Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 3 (1842)
- Issue
- Heft 28 (9.7.1842)
- Date
- 1842-07-09
- Page
- Seite 217 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Dritter Jaurgatg. f u r Da^ Abonnement für ein Jahr ifr 5 Thlr. Man abonnirt bel allen toM- Postämtern und allen solid. Buchhandlungen auf ein Jahr. - Geschichte und Lst Herausgegeben von N§°- Julius Fürst Von dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich, das Literaturblatt mitgerechnet, zwei Bogen, und zwar an jedem Samstag regelmäßige Leipzig, den 9. Juli Deut sch t a n d. Breslau: Beschwerde samintlicher Rabbinen Schlesiens gegen Geigers Satze wider das Judenthum. Von der preußischen Grenze. Erklärung des Ministeriums über eine Kultasordnung. — Böh rn e n. Aus dem königgratzer Kreise. Jüdische Zustände daselbst. — Licht- und Schattenbilder aus der jüdischen Geschichte der Gegenwart. Literatur. Graf Schirnding beurtheilt von I. Kaufmann. — LW d. Or. Deutschland» Bxesl«ru/ Ende Mai. Einige Rabbiner Oberschlesiens haben sich in Folge der von dem Dr. Geigerin dem jüngsten .Heft seiner Zeitschrift gegen daZ Judenrhum erlaubten Äußerungen veranlaßt gesuhlt, gegen denselben bei Einem Wohllvblichen Obervorsteher- Cellkgium zu Breslau Beschwerde zu führen, und man ist auf die Antwort von dem Obervorsteher-Collegium sehr gespannt. — Der Aufmerksamkeit eines-Freundes verdanke ich eine Eopie der dem Dr. Geiger gemachten Vorwürfe und obgleich ich eingestchen muß, daß cme solche Anklage auf dem Gebiete der Wissenschaft, wo mir andern Waffen gekämpft werden sollte, höchst verwerflich erscheint, am allerwenigsten aber den Rabbiner Herrn Tiktin zu entschuldigen geeignet ist, der sich woh! schwerlich gegen die offene Darlegung der Vorsteher ganz zu vectheidigen im Stande fein, wird, so beeile ich mich dennoch, sie Ihnen zur geneigten Mittheilung für die geehrten Leser Ihres Blattes zuzusenden, wenn auch nur als merkwürdiges, sonderbares Aktenstück. Hier die Beschwerde und die Anklage. „Obe.rschlesien im Monat Siwan 5602. Liebet Wahrheit, liebet Frieden. Zacharia 8, 19. Mächtig angetrieben vom Gefühl unserer heiligen Amtspflicht,, und in Ermangelung einer geistlichen Ober- ' bchorde in unserm Staate, der wir uns hätten zuwmden können, sehen wir Unterzeichnete uns nochgedrungen, bei Einem Wohllöbl. Obervorsteher-Collegium zu Breslau über den zweiten Rabbiner daselbst, Herrn Dr. Geiger, Beschwerde zu führen. Wir zweifeln keinen Augenblick, daß die Repräsentanten der jüdischen Gemeinde Breslau's, der Ersten der Provinz, der Gemeinde, die jederzeit in jeder Beziehung der ganzen Provinz als schönes Muster vorgeleuchtet, werden, stolz auf solchen Ruhm, denselben nun und nimmer aus den Augen verlieren, und so geben wir denn der Hoffnung Raum, daß selbst die Freunde des Dr. Geiger den Inhalt unserer ,Worte, mit strenger Unpartheilichkeit prüfend, die Reinheit unserer Absicht ebensowenig, als die Nothwendigkeit des gegenwärtigen Schrittes verkennen werden. Im Jahre 1838 sah die jüdische Gemeinde Breslau's nach einem Dajan umher; es wurde ausdrücklich für dieses Amt ein GotteSgetehrter von umfassender talmudischer Gelehrsamkeit und strenger Religiosität verlangt (siehe Z. d» Judenth. Jahrg. 1838 Nr. 44),. und wird gewiß niemand ernstlich in Abrede stellen, daß damals an nichts anders, als an eine strenge Religiosität nach talmudisch-rabbinischen Grundsätzen und Bestimmungen gedacht worden. Die Wahl traf Dr. Geiger, und wurde trotz allen Hemmnissen und schweren Kämpfen einer gegnerischen Parthei siegreich durchgeführt. Wenn es von vornherein. befremdend erscheinen mußte, wie gerade Dr. Geiger geeignet sei, den bemeldeten ausdrücklich geforderten Bedingungen ein Genüge zu thun, ein Mann, der schon bei seinem ersten' Auftreten in Breslau genöthiget ward, sich durch eingeholte Zeugnisse vom Verdacht der Sabbatentweihung zu rei- 28