Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1842
- Issue
- 28 (9.7.1842)
- Date
- 1842-07-09
- Page
- Spalte 433-434 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Literatnrblatt des Orients. ' Berichte, Studien und Kritiken für jn-ische Geschichte und Literatur. M 28. Leipzig, den 9. Juli 1842. Philosophie des Jude nt hu ms. Die Religion des Geistes von Dr. Formstecher; beurtheilt von Dr. Sam. Hirsch. — Methodik d e s Talmuds. Der Geist der lalmudischen Auslegung der Bibel von Hirschfeld. Beurtheilt von Cassel. (Fortsetzung.) — Sit. Ankündigungen. Philosophie -es Judenthums. Die Religion des Geistes, eine wissenschaftliche Darstellung des Judenthums nach seinem Charakter, Entwickelungsgange und Berufe in der Menschheit, von Dr. S. Formstecher. L841. 8. VIII. 45Ä S. Frankfurt a. Nt. Herrmann'sche Buchhandlung. Beurtheilt von Dr. Sam. Hirsch. I. Werke wie das vorliegende zu besprechen, ist keine (eichte Aufgabedenn es muß hierbei einer doppelten, ja wenn man will einer dreifachen Pflicht Genüge geleistet werden. Einmal ist der Verfasser berechtigt, volle Anerkennung seines Strebens zu erwarten, wenn man die Schwierigkeiten erwägt, mit denen jedes strengwissenschastliche Unternehmen der Art schon in seinem Werden zu kämpfen hat. Es erfordert wahrlich nicht wenig Selbstverleugnung, nicht wenig Seetenstärke und Vertrauen zur Wissenschaft, nicht wenig Kraft und Ausdauer, wenn der praktische Geistliche — und auf diese ist die wissenschaftliche Bearbeitung des Judenthums zur Zeit noch ganz allein angewiesen — die Wirren und Kämpfe, die Zerrissenheit und das unvernünftige Treiben, das er tagtäglich vor Augen hat'und an dem er mehr oder minder Theil zu nehmen gezwungen ist, zu vergessen und sich in die höhere Region der Wissenschaft zurück zu ziehen sich entschließen soll; wenn er in diesem wirren Treiben den Muth nicht sinken läßt, sondern es vorläufig seinem Schicksale überlassend, eine Regeneration von der Wissenschaft erwartet und um diese herbeizusiihren thätig mit Hand ans Werk zu legen unternimmt, obgleich ihm, dem nicht 'an einem Musensitz der Wissenschaft Lebenden, so viele Hülfsmittel abgehen, die nothwendig wären, um das wissenschaftliche Leben der Gegenwart von seinem Mittelpunkte aus in seiner Totalität zu übersehen. Jeder Verfasser eines ernsten Werks muß daher von dem unsere Zustände Kennenden dankbare Anerkennung finden, auch dann noch, wenn wir uns weder mit dem Standpunkte noch mit dem Resultate befreunden können; denn nur erst wenn viele Kräfte zu gleichem.Streben sich ermuntert sehen, ist Heil für unsere Zustände zu erwarten und dieses ist denn die zweite Rücksicht, die uns solche Werke freudig zu begrüßen mahnt. Unsere Zustände sind wahrlich sehr traurig; denn, um es geradezu auszusprechen, die Unvernunft stehet an der Spitze unserer Gemeindeangelegenheiten und will Lenk er in unseres Kultus sein. Der Verfasser charakterisirt diese Unvernunft in der Vorrede Seite VI f. mit folgenden Worten: „Diejenigen unter den Juden, welche die Stabilen, die streng Legalen genannt werden können, welche in den bewegten Wogen des Lebensstroms starrsinnig auf dem Felsen des Mittelalters sich behaupten, und bei der geringsten Entfernung von demselben den gänzlichen Untergang ihrer Religion fürchten, sind stets bereit, eine jede Erscheinung auf dem israelitisch-religiösen Gebiete, mag sie der wissenschaftlichen Forschung oder dem praktischen Leben angehören, sobald sie ihrer eigenen Ansicht oder ihrem Interesse (das Letzte ist leider die Hauptsache) entgegenstehet, recht herzhaft zu verketzern." Und weiter: „diesen nichtdenkenden Stabilitätsfrommen gegenüber stehet eine nicht minder bedeutende Masse, welche die väterliche Religion nur dem Namen nach kennend, über dieselbe so flach und seicht räsonnirt, daß der Gefühlvolle sich empört fühlt ob der Entwürdigung dieses heiligen Gegenstandes." Es ist hier der Ort nicht, dieses weiter auszuführen, so viel muß aber gesagt werden, daß beide Partheien nicht bloS ihre Gegner, sondern auch sich selbst mit falschen Namen belegen. Die eine nennt sich die Fromme %ca aber wie weit es mit' ihrer Frömmigkeit her ist, ist leicht zu errathcn, wenn man bedenkt, daß, obgleich sie sich als Eifrerin 28