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Der Orient · 1842-05-14 · Heft 20 (14.5.1842) · p. Seite 153

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Journal
Der Orient
Volume
3 (1842)
Issue
Heft 20 (14.5.1842)
Date
1842-05-14
Page
Seite 153 (sequence 10)
Language
German
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Jahrgang. Dritter ♦ Berichte, Stuöien und Kritiken - ' für?£7T£ Mische Geschichte und Litrmwr. Man abonnirt bei allen lobl. Postämtern und H e r a u s ct e q e b e n allen solid. Buchhandlungen auf ein Jahr. üon Vr. Julius Fürst. Von dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich, das LiteraturblatL mitgerechnet, zwei Bogen, und zwar an jedem Samstag regelmäßig. 2EV»_ Leipzig, den 14. Mai 1842. Deutschland. (Frankfurt a. M. Erster BerichtReligiöse Zustande der Gemeinde daselbst. Zweiter Bericht: Liberaler Sinn der würtembergischen Negierung im Jahre 1833. Berlin: Dr. Nieß und Alex, von Humboldt. Stolp. Einführung des Rabb. Dr. Klein.) — Volks thümliche Aufsatze und Be urt Heilungen. Reflexionen über ein noch unbearbeitetes literar-historisches Thema (Schluß). — Notizen zur Geschichte der Juden in Böhmen. — Theologisches Gutachten des Hrn. Hochstadt er über die MusaftPijutiml — P erso n a l ch r o n i k und Miscellen. — LV. d. Or. Deutschland. Religiöse Zustände der israelitischen Gemeinde in Frankfurt a+ M. /-Das Alte stürztes ändert sich die Zeit Und neues Leben blüht aus den Ruinen.^ Schiller. FrMEfrrrt *!. M., 2. Mai. Wenn auch die israelitische. Gemeinde zu Frankfurt, unter allen Gemeinden Europa's, vereinzelt in thatloser Unthätigkeit dasteht und die Gewitterwolken und Geistesblitzedie überall hin eine sanfte Kühlung nach dem schwülen Drucke talmudischer Observanzen und mittelalterlicher Formen verbreiten, hier spurlos an den alten Synagogen vorbeiziehen, so darf dieses doch nicht einem krankhaften, indifferenten Geiste bergemessen werden, sondern dem vorherrschenden weisen Princip, an die alten Formen keine Hand anzulegen, damit der Zahn der Zeit ruhig seinen destructiven Prozeß vollführe, aber nicht durch ein künstliches Uebertünchen, durch äußern Schimmer den innern Moder zu verbergen, oder gar durch narkotische Sauren ein neues Wachsthum zu befördern. Nicht der äußere Glanz einer. in einem modernen Style gebauten Synagoge oder eines Tempels, ist das wirkliche Bedürsniß der Zeit, nicht in Musik gesetzte Gesangstücke veralteter Gebete und Psalmen verlangt unser Jahrhundert, sondern die Gmndstützen des Judenthums, in seinem innern Organismus morsch und faul, müssen einer neuen Basis, aus dem Boden der Humanität und derAusgleichungstheocien Platz machen. Daß aber diese Arbeiten mit Umsicht, Wissenschaft, Gelehrsamkeit, Sachkenntniß und Vernunft begonnen und erst die natürliche Reife der Heranwachsenden Generation abgewartet werden muß, lehrt zur Genüge das Beispiel anderer Gemeinden, welche die Aufgabe der Zeit hinreichend gelöst zu haben glauben, wenn sie den Kultus modernisirt, gebildete Rabbiner angestellt, den Talmud vom Jugendunterricht zwar ausgeschlossen haben, aber dennoch die antiquirten positiven Gesetze noch immer den zarten Schößlingen empfropfen. Die Vertreter unserer Gemeinde, sich vor ähnlichen Mißgriffen wahrend, haben sich, durch Ausschließung aller jüdischen Elemente, so cvnstituirt, daß in ihrer Mitte unmöglich der Versuch irgend einer zeitgemäßen Verbesserung in Vorschlag gebracht werden könnte. Ebenso wird von diesem weisen Rache die Anstellung eines Rabbiners ad eal. ^.verschoben, weil, wie man richtig bemerkt, dem Jesuitismus der modernen Rabbiner wenig Vertrauen geschenkt werden könne, und nur wenige derselben es wagen, ihre wahren Gesinnungen in einem so offenen Programm darzulegen, wie etwa Dr. H. im „Israeliten des 19. Jahrhunderts." Das Hauptgewicht wird daher auf den Jugendunterricht gelegt, der Männern anvettraut ist, die in Wort und Schrift ihre ungeheuchelten Gesinnungen dargelegt haben und eine Richtung verfolgen, die gedeihlichere Früchte verspricht, als Predigten und Chorgesänge mit allem Blendwerk der Aufklärerei. Die Religion, die hier gelehrt wird, ist die reinste Vernunstretigion, die Glaubensartikel sind die den Kindern verständlichen metaphysischen Wahrheiten, Gott, Natur und Unsterblichkeit, 20

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