Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1842
- Issue
- 33 (13.8.1842)
- Date
- 1842-08-13
- Page
- Spalte 513-514 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/8555529-9894039-9894088--2247-3529567- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Literaturblatt des Orients. Berichte, Studien und Kritiken für jüdische Geschichte und Literatur. M 33. Leipzig, den 13. August 1*42. Zur G e schichte der Gegenwart. B. Mayer: Die Juden unserer Seit, ihre religiösen und politischen Verhältnis in den drei alten Erdtheilen. — S ch u l-L i t er a t u r. Abtalion, ein Schulbuch in 2 Theilen, v. I. H. Jacobson. — Sur Seitsrage. Nabbinisches Gutachten üb. Militarpflichtigkeit v. Dr. Geiger. ■— Methodik des Talmuds. Der Geist der talmudischen Auslegung der Bibel von Hirschfeld. Beurtheilt v. Dav. Cassel. — Lit. Ankündigungen. Zur Geschichte der Gegenwart. Die Juden unserer Zeit. Eine gedrängte Darstellung ihrer religiösen und politischen Verhältnisse in den dreialten Erdtheilen. Von Bonaventura Mayer, Prof, der orientalischen Sprachen. Regensburg, 1842. 8. G. Jos. Manz. 1 Thlr. Die im protestantischen Deutschland im Rufe der Jesuitenliebe stehende Verlagshandlung hat auch in mir ein solches Vorurtheil gegen dieses Buch, rege gehalten, daß ich nur mit Widerwillen das Buch aus der Handlung habe kommen lassen —- da nun einmal ein Red. Alles was in sein Fach schlagt lesen muß — und nur mit Widerstreben habe ich mich zum Lesen desselben entschlossen. Mit Vergnügen spreche ich es hier aus, daß ich es anders d. h. viel, sehr viel besser gefunden, als ich es mir gedacht: nicht etwa, daß es voller Liebe zu den in so vielen Ländern noch sehr niedergedrückten Juden wäre, daß es einen einseitigen katholischen B'ekehrungszweck weniger herauskehre, sondern es ist durch und durch frei von fanatischem Judenhaß, hat nur gerade so viel Unrichtigkeit und Unsinn als der katholische Zweck es erfordert und der Verfasser zeigt eine solche Kenntniß der jüdischen Anstande in der bekannten Welt, wie man sie bei dem prunkenden und hochgelehrten Protestantismus vergeblich suchen würde. Die Schrift, ist, vielleicht ohne daß der Vers, es gewollt, gegen die Emancipation geschrieben, wenigstens gegen eine solche, wie sie das moderne Judenthum erstrebt, aber nichts desto weniger ist sein Buch eines der bessern auf diesem Gebiete , namentlich in den Berichten kleiner socialer Züge gewöhnlich wahr und treffend^ wie sie noch kein Christ der neuesten Zeit beobachtet; und wenn Hr. Prof. M. durch seine Katholisch-missionarische Richtung die religiösen Kämpfe und Zustände der Juden einseitig und falsch beurtheilt, so wird ihm der gebildete unpartheiische Jude darüber keinen Vorwurf machen. ~ In dem Vorworte sagt der Vers., daß er seit 1825 nach und nach beinahe ganz Europa, das nördliche Afrika und Syrien durchwandert und sich an allen Orten, wo es Judengemeinden gibt, bald längere bald kürzere Zeit aufgehalten, so daß die Arbeit, mit Ausnahme der kurzen Bemerkungen über Persien, Indien und China, eigentlich nur das Ergebniß eigener Anschauung ist. Wenn ich die Reise des Vers, nicht bezweifeln mag, so bin ich es doch der Wahrheit schuldig hier , auszusprechen, daß die Ergebnisse der Reise sehr dürftig ausgefallen und daß ich im Ganzen genommen in dem Buche Nichts gefunden, was nicht schon in den drei jüdischen Blättern, in der Judenzeitung, in den Annalen und im Orient erwähnt worden wäre; nur die hie und da eingestreuten pikanten Anekdötchen und eigenchümlichen Züge geben zuweilen Zeugniß von einer lebendigen Mittheilung, was aber eigentlich auch jeder Jude weiß, wenn et auch nicht 16 Jahre gereist. Was der Vers, mit seinem Buche bezweckt, darüber spricht er sich auchoffen und unverhoten im Vorworte aus. Er will zeigen, „daß die moderne Weisheit glaubensloser Neuerung in ihrem Widerspruche gegen das alte, von den Rabbinen überlieferte Mosis-Gesetz alles Judenthum aufhebe." Merkwürdig! wie besorgt die Leute doch um unser Judenthum sind! Das katholische Baiern und das protestantische Preußen, der katholische Hr. Prof» Mayer und der protestantische Hr. Fränkel in Elberfeld, wie ängstlich sind sie um unser Judenthum besorgt! Wie gern möchten sie das alte, kalte Judenthum in Baumwolle einwickeln, damit es ja durch den Luftzug nicht die Grippe bekomme! Aber das eigensinnige, starrköpfige Judenthum verachtet nicht blos Euern Haß, sondern auch Euere Liebe; Euch zum Schur und zum Trotz ergreift es „die moderne Weisheit der glaubenslosen Neuerung", 33