Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 3 (1842)
- Issue
- Heft 28 (9.7.1842)
- Date
- 1842-07-09
- Page
- Seite 224 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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frage doch sächsische Handelshäuser, wie viele jüdische Fabrikanten aus Böhmen ihnen Man nt sind, oder ob .unter 20 böhmischen Kaufleuten 19 Judey,- sind, wie Cordelius angibt. Und wäre es so, weiß Cordelius nicht, daß der Jude nicht einmal Nachtwächter oder Büttel werden kann, daß Alles, was ihm die Existenz erträglich macht, nur durch den Mammon zu erlangen ist? Sagt er doch selbst (S. 29.): „Diesen Schuh (als Fremdling) hat er vorlängst unh in einem weiteren Umfange als sämmtliche nichtkatholische Bewohner (??) erreicht. Er genießt ihn zwar nicht offen, aber ffein Geld, sein Reichthum haben ihm Vortheile verschafft h." — Soll das heißen, daß die Bestechung zu den Rechten des Juden gehört? Vielleicht erfindet Cordelius noch eine Bestechungssieuer. Allein so ist der Haß; bald blind, bald doppelsehend' wie die Liebe. An zehn armen, ehrlichen Juden sieht er weder die Armuth, noch die Ehrlichkeit, sondern nur den Schmuz: ein reicher Jude ist ihm aber ein Beispiel von dem Reichthum und fter Geldgier aller Indern Gäbe es jüdische Bauern und ihrer fünf hatten-in. einem Dorfe Grundbesitz und Felder, sogleich würde er fürchten, „daß sie dle Böhmen am-Ende selbst ans dem Lande jagen würden." Und würde ihnen das Meisterwerden etwas mehr erleichtert, sogleich würde er schreien, sie könnten die Herrschaft über die Innungen an sich reißen. .ft Wir ziehen, ohne Bemerkungen, die zu weit führen würden, noch einige fulminante Stellen aus (S. 39) : „Der Ausspruch des Staatsrechts: Alle Bürger eines..Staates sind '* 'Mich,ftkam: keinemAuwendungaufeine Ko updr'Mon (?) sinders, - hie sich bis jetzt dem Staatsverbande nur schädlich, nicht gemeinnützig dargestellt hat. Sollte dieser S-taatsgrundsatz in Anwendung gebracht werden, so müßte die Staatsverwaltung auch alle Freiheitsschwindler für unschädlich anerkennen und frei laufen lassen, wahrend sie sich jetzt verpflichtet sieht, dieselben als Hochverräther des (?) Staates emzukcrkern und zu Galgen und Rad zu verdammen. Der Jude aber ist streng genommen Hochverräther an den . heiligsten Interessen der Menschheit." — „Ein historisches -Recht hat der Jude nicht, wie er nie eins gehabt, seit einst bis jetzt» Sich selbst zum Sklaven herabwürdigend, war er es allein, der sich'dem härtesten Despotismus unterwarf, der die schmählichsten Fesseln trug n* — Was hat der Jude für seine Freiheit bis jetzt gethan? — Sein historisches Recht ist durch seine Thatlosigkeit verjähr t." So viel vom „Standpunkt beö Christenthums" — des Herrn Cordelius. Wen vielleicht die pathetische Polizeisprache des Vers, wirklich von der Jmmorälität, Gesinnungslosigkeit, vym Geiz und der Habgier der böhmischen Juden überzeugt habew sollte, ersuchen wir nur Folgendes zu bedenken. Gibt es wohl emo gesetzliche Strafe für den Geiz, für die Herzlosigkeit oder den Mangel an Freiheltsliebe? Wir wissen wohl,-daß der Staat das Verdienst, die gute Gesinnung durch Orders' und Medaillen belohnt, haben aber wie gehört, daß-''erdi^böse bestraft, oder-daß die politische Indifferenz beiunsvoM Staatsverband ausschließt. Oder sollen wir glauben, daß der geniale Verfasser die Judensteuer eigentlich als eine Geldbuße ansieht, als die angemessenste Straft dafür, daß die Juden nicht Bürger werden wollen, wie iir Preußen? „Vom Standpunkte der allgemeinen Steuerverhältnisse Oestreicyö" aus macht der Vers, ebenfalls'einige Sprünge, die zu ergötzlich sind, als daß wir sie dem Leser erlassen konnten. Er vergleicht nämlich den Juden, obgleich dieser vorzugsweise Städter ist, hinsichtlich seiner materiellen Lage nur mit dem Bauer. Da heißt es, der Bauer könne seine Ernte durch bnt Hagelschlag verlieren, hingegen (S. 36): „Welches Unglück kann den Juden treffen, der nichts als baares Geld sein eigen nennt? Har er im Handel wirklich Etwas oder Alles verloren, ergreift er den leinenen Sack und wandert von Ort zu Ort und schachert mit Armen und Reichen. An Glassplittern, Lumpen uud dergl. erblüht ihm seine Industrie, er geht nicht zu Gründe, er verhungert nicht. Gegenstände dieser Art findet er auf jedem Kehrichthauftn, ft wie es überall Fabriken giebt, welche derlei Abfälle wieder gebrauchen. Sein Verdienst hierbei ist klein, aber durch die sich Alles versagende Lebensweise des Juden wird er größer; er fühlt den Hunger nicht, er hat sich durch jede Enrftgung an ihn gewöhnt!" Zuletzt wird Herr Cordelius, gefährlich; er hofft die die Regierung werde die Last der Steuer mildern, nichr aufheben; denn, sagen Seine Weisheit-(S. 43.): „Jeder . unbedachte Schritt in dieser Angelegenheit führt zur Beeinträchtigung der Staatskasse, wie zu jener der eigenen Unterthanen; diese aber folgerecht zu gesteigertem Judenhaß, zu Excessen und Unruhen, oder zu einer neuen Judenverfolgung." Soll das eine Drohung sein? —Möge uns der Leser verzeihen, daß wir über eine kopflose, noch dazu so schlecht und stumpf srylisirte Judenverfolgung auf dem Papier uns so ereifern und ihn ft langweilen konnten. Es ist die Rücksicht auf die Persönlichkeit und die Stellung des Verft, die uns seinen Aufsatz beinahe ernst nehmen ließ. Wie es heißt, ist Herr Cordelius derselbe Staatsmann, der ein dickes, oft genanntes Buch über Oestreich geschrieben hat, und außerdem ein Mann aus den glänzendsten Reihen des böhmischen Adels; ein neuer aristokratischer Schriftsteller, ein angehender College von Fürst Pückler, Lichnowski u. A. Wenn aber östreichische Staatsmänner und Grafen also schreiben, was soll der böhmische Bauer thun? — I. Kaufmann. Druck von I. H. Nagel. Verlag von C. L. F r i tz s ch e.