronik u. Miscellen. — LB.d. Or. Ueber ein neues - altes Projekt zur bürgerlichen Gleichstellung der Juden, und über die sogenannte Selbstenranzipation. Von H. B. O p p e n h e t m, Docent in Heidelberg. (Fortsetzung. Die Ucberzcugungen, welche unsere Cultur für das höhere Staatsleben gewonnen hat, stoßen Niemanden aus, Keiner läugnet sich ab, mögen sie nun christlich heißen, oder nicht. Und" die Lenker der Staatengeschicke haben mehr zu thun, als hier mit mikrologisch - philologischen Untersuchungen hemmend und trennend dazwischen zu treten!') Das wenigstens haben wir den Franzosen zu verdanken, daß sie den Staat befreit haben von dem Papstthum der weltlichen Souverainetäten, welches mindestens eben so arg ist, ') „In dem modernen Staate liegt schen die Idee seiner .religiösen Basis so klar ausgesprochen, daß einpraktisches Staatöbekenntniß, vom Leben selbst gegeben, jedes andere fast überflüssig macht. Jeder, der an dem heutigen Staate Theil nehmen will und kann, widerspricht unmöglich seinen innersten Tendenzen. Wohl gehören die letzten Staatenbildungen einer christlichen.Weltordnung an: Sie wurzeln darin und können nicht heraus, selbst wenn-sie. wollten. Ihre christliche Grundlage behaupten sie auch unbewußt, denn sie sind von einer christlichen Atmosphäre bis in die weiteste Ferne umgeben. -— Aber sind die Juden unserer Zeit etwa unchristlich? Indem sie dieser Bildung angehören, denselben Moralsysternen gehorchen, und in dieser Cul.tur nicht ferne von. den Gipfeln. stehen, könnten sie die Schichten von 18 Iahrhunderten unterminireu—■— (Studien der innern Politik.) als das geistliche Papstthum, mit dem die religiöse Innigkeit sich noch eher verständigt. Der Staat darf freilich nicht sagen, wie jene Kolonial- Minister: Was gehen uns Eure Seelen an? „Baut Taback!" Aber-mehr oder weniger muß er aussprechen: Denkt was Ihr wollt und thut was Ihr sollt! — Mag er sich, um unsere Seelen bekümmern durch Erziehung, literarische Einflüsse, ein Ministerium des Cultus und des öffentlichen Unterrichts, durch Volksfeste, Landsturm und Volksaufklärung.) aber er kann nicht an die Bedingung gewisser Einsichten und Ueberzeugungen das ganze praktische Staatsbürgerthum knüpfen, denn inehr als eine — meinetwegen, bessere.— Einsicht , mehr als eine Ueberzeugung, die nicht' befohlen werden kann, ist doch eine Religion niemals. Auf die Formen kommt es dabei gar nicht anz wer Andersgläubige — etwa durch moralischen Zwang — nur zyr erheuchelten Annahme der Taufe zwingen wollte, etwa wie ehemals die Missionarien die wilden Völkerschaften tauften und selig werden ließen, ohne daß diese nur etwas davon gemerkt hätten, wer so verfährt, der bezweckt die Demoralisirung einer Volksklasse und vergibt seiner eignen Religion, als deren Partisan er erscheinen möchte, mehr, als der ärgste Ketzer, indem er den Formen ihren Inhalt opfert unb, um sie zur herrschenden oder Staats-Kirche zu machen, ihre geistige Würde, ihre sittlich freie Wirksamkeit vernichtet. Er erniedrigt den Glauben, den er ehren möchte. Gewiß - liegt es nicht im Geiste der „Religion der Liebe," sich als Dogma festzusetzen, und statt in ewig fortschreitender Entwickelung sich Lebendig zu behaupten, in der Schaluppe des schwankenden Staatsschiffes salvirt zu werden. — Abgesehn vom Namen, ist der uneigennützige Eifer der Juden, zu Ehren ihrer freien Ueberzeugung, selbst ohne die Gewährung staatsbürgerlicher Rechte, alle Pflichten in Krieg und Frieden willig vollauf zu erfüllen, jedenfalls ebenso christlich, als das exclusive und feindselige Benehmen derjenigen Confessionen, welche aus ihrem starr urgirten Christenthum' eine Art Metier machenum sich s