Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1842
- Issue
- 16 (16.4.1842)
- Date
- 1842-04-16
- Page
- Spalte 241-242 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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des Berichte, Studien und Kritiken für Mische Geschichte und Literatur. M 16. Leipzig, den 16. April 11.842. Dogma.' Ueber die Vorstellungen der alten Hebräer von der Unsterblichkeit der menschlichen Seele/ von Isidor Kämpf. (Fortsetzung.) — Literarische Uebersichten. Apologetik. Ueberzeugungen eines Israeliten u. s. w. von Lö'wenstein, beurtheill von Krrch h eim. Emancipationsschriften. Die gegenwärtig beabsichtigte Umgestaltung der bürgerlichen Verhältnisse der Juden in Preußen, beurtheilt von Gd. Eohn. Lit. Ankündigungen. Ueber die Vorstellungen der alten Hebräer von der Unsterblichkeit der menschlichen Seele. Von : '' Isidor Kaempf. (Fortsetzung.) > So ist auch der Gegensatz von N'N' zu ungemein starker^ -— da der Uebergang aus dem Nichts ins Dasein bei weitem mehr ist als die Rückkehr aus der Unterwelt in die Oberwelt13). — Wir hätten es also nur mit demjenigen Theil der Hiob'schen Philosophie zu rhun, der die Unsterblichkeit der menschlichen Seele so kühn negirt. Dies hat aber für uns gar keine Schwierigkeit, wenn wir nur die eigentliche Tendenz des erhabenen Meisterwerkes recht ins Auge fassen. Der prophetische Dramatiker will uns hier ein Bild vorführen, wie ein Erdensohn, der sich von Gott unverdientgekränkt glaubt, diesen in die Schranken fordert, um mit Ihm über sein Verfahren abzurechten — eiüe Idee, zu der sich weder die Alten erhoben, noch die Neuern hinaufgewagt. In der antiken Tragödie ist das blindwüthende Schicksal, das unerbittliche Derhängniß die feindliche Macht, gegen welche der tragische Heros ankämpft. Mit der Mythologie der Alten ist aber auch das Princip ihrer Tragödie zu Grabe gegangen; die Neuern müssen sich daher mit der Bekämpfung des Herkömmlichen, der gesellschaftlichen Zustande behelfen. 13) Letzteres schien den Alten — wenn auch nur unter gewissen -Bedingungen — nicht unmöglich; man denke nur an Persephone und Eurydice. — In Hiob hingegen ist es die göttliche Vorsehung selbst, mit welcher der Dichter seinen Helden in Kampf bringt. Es versteht sich nun von selbst, daß einem solchen Gegner gegenüber nur von einem Kampf der Principien die Rede sein kann. Hiob stellt die Vorgefundenen göttlichen Lehren und Satzungen in .Frage, und tritt mit neuen Theorien hervor. Sonach steht unser Drama der modernen Tragödie in sofern naher,- als es gleich dieser eine energische Protestation gegen das Bestehende ist, — hingegen ist es von ihr hinwiederum darin verschieden, daß während sie bei der letzten Wirkung der zu bekämpfenden Macht stehen bleibt, sie bis zur ersten Ursache derselben zurückkehrt, was unstreitig erhabener ist. — Wer das in Rede stehende Meisterwerk von dem hier angedeuteden Gesichtspunkt aus betrachtet, der wird sich leicht überzeugen, wie ungereimt und dem Geist des Buches schnurstracks zuwider es ist, in der Protestation Hi ob's nur ein Echo des damaligen Volksgeistes, oder gar der göttlichen Lehren selbst erblicken zu wollen. Hiob spricht sich gegen die göttlichen Lehren und den allgemeinen Volksglauben so frei und offen aus, daß deutlich genug daraus hervorgeht, wie himmelweit diese von seinen eigenen Ansichten differiren. Wenn er demnach Gottes Gerechtigkeit dadurch in Frage stellt, daß er Fromme und Nicht-Fromme in eine Kategorie wirft,14) jo zeigt dieß nur um so deutlicher, daß seine Zeitgenossen hierüber anderer Meinung gewesen; wenn er in seiner Verzweiflung die Fortdauer der menschlichen Seele nach dem Tode abteugnet, — so ist dies nur ein um so stärkerer Beweis, daß in seiner Umgebung der Glaube an die Unsterblichkeit wirk- 14) Hiob 9, 22. — 16