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Der Orient · 1842-05-21 · Heft 21 (21.5.1842) · p. Seite 162

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Journal
Der Orient
Volume
3 (1842)
Issue
Heft 21 (21.5.1842)
Date
1842-05-21
Page
Seite 162 (sequence 3)
Language
German
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162 die Hälfte der beiden Häuserreihen der kleinen Bäckerstraße und des Fischmarktes zu erhalten. Die vereinigten Hausbesitzer der Nachbarschaft danken hiermit öffentlich dem Hn. S. Frankel für seine große Entschlossenheit und uneigennützige Thätigkeit, wie auch der biedern Schiffsmannschaft, welche sich als Muster der Nüchternheit am Spritzen-Corps zeigte. (Nachträglich ist zu bemerken, daß Hr. Frankel sich beim Brand in Konstantinopel ausgezeichnet und vom Sultan eine große Auszeichnung erhalten. — Hr. Frankel ist aus Breslau gebürtige da wir nicht wissen, wo er jetzt wohnt, so fordern wir ihn auf, uns seinen Aufenthalt in der Stadt anzuzeigen.) Hamburg, d» 5. Mai. Das Sendschreiben des Herrn Dr. Salomon an den Hn. Dr. Frankel in Dresden, wird Ihnen gewiß schon zugekommen seyn.' Des Verfassers Sarkasmus und beißende Ironie ist uns schon längst bekannt; jede Seite, die er gegen den Prof. Hartmann geschrieben, kann davon deutlich zeugen. Ob aber diese Art hier am rechten Platze ist? Ob der Dr. Frankel nicht eine andere Vehandlungsweife verdient, als weiland Hartmann? Der Ton, in dem das Schriftchen geschrieben ist, will mir nicht gefallen. Die ganze Angelegenheit ist, wie ich vorausgeahnt, leider langst dem Stadium entrückt, in dem man kaltblütig und mit gewissenhafter Schonung den Angreifer zurückweist. Wenn Hr. Dr. Frankel antworten will, was schon darum -sehr zu wünschen ist, damit die würdige Ruhe, die er das erste Mal beobachtet, wieder sich geltend machen körrne, so dürfte er sich vielleicht, nach meinem ohnmaßgeblichen Dafürhalten, an folgende Punkte halten. 1) Der Vorwurf wegen der Veröffentlichung seines Gutachtens, ist als ungerecht, einseitig und rechthaberisch zurückzuweisen. Verlangt man Gutachten und publicirt man sie, so muß man sich auch Tadel und Mißbilligung gefallen lassen. Wozu bedurfte es übrigens der Gutachten, da das Werk vollendet und nicht mehr zu andernist, auch des H.Dr. Frankfurters Broschüre zu Folge lediglich für die Tempelmitglieder bestimmt war? 2) Sind die einzelnen Mitglieder um ihre Ansicht befragt worden? Wer bürgt dafür, daß sie alle mit dem neuen Gebetbuche der Form und Anordnung nach zufrieden sind? Hr. Haarbleicher, der sich 1840 so heftig gegen die Tempeldirettion äußerte, als Hr. Dr. Heß berufen werden sollte, ist jetzt freilich der Vertheidiger derselben; aber auf wie lange, ist bei dem Schwanken seiner Ansicht nicht zu bestimmen. 3) Hr. Dr. Salomon vergißt, daß der Tempel allerdings, wie Hr. Dr. Geiger gewünscht hätte, im Stande gewesen wäre, eine umfassendere Reform einzu. führen, da er eine talmla rasa vor sich hatte und sich seine Anhänger von dem übrigen Theile der Gemeinde ohnehin in ritueller Beziehung faktisch geschieden haben. Wo dies nicht der Fall ist, vielmehr die Gemeinde die Spaltung vermeiden will, müssen die Veränderungen schrittweise vor sich geben. 4) Warum ist der den jüngern Rabbinen und Predigern gemachte Vorwurf des Stillstandes und des Mangels an Muth ungerecht; oder sollen sie ihre Gemeinden zwingen? 5) Mit der Konfirmation verhält es sich, keineswegs so, wie Hr. Dr. Salomon rühmt» Sehr selten, weit seltener als anderswo, finden Konfirmationen im Tempel statt; auch werden immer nur wenige consicmirt (daß sogar einzelne sich haben taufen lassen, wird verschwiegen, obgleich es, eingestanden, ja auch nicht den Predigern zur Last gelegt werden könnte). H. Dr. Salomon äußerte sich in, seinen Predigten selbst oft sehr bitter über die Lauheit der Tempelmitglieder, wenn es gelte „den Freitagabend", den gewöhnlichen Sabbatgottesdienst zu besuchen, die Kinder zum Religionsunter?. richte zu schicken. Wo kann da von Befriedigung der Gemüther in der Gemeinde die Rede sein, wo die Thatsachen so laut den Mangel an Theilnahme bezeugen!- 6) Mehr denn je, laßt der H. Dr. Salomon seine Leser im Unklaren, ob das Gebetbuch auch andern Gemeinden zugedacht war oder nicht. Ja er behauptet selbst, es wäre längst an vielen Orten eingeführt, wenn nicht die Rabbiner und Prediger (nicht bloß die Herren Bernaps und Ettlinger können hiermit gemeint sein) es vereitelt hätten. Liegt nicht hierin ein Widerspruch gegen die Erklärung, die Hr. Dr. Frankfurter über den zweiten Titel gab? —8—, Berlin, 8. Mai. Wenn das Leben in Bewegung und Kampf besteht, und wenn der Tod Schlaffheit, Ruhe, Abgeschiedenheit ist, wie Heraclit behauptet, der den kriegverwünschenden Homer tadelt: so ist unsere Gemeinde längst aus dem Leben gewichen, und liegt faulend und modernd im finstern Grabe, und schläft bis zu dem Erschallen der Posaune, bis zur Zeit der Auferstehung, den langen, tcaumlosen Schlaf. Der schmetternde Pofaunenton wird der königliche Befehl einer Cultusordnung, die Zeit der Auferstehung wird diese regulirte Verfassung der Juden sein. Aus allen Orten und allen Städten wird berichtet, hierüber eine eingereichte Adresse, dort über einen zeitgemäßen Gottesdienst, hier wird ein studirter Rabbiner angestellt, dort eine Schule zweckmäßig eingerichtet, und von allen diesen Berichten vernimmt unsere Gemeinde und unser wohlweiser Vorstand nichts; denn in das Grab dringt die Stimme der Irdischen nicht und die Todten hören nicht. Doch genug der Klage; das Leid ist zu alt, als daß es noch Jammer und Wehklagen erregen könnte. Von den Kämpfen in Hamburg, Breslau :c. wissen nur wenige unserer jüd. Einwohner etwas Näheres; weiß doch unser träges Rabbinatsverweser-Jnstituc sammt seinem Vetter dem philiströsen Vorsteher-Collegium selber nichts davon. Allein kümmert sich auch unser hiesiges Völkchen um jüd. Angelegenheiten nicht, und ist es auch

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