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Der Orient · 1842-07-30 · Heft 31 (30.7.1842) · p. Seite 248

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Journal
Der Orient
Volume
3 (1842)
Issue
Heft 31 (30.7.1842)
Date
1842-07-30
Page
Seite 248 (sequence 15)
Language
German
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248 Am gestrigen Tage (6. Juli) rcipte Herr Planer nach Franks. a. M. ab. Wir bedauern recht sehr, daß Herr Pleßner hier keine Gelegenheit gehabt hat, eine Trauungsrede zu halten. Dann erst wäre man im Stande gewesen, seine Art und Weise, das Brautpaar'einzusegnen, von der hier leider noch (außer bei den Tempelbesuchern) allgemein üblichen unterscheiden und ihre Vorzüge würdigen zu lernen. Im Jahre 1750, am 10. März, wurde die Michaeliskirche in Hamburg durch einen Blitzstrahl eingeäschert. An dem deshalb am 10. Marz desselben Jahres gehaltenen Bußtage trug die Kollekte für den Aufbau weit über 100,000 Mark ein, zu denen die port. Juden 1200, die hochdeutsche Gemeinde 1800 Mark beitrugen. Auch am Buß- und Bettage vom 7.^ Juli 1842 waren im Vorhofe des Tempels zwei Becken, eins für den Ausbau der Kirche, das andere für den der abgebrannten Synagogen aufgestellt. In der Synagoge hielt Herr Bernays einen Vortrag, im Tempel predigte Herr Dr. Salomon. Kirchen, Synagoge und Tempel waren überfüllt. Die Predigt des Herrn Dr. Salomon ist abermals gedruckt erschienen, und wiederum mildthätigen Zwecken bestimmt. Sie brachte nicht bloß bei den Hörern, sondern bringt auch bei den Lesern einen außerordentlichen Eindruck hervor und dürfte an Kraft und Würde sogar die früher erwähnte, am ersten Psingsttage gehaltene, übertreffen, nach welcher noch immer eine starke Nachfrage herrscht. Res. hatte Gelegenheit, mehrere gebildete Christen, darunter selbst angehende Prediger, eine Parallele zwischen den Salomonschen und mehreren christlichen Predigten ziehen zu hören, welche für die jüdische Kanzelberedsamkeit überaus schmeichelhaft aussiel.; Die Rhein.' Zeitung 'vom. 3^ Juli enthält rnMemFeuilleron (die Beilage könnte wegen ein getreten et Ceasurauffände nicht erscheinen) einige humoristisch - sarkastische Bemerkungen über des Staatsr. Hoffmann: „Zur Judenfrage." Der Cor- resp. der'Rhein. Zeit, meint, er sehe den Nachtheil, den die Feier des Sonnabends Hi den Juden mit sich führen solle, nicht ein, und finde es auffallend, daß die Christen den Sonnabend-Gottesdienst durch ihre Werktagsarbeit stören. Die am Bußtage (7. Juli) von Herrn Dr. Salomon im Tempel gehaltene Predigt führt den Titel: „Der göttgeweihete Tag in seiner dreifachen Bedeutung" u.'s. w. Der Ertrag ist mildthätigen Zwecken gewidmet. Preis (mindestens) 4 Schill. Hamburg und Altona 1842. In der Antwort, die Herr Joseph Mendelssohn in der L. A. Z. vom 6. Juli dein intoleranten Grafen Schirnding errheilt, läßt sich die gute Absicht nicht verkennen. Dennoch kann sich Res. nicht damit einverstanden erklären. Einmal hilft eine solche Lection nichts und dient nur dazu, die öffentliche Aufmerksamkeit auf ein Buch zu Lenken, das sonst gewiß nur von sehr Wenigen gelesen wird. In solchem Falle ist Jgnoriren das Beste. Denn das Gegentheil stiftet noch den Schaden, daß den Juden der Vorwurf der Reizbarkeit und Empfindlichkeit, der ihnen oft ohne Grund gemacht wurde, fortan mit Recht gemacht werden könnte. Davor haben wir uns aber sorgfältig zu hüten, damit wir nicht unsere Freunde ebenfalls über unsere An- und Absichten mißtrauisch machen. Namentlich ist da dem böswilligen Verdachte des Bestehens einer Judenkette Thür und Thor geöffnet, sobald wir nicht den speciell Angegriffenen, hier den böhmischen Juden, die Selbstvertheidigung überlassen. Das darf man aber um so getroster thun, je tüchtigere Köpfe es bereits unter den böhm. Juden giebt. * . * Ed. C. In der Haude- und Spenerschen Zeitung vom 1. Juli findet sich in einem Artikel aus Posen vom 27. Juni die Klage über den Verfall der Städte im Großh^rzogthume ausgesprochen. Man habe namentlich an dm Orten, aus welchen viele Juden in andere Provinzen gezogen seien, eine große Abnahme des Wohlstandes und der Handelsthärigkeit bemerkt. So will man die Juden bald g^rn behalten und bald möchte man sie wieder alle aus dem Lande ziehen lassen. — Uebrigens macht auch die Posener Zeitung die richtige Bemerkung, daß alle Beschränkungen der Juden nichts fruchten. „Inländische Zustände. Erstes Heft. Königsberg 1842. Bei Gräfe und Unzer" heißt der Titel einer Broschüre, die vor uns liegt und der wir hierdurch das wohlverdiente Lob spenden. Es sind dies eine Anzahl leitender Artikel, die dem laufenden Jahrgange der Königsb. Zeitung entnommen, nach Ton und Inhalt zu den schönsten Früchten der neuern preußischen Zustände gehören. .. . Bibliographie. Die Bücher Samuels (exeg. behandelt) von Thenius. Leipzig 1842. Oe riidluence de juifs sur les chemins de fer. Paris 1842. 1 Bogen. Die neueste Nummer des JtzeboerWochmblatts v. 17. Juni enthält eine Entgegnung des Dr. Cohen in Elmshorn auf den Angriff des Vorstehers Nheindorff in Rendsburg. Aus dem Streite geht hervor, daß die Juden in Rendsburg zwar alle, aber nicht hinlänglich nach ihrem Vermögen zur Schule und Behufs der Anstellung eines tüchtigem wissenschaftlich-gebildeten Lehrers beisteuern; doch ersieht man zugleich, daß dcr Eifer für das jüdische Schulwesen in Elmshorn, Rendsburg und Friedrichsstadt erwacht ist und daß man sogar die Regierung um direkte'Förderung der jüdischen Uncerrichtsanstalten anzugehen begonnen hat. In der Preuß. Staatsz. vom 16. Juni findet sich die 11 (soll zweite, nicht elfte heißen) Auflage der Thieleschm Gaunerschrist buchhändlerisch angezeigt. Herr Salomon Freiherr von Rothschild hat im Jahre 1840 für die Stadt Brünn eine Heirathsbeisteuer-Stiftung gemacht. Die erstjährlichen Zinsen dieser Stiftung wurden am 15. v. M. unter drei unbescholtenen Mädchen verloost, worunter eine Israelitin und zwei christliche Waisen. Das Loos entschied für eine der letzteren, welcher die Beisteuer, 200 Fl. C.-M. ausgezahlt wurde. Dem Sir Moses Montesiore wird aus Damaskus unterm 5. Juni von einem englischen Reisenden geschrieben, daß die israelitischen Brüder Harrari ihre Sclaven freigegeben haben und ihr Mögliches thun, um die andern Israeliten in Damaskus zu demselben Schritte zu vermögen. Ihre Bemühungen werden wahrscheinlich einen glücklichen Erfolg haben. In der nächsten Nummer des Hauptblatts des Orients werden wir einen ausführlichen Artikel mittheilen über dm Tod des berühmten mährischen Landrabbiners Neh. Lrebitsch in Prag. Durch einige zufällige Umstände ist dessen Veröffentlichung verhindert worden. Verlag von C. L. F c i $ f ch e. Hierzu eine Beilage. Druck von I. H. Na g e l.

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