Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 3 (1842)
- Issue
- Heft 26 (25.6.1842)
- Date
- 1842-06-25
- Page
- Seite 201 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Dritter Jahrgang. ❖ Berichte, Studien und Kritiken für Das Abonnement für ein Jahr ift 5 Thlr. Man abonnirt bei allen löbl. Postämtern und allen solid. Buchhandlungen auf ein Jahr. Mische Geschichte und Literatur Herausgegeben von Dr. Julius Fürst. Von dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich, das Literaturblatt mitgerechnet, zwei Bogen, und zwar an jedem Samstag regelmäßig. 26._ Leipzig, den 25 Juni_1842. Deutfchla n d. Non der preußischen Grenze. Preußische Gesetzgebung in Betreff der Juden. Königsberg: Die bürgerlichen Verhältnisse der Judeu. Bern bürg: Lieberale Gesinnung der Regierung der Negierung. Neue Eidesformel. Herrheimers Bibelwerk. Berlin: Dohm zum 19. Jahrhundert. Posen. Ein Eircular-Nescript der Regierung über Organisation jüd. Kirchenangelegenheiten. — Licht- und Schattenbilder aus der jüdischen Geschichte der Gegenwart. Die deutsche Presse rc. Literat u r. — Personalchronik und Miscellen. — LB. b. Or. Deutschland. Von der preußischen Grenze, 10. Juni. Wer will es den krächzenden Raben verargen, wenn sie mit ängstlichem Geschrei die Ruinen umflattern, durch deren Wegräumung man ihnen ihre Wohnungen raubt? Die Knechtschaft und das finstere, gespenstige Vorurthei! des Mittelalters, der Glaubenshaß und der Gewissenszwang sind die Ruinen, welche die Neuzeit abbrechen will, und wer die Raben sind, die krächzend um Erhaltung der Ruinen schreien, wer wird darüber in Zweifel sein? Die Judmgesetze, oder vielmehr die Gesetzlosigkeit der jüdischen Verhältnisse, sind die ältesten morschesten Ruinen, und die Raben krächzen, wenn die letzten Tcümmersieine weggeschafft werden sollen; diese Ruine, verwünschten Angedenkens, möchte man so gern als die letzte Trophäe des unduldsamen Mittelalters erhalten wissen, wenn auch nur als Erinnerung an die schöne alte Zeit, in welcher der Jude, verachtet und verstoßen, viel bequemer ausgeplündert werden konnte. Aber wenn schon diese Ruinen die ältesten und bedauerlichsten sind, so bleiben auch noch genug echt teutonische Ruinen übrig, an denen der romantische Sinn für Mittelalter sich heranbilden könnte, so daß man auch ohne diese Schmach noch immer Stoff zum Erröthen hat, wenn überhaupt das engherzige Geschlecht eine Disposition zum Erröthen hätte. Ihr edlen christlichen Brüder -aber, deren Herz und Sinn noch nicht von einer Partei gefangen genommen ist, die ihr selbst nach einer Wahrwerdung der bürgerlichen und religiösen Freiheit zu kämpfen habet, nur an euch appelliren wir Juden, und fordern geneigtes . Gehör und ruhige Prüfung. — Das erste was wir von den Absichten unsrer Gegner fürchten, ist, uns das.Vaterland zu rauben, ein Vaterland, dem wir trotz seiner so unzähligen Gebrechen mit um so größerer Begeisterung und Innigkeit anhangen, als wir durch Jahrhunderte das schmerzliche Gefühl empfunden, kein Vaterland zu besitzen. Denn was ist es anders als eine Beraubung unserer edelsten Errungenschaft, wenn man uns von der ermuthigenden und zur Thatkraft anregenden Pflicht entbindet, unser Vaterland zu vertheidigen! Der Sohn des Vaterlands muß für die Ehre und Erhebung seiner lieben Heimath kämpfen und ringen, dem Fremden steht es frei, jedes Land, das in Gefahr ist, zu vertheidigen. Die Russen durften unser preußisches Vaterland in dem verhängnißvollm Jahre 1813 vertheidigen, aber für die Preußen war es die süßeste heiligste Pflicht, in den Todeskamps für das zertretene Vaterland zu gehen. Will man den jüdischen Preußen von der Pflicht entbinden, die Gott jedem Preußen ohne Unterschied der Confessi'on auferlegt, so will man sie gewaltsam zu Ahasveren machen und als Fremde ansehen, und 200,000 jüdischen Preußen die süße Lebenslust, welche nur ein Vaterland gewährt, rauben. Und wo giebt es auch nur den Schimmer eines Grundes, daß Preußen nicht das Vaterland der jüdischen Preußen ist? Welche verrostete juristische Theorie hat es je erweisen können, daß die Juden in Preußen nicht Preußen als Vaterland betrachten dürfen? Dieser düstere Gedanke ist 26