Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 3 (1842)
- Issue
- Heft 22 (28.5.1842)
- Date
- 1842-05-28
- Page
- Seite 169 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Jahrgang, Dritter Berichte, «Studien und Kritiken DaS Abonnement für ein Lahr ist 5 Thlr. Man abonnirt bei allen löbl. Postämtern und allen solid. Buchhandlungen auf ein Jahr. für jüdische Geschichte und Literatur. Herausgegeben von Or. Julius Fürst. Von dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich, das Literaturblatt mitgerechnet, zwei Vogen, und zwar an jedem Samstag regelmäßig. M 5» 1842 Deutschla n d. Preußische Grenze: Drei Kabinetsschreiben und daran geknüpfte Betrachtungen. Vom Federsee: Guldenstein, neuer Rabbiner in.Buchau. Leipzig: Ankündigung eines neuen in Elbing erscheinenden, von Sommerfeld redigirten jüdisch-religiösen Wochenblatts. Schweden«. Norwegen. Christiania: Allgemeine Judenfrage. Gr o stb ritan nie n: Reformbewegungen d. englischen Juden. — V o l ks t 1) üm l i ch e Aufsätze und B e u rth e i l u n g e n. Jüd. Homiletik. Holdheim. Bürgerthum der Juden. Opposition. LB. d. Or. Deutschland. Von der preußischen Grenze, 15. Mai. Es verbreitet sich so eben allgemein die Kunde in Berlin, daß dem jüdischen Gemeindevorsrande daselbst ein sehr günstiger Bescheid zugegangen sein soll, welcher nichts Geringeres enthalte, als daß von der Regierung die förmliche Gleichstellung der Juden mit den übrigen Untetthanen in Aussicht gestellt werde. Jndeß bewahrte sich dieses Berlinische Gerücht wie so viele enthusiastischen Prahlereien Berlins; wie eine Seifenblase zerplatzte diese unsere Hoffnung als wir den so angerühmten günstigen Bescheid selbst zu Gesichte bekamen, der leider nur sehr schlecht unsere Befürchtungen zu verscheuchen im Stande ist. Da das neue Gesetz noch nicht erschienen, ja noch nicht einmal, wie man vermuthet, im Staatsrath ganz ausgearbeiret ist, so sind unsere Duellen zurBefürchtung nur die vertraulichen Mittheilungen der mit dem Gesetze beschäftigten Beamten und die verschiedenen Kabinetsschreiben, welche an verschiedene Gemeinden oder Eorporationen auf ihre Petitionen gelangt sind. Es ist daher nicht unwichtig, die sämmtlichen Kabinetsschreiben der Reihe nach wie sie bekannt worden, zusammenzustellen, theils um daraus Zweck und Tendenz des in Aussicht gestellten Gesetzes adzunehmen, theils aber auch, um die traurige Anarchie und Zerfahrenheit einzusehen, welche die Gemeinden heimsuchen, und die sich in ihren Petitionen nur zu sehr' bekunden. Jede peütionirende Gemeinde fordert etwas Anderes und keine das Rechte; keine hat den Much, die Hauptsache zu fordern und bewegt sich daher, vielleicht durch die Absasier verleitet (wie dieses z. B. bei der Gemeinde in Magdeburg der Fall war) mit hohlen Phrasen nur in Nebendingen; nur Eine Petition verstand ihre Aufgabe, nämlich die treffliche Petition der Gemeinden der Rheinprovinzen, die nicht von Militärdienst faselte, nicht von paragraphenlangen Entwürfen zur Bildung jüdischer Consistorien, nicht von Corporationen, sondern eine vollständige, ungeteilte Emancipation verlangte und die Phrasen von einem seinsollenden christlichen Bürgecthum in seine Nichtigkeit zurückweist. Doch, wie gesagt, stellen wir die verschiedenen Kabinetsschreiben zur Kritik zusammen und lassen die Petitionen auf sich beruhen, die nur dann in Betracht kommen mögen, wenn auf den wahren Punkt hingewiesen werden muß, auf das, was wir allein und vorzüglich zu fordern hatten. Folgende Kabinetsschreiben sind bekannt geworden: I. Kabmets-Schreiben an die Gemeinde zu Magdeburg. Wenn die Aeltesten der jüdischen Gemeinde zu Magdeburg in der Vorstellung vom 22. v. M. dm Eintritt in den Militärdienst als ein den Juden zustehendes Recht in Anspruch nehmen, so eröffne Ich denselben, daß es niemals die Absicht gewesen ist, den Juden den freiwilligen Eintritt in den Militärdienst zu versagen, wodurch ihre Befugniß zur Theilnahme an dem ehrenvollen Beruf der Landes-Verthridigung jedenfalls unverschrankt bleiben wird. Was aber die Pflicht der Juden zum Militärdienst für die Zukunft betrifft, so muß die 22