Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1842
- Issue
- 19 (7.5.1842)
- Date
- 1842-05-07
- Page
- Spalte 289-290 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Berichte, Studien und Kritiken für Indische Geschichte und Literatur. m i». Leipzig, den 7. Mai 1843. Iüdische Cultur - G eschi ch t e. Beiträge zri einer Geschichte der Cultur und der Schulen unter den Juden. Von Daniel Ehr mann. (Schluß.) — Dogma. UeLer die Vorstellungen der alten Hebräer von der Unsterblichkeit der menschlichen Seele. Von Isidor Kämpf. (Fortsetzung.) — Talmud isch e Er eget ik. Ueber die bibl. Auslegungen des Talmuds bei seinen Gesetzbeftimmungen. (Fortsetzung.) Von M. S ä) w ar z a ue r. — AL. Ankündigungen. Beiträge zu einer Geschichte der Cultur und der Schulen unter den Juden, mitgetheilt von Daniel Ehemann- (Schluß.) Nicht lange jedoch konnte sich der wahre Gottesdienst im Reiche Israel einer Ausbreitung erfreuen. Die folgenden Könige blieben nicht weit hinter ihren Vorgängern zurück und beförderten mit Blitzesschnelle den Untergang des Reiches. Unter dem Könige Menachem machre Phul, König von Assyrien, einen Einfall ins Land , ließ sich aber durch eine bedeutende Summe befriedigen, und zog ohne weitere Feindseligkeiten wieder ab -4). Unter der Regierung des Pekach siel wieder ein assyrischer KLn^g in Israel ein, eroberte viele Städte, führte die Einwohner gefangen nach Assyrien, die er dort und in den Städten Mediens ansiedelte"5). Unter Hosea, dem letzten Könige des Reiches Israel, siel Salmanassar, König von Assyrien, ein, eroberte das Land, nahm den König gefangen- und führte die Einwohner des Landes nach Assyrien, wo sie sich niederlassen mußten. — Wie wenig in einer so stürmischen Zeit für die geistige Ausbildung geschehen konnte, bedarf keiner nähern Erörterung. Wir dürfen bei dieser Gelegenheit nicht unerwähnt lassen, die Entstehung der mir den Juden sehr verwandten Sekte der Samaritaner, die noch in der spätem Culturgeschichte eine Rolle spielen wird. Salmanassar wollte nämlich die Städte um Samaria, die Hauptstadt des Landes, so wie diese selbst durch Fremde besetzen lassen , und führte zu diesem Zwecke Colonisten aus Babylon 24) II Kön. 15. 25) Ibid. 17. i und andern Lheilen Asiens herbei. Allein diese neuen Ansiedler blieben bei ihrem Götzendienste und Gott schickte über sie Löwen, die viele unter ihnen zerrissen. Der assyrische König, der davon Nachricht bekam, war der Meinung, der Gott des Landes Israel, habe sich an ihnen gerächt,-weil sie seinem Dienste nicht angehören, und. schickte deßhalb einen Priester von den vertriebenen Juden nach Palästina zurück, der zu Bethel seinen Sitz nahm, und die neuen. Colonisten in der jüdischen Religion unterrichten sollte. Diese, obwohl sie die neue Lehre annahmen, konnten sich, dennoch nicht ganz von ihrer alten. Weise trennen , namentlich Ließen sie nicht von den heiligen Anhöhen, die mit dem Götzendienste verschwistert waren, und ihre Religion war ein Gemisch aus jüdischen und heidnischen Elementen. Diese Art der GoLLesverehrung erhielt sich lange Zeit unter den Samaritanern26). Das Verderbmß des Reiches Israel konnte nicht ohne nachtheiligen Einfluß auf das Nachbarland Juda bleiben. Hatte einmal der Götzendienst in Palästina festen Fuß gefaßt, so konnte man ihm auch nicht so leicht Grenzen stecken, und seinen Fortschritt hemmen. Freilich waren in diesem Lande die Umstände, daß sie die Erhaltung der jüdischen Religion begünstigten. Die Hauptstadt Jerusalem, wo der Tempel Gottes, dieses Monument Salomonischer Größe, in seiner Pracht dastand, hatte schon damals manche interessante historische Erinnerung aufzuweisen, die mit der jüdischen Religion, eng verknüpft war. Die fortbestehende Dynastie David's im Reiche Juda, während Israel so oft sein Herrscherhaus wechselte, mußte die religiösen Momente erhalten, die mit der Gründung dieser Dynastie verschmolzen waren. Allein was vermag nicht böses Beispiel über das menschliche Herz, was vermag nicht erst absichtliches Verderben. Die meisten Könige des Reiches sielen dem Götzendienste -.heim, und nur wenige machten eine 26) Ibid. 18. 19