Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1842
- Issue
- 14 (2.4.1842)
- Date
- 1842-04-02
- Page
- Spalte 209-210 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Meraturblatt des Orients. Berichte, Mu-ien und Kritiken für zü-ische Geschichte und Literatur. W 14. Leipzig, den 2. April 1842. Jüdisch-philosophische Literatur. Neueste Ausgabe des Kusari, beurtheilt von M. Sider. Das Grammatikalische und Lexikalische des Commentars. — Dogma. Ueber die Vorstellungen der alten Hebräer von der Unsterblichkeit der menschlichen Seele, von Isidor Kämpf. (Fortsetzung.) — Beantwortung einiger Fragen aus dem israelitischen Eherecht vom Kirchenrathe Dr. Maier. — Literarische Ankündigungen. Jüdisch - philosophische Literatur. Die neueste Ausgabe des Kusari, beurtheilt von M. Sider. (Fortsetzung.) Aus allem Diesen geht hervor, daß die Herübernahme und Emamipation einer Form nicht ^einmal so leicht, als die einer Wurzel anzunehmen ist. Die Bedingungen dazu werden nach der Veranlassung verschieden sein. 1) Unter dem unmittelbaren Einfluß des Lebens — wird die Anzahl der Fremdwörter, denen ein und dieselbe Form zunächst entnommen wird, 2) in der Literatur — a) nächst a) jenem secundären äußern Einfluß des Lebens selbst, oder ß) einer vorhergehenden Literatur — 3)) die innere Beschaffenheit der Form in Rücksicht auf den Literarischen Gegenstand vorzüglich zu beachten sein. (Man könnte hier die Categorien der Jnduction und Analogie vergleichen). Je.spater und abgeleiteter der Einfluß, desto complicicter und schwieriger die historische Analysis. — Fiat applicalio! Nach den angegebenen Gesichtspunkten müßten die Aramaismen der Bibel (Ges. Lehrgeb. §. 54, d), und ihr geschichtlicher Pragmatismus (Fürst Lehrg. §. 11 vgl. Geiger, Zeitschr. III. S. 263 ff.) untersucht werden. Da aber diese nothwendige Grundlage fehlt, und wohl auch den Bildnern des wissenschaftlichen Hebraismus fehlte, so kann in Beziehung auf letztem nur ein unzureichendes Gesammturtheil abgegeben werden/ Es hat sich uns aus einer scharfen Betrachtung dieses Idioms ungefähr Folgendes herausgestellt: Die aramaisirende Formation ward dem allgemeinen Princip nach vermieden aber de facto durch verschiedene Umstande veranlaßt. Die Begründung und inhaltliche Füllung dieses Urtheils erfordert ein näheres Eingehen in das Derhältniß der beiden Sprachen und die literarischen Einflüsse, unter denen der wissenschaftliche Hebr. sich ausbildete. Das Ara maische ist im Allgemeinen weit armer an Formen als das Hebr. (Luzzatto, Proleg. §. 125 Fürst S. 20). Eine vergleichende Eintherlung gibt folgende'Klassen der Formen: 1) Durchaus gleiche, d. h. gemeinschaftliche. 2) Durch Vocalisation verschiedene. Dieser Unterschied geht in dem unpunktirten Neuhebraismus fast durchaus verloren, daher wir auch diese sub I) zusammenfassen. II) Conson antisch unterschiedene, denen (fast) allen eine eigenthümliche Form im Hebräischen entspricht. Von diesen ist schon ein großer Theil in das Biblische eingedrungen, und wieder das Mehrthcil davon den eigentlich hebr. Formen gleichgestellt (z. B. Nom, abstr. auf die wir später speciell zurückkommen). Dieß Eindringen erklärt sich A) in den resp. für älter angenommenen bibl. Schriften dadurch, daß diese Formen eben wegen ihrer Fremdartrgkeit, als vorzüglich zum Gewände poetischer Gedanken geeignet, gewählt wurden (Ges. S. 195. Fürst §. 4. Luzzatto §. 67»). B) in den exilischen und rabbinischen Schriften aus der nähern Bekanntschaft durch den unmittelbaren Einfluß des Lebens (wie auch der frühem Literatur). Die Bildner des wissensch. Hebr., außer unmittel- 14