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Der Orient · 1842-04-23 · 17 (23.4.1842) · p. Spalte 269-270

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Journal
Der Orient
Volume
1842
Issue
17 (23.4.1842)
Date
1842-04-23
Page
Spalte 269-270 (sequence 7)
Language
German
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269 Jüdische Alterthumskunde. Die Beschneidung bei den Israeliten (Horaz). 27Ö ment des Pcöselytenttrachens ein dem classischen Alterchumdurchaus heterogenes war und als solches dem unbefangenen Horaz lächerlich erscheinen mußte. Daß dieser Satiriker auch die Beschneidung als eine' Sitte aüffaßt, die ihm zum Bespotten Btranlassuüg giebt, darf uns um so weniger befremdlich fein, als gewisse Volksgebräuche, die in Verstümmelung von Körpettheilett bestehen/ auch uns bei vielen wilden'Völkern noch heute lächerlich zü erscheinen pflegen. Wir erinnern hier blos an das Tatowiren der Haut bei einzelnen wilden amerikanischen Stammen, das Durchziehen von metallenen Ringen durch die knorpelige Nasenscheidewand bei einzelnen afrikanischen Völkern, das absichtliche Hemmen der Madchenfüße in ihrem Wachsthüm bei den Chinesen rc. Eben so kann diesen Völkern unsre Sitte, Ohrringe durch ein in das Ohrläppchen gestochenes Loch zu ziehen und so zu tragen, wohl als ein Gegenstand des Verlachens Vorkommen. Gehen wir nun zu den einzelnen Stellen in den Horazischen Satiren, in denen unser Gegenstand zur Sprache kommt, über, so finden wir unter dem Namen Judaeus Apeila Lke ersts Bemerkung in der fünften Satire des ersten Buches. Dieseenthalt im Ganzen blos einekleine Reifebeschreibung in humoristischem Gewände, baher nennt' sie Wieland ein scherzhaftes'Tagebuch einer Reise von Rom Uach Brundismm. In der That können wir diese Satyre als dm Prototyp aller spätem launigen Reisebilder ansehen, und in ihr das Vorbild der besonders in neuerer Zeit so beliebt gewordenen Reisenovellen erblicken. Wir finden den Horaz hier wiederum in Gesellschaft des Macenas, der ihn der Unterhaltung wegen mit sich führte, und gewiß ihn veranlaßte, die ganze Reise mit ihren manwgfachen, sehr empfindsamen Abencheuern in seiner satyrischen Manier zu erzählen. Wir heben unter diese,t blos das eine zu Gnatia (eigentlich Egnatichhervor. Die Stelle lautet so. Salirae Lib. I, 5. y. 100: ... Dein Gnatia lyinphis Iratis exstructa, dedifc risusque jocosque, Dum flamina. sine Iura liquescere, limine sacro Persuadere cupit. feedai Jiidaeü# Apeila! Non ego etc. —- Wieland übersetzt diese Stelle folgendermaßen: Drauf gab uns Gnatia, einim Korn .der Nymphen Erbautes' Oertchen, viel' zu scherzen, weil , Die Leute dort uns'glauben machen wollten, Der Weihrauch schmelze' ohne Flamme auf Dem heiligen! Altar. Das glaub' Apella Der Jüd', ich' nichts und bemerkt hierzu folgendes : Des Wunders, das die guten Leute zu Egnatia unsren ungläubigen Reisenden weiß machenwollten,- erwähnt auch Plinius als einer Sache, dievom Schriftstellern' erzählt werde. Sie besaßen, sagt er (N. H. L. II. c. 107.) einen heiligen Stein, worauf sich' das aufgelegte Holz von selbst entzündete. Hatten den Beaux-Esprits des Macenas und Cödejus, aüstM übet die ehrlichen Egnatier zu spötten, sich die Mühe ge'nöMmeb, Li^ Sache genauer zu üntersückjett; .so fortntett fte woht leicht entdeckt haben, daß es M dem ^a'ttüM 'feine Dichtigkeit hatte, ohne daß Mari deswegen einen Deum ei iiiacMria hervorspringen zu lassen brauchte. SolinUs erzählt ungefähr bas Nämliche von einem gewissen Vülcamschen Hügel, Unweit des Ägngentischen Sees rc. —' Aürz, Wieland suchte durch die in der. neuern Zeit öfters düf Reisen äriojetroffenett entzündlichen, leicht brennbaren Lüftarten', wie sie Namentlich^ de ha Lande . (Voyage d’un Franeais en Italie Vol. II. p. 134 S.) auf der Anhöhe bei Pietra Mala unweit FirenHuölä beobachtete, jene Erscheinung zu Egnatia und den Aberglauben der Egnatier als natürlich . zu rechtfertigenso wie den leicht aburtheilenden Horaz . der Oberflächlichkeit zu zeihen. . Zn der neuesten Zeit; hat man diese Lichterfcheinung, die zugleich mit Warmeentwickelung verbunden, überall da angetroffen, wo organische Materien sich durch Faülniß zerfetzen, in Sümpfen, Morasten? Und stehenden MrsseM? dcchM man sie mit dem Namen: Sumpflust, Gas inüamrnable des marais bezeichnte. Dieses Gas' dringt aus dem Erdboden hervor, wie z. B.- an vielen Orten am nördlichen Abhang der Appenninen, bei Volleja, Barizazzo, zu Maccaluba in SfctlieÄ/. neUerdiW HA Man OMch in - SkeMMgen gefunden. Man pflegt an diesen Orten das brennbare Gas anzuzünden und benutzt die Hitze zu verschiedenen Zwecken, z. B. in China zum Salzsieden, zum Kalkbrennen rc. Diese MMee-scheiUMg hat Horaz gewiß noch nicht gekannt und daher nennt er den Mann, der i an dieselbe glaubt, ab^gläubisch und' wählt als einen solchen bm Judaeus Apeila. Noch bis auf den heutigen Tag hat sich das Sprüchwort: Credat Judaeus Apelia beim Gebrauch für Wunderdinge, die ans Unglaublichegrenzen, im Munde der Gelehrten erhalten und wird oft genug gehört. Auch Heindorf bemerkt zu; dieser Stelle des Horaz: Die Unkunde eines auch jetzt; in mehrern Gegenden vorkommenden' Phänomens veranlaßthier den fteigeistrischen Spott im Geiste der Epikurischen Lehre: Bei dem Allen sehenwir aber, daß die Israeliten im Rufe der Leichtgläubigkeit bei den Römern gestanden Haben müssen. Was nun aber den Namen Judaejis Apeila betrifft, so sind wir geneigtin Übereinstimmung Mid den meisten Scholiasten Apeila als ein nomen fietuift^a defeetu praepuliiy sine pelle so viel als cimimcisus zw nehmen: Es ist uns zwar nicht" uMkaüük/ daß' BtntW Und mit' ihm' Heindocf sich zu der Ansicht neigen',' als ob Apeila hier ein Eigenname sei und daß ersterer in seinen Epist. ad Mill. p. 520. ed. Lips. wo er von der r-ömiMw Endütt^ in a den griechischen Namen auf as spricht, sagt: die Juden wohnten jenseits der Tiber in Rom und war'e'W' MWns'-Aetz'elaffeW' nach dem

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