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Der Orient · 1842-03-26 · Heft 13 (26.3.1842) · p. Seite 104

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Journal
Der Orient
Volume
3 (1842)
Issue
Heft 13 (26.3.1842)
Date
1842-03-26
Page
Seite 104 (sequence 15)
Language
German
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104 , Daß nicht allein jeder Neubau, woraus eine positive Constitution jener neuen Einrichtung von vorne her zu deduciren steht, möglichst zu verhindern, vielmehr zur Zurückdrängung dergleichen anmaßlichen Vergrößerungsbestreben abseiten des/Vereins, derselbe anzuweisen sei, einen seiner gesetzlichen Scellung gemäßen Namen als „Erbauungsverein" anzunehmen und den krast seiner Natur uach Vergrößerung strebenden Namen „Tempel" abzulegen. Mit vorzüglicher Hochachtung . ergebenst - Gez. Isaak Bernays, Geistlicher Beamter. Hamburg, 29. August 1841. " Personalchronik und Miseellen. Votum von Leopold Stein. Von dem Distriktsrabbiner zu Burgkunstadt, Herrn Leopold Stein, dem Dichter der „ Stusengesänge" und Verfasser einer Gebetsammlung, demselben, der vor fast zwei Jahren sich um die, durch den Abgang des Herrn Dr. Eduard Kley erledigte Stelle eines; Predigers am neuen israelitischen Tempel bewarb, soll vor Kurzem ein Gutachten über das neue Tempelgebetbuch hier eini getroffen sein. Man ist auf die Veröffentlichung dieses Votums um so mehr gespannt, als Herr Stein sich nicht bloß die in- telligentesten Mitglieder der hiesigen Gemeinde zu Freunden gemacht %iit söndM^auch bei den Drthodoxen -für einen Wann? von entschiedener Frömmigkeit gilt. Es liegt daher nicht außerhalb aller Berechnung, daß Herr Stein einst zur Bekleidung einer Predigerstelle für den Fall berufen würde, wenn? eine solche in einer hiesigen großen Synagoge begründet würde. Selbst die persönlichen Freunde des Herrn Dr. Frankfurter können übrigens nicht leugnen, daß, aller Wahrscheinlichkeit nach, der ganze jetzt herrschende ärgerliche' und bedauernswerthe Zwiespalt in der hiesigen Gemeinde ver-; mieden worden wäre, wenn Herr Stein damals die Stimmen- Mehrheit erhalten hätte. Daß wir übrigens weit entfernt sind, den jetzigen Zustand der Dinge allein oder auch nur vorzugsweise dem Herrn Dr. Frankfurter zur Last zu legen, glauben wir-nicht erst versichern zu dürfen. Judenhaß-ein es Recensenten. Zu welchen tragikomischen Conjekturen und heroischen Verläumdungsmitteln doch der Judenhaß in unfern Tagen seine Zuflucht nehmen muß. Ein Recensent deutscher lyrischer Gedichte in den Bl.; f. itt. Unterhaltung, schloß jüngst aus dem unschuldigen Umstande, daß die Stein'schen Stusengesänge im Selbstverläge des Verfassers erschienen waren, aus 'einen den Juden eigenthümlichen und auch hierbei erkennbaren Handels- und Geschäststrich. — Wahrlich, wenn der Judenhaß sich auf einen so schwachen Stab stützen muß, ist man wohl berechtigt, sein letztes Stündlein für nahe zu halten. ' . Verein für Krankenpflege. Vor einigen Tagen < ist die (beiliegende) dritte Auflage der (zum zweiten Male) Verlag von C. L. Fritz sch e. „revidirten Statuten des Vereins für Krankenpflege, errichtet in Hamburg am 1.,Januar 1831" (Hamburg 1842. Gedruckt bei I. I. Halberstadt, Poolstraße Nr. 4) erschienen. Dieser jüdische'Krankenverein, der einer allgemeinen Anerkennung genießt , zählt besonders viele jüngere gebildete Kaufleute unter seinen Mitgliedern. .. Die revidirten 'Statuten desselben sind am 27. Febr. d. I. in einer Generalversammlung den Con- Lribuirenden vorgelegt worden. Leider vernimmt man von mehreren Seiten Klagen über einzelne Abänderungen und über die Nichtbeachtung mancher )Lntrage einzelner Mitglieder, d.'e das Wohl des Vereines' durch einige neue Bestimmungen verletzt glauben. So wünschen Viele die Verzinsung des Capitals lieber durch hypothekarische Sicherheit als durch Discontirung guter Wechsels bewerkstelligt; Andere halten die Ausstellung einer Quittung über die dem Kranken zugefloffene Geldsumme (vgl. § 35 u. 36.) für unvereinbar mit der Delicateffe und dem Schaamgefühl der Mitglieder. 2luch gegen die Sonderung der ärztlichen und wundarztlichen Funktionen erhebt man um so triftigeren Einwand, da die Besoldung des Arztes sowohl als die des Wundarztes sehr kärglich ist (§58.) und sich beide Aemter recht gut in einer Person vereinigen lassen. — Durch diese Ausstellungen soll'jedoch das Lob eines Vereines nicht beeinträchtigt werden-- aus den Hamburgs jüdische Gemeinde stolz sein kann. Neben dieser Gesellschaft besteht zu demselben Zwecke außer mehreren kleinen Vereinen noch ein größerer, bei welchem der Beitrag geringer ist und der gleichfalls musterhaft verwaltet wird (vgl. über die Wohlthatigkeitsanstalten der Hamburger jüdischen Gemeinden, die 1840 bei Halberstadt in Hamburg erschienene Schrift von Leopold Dukes). ' . -. A.lte Politik. Wie ich eben durchweinen meiner Bekannten 'erfähbe," ssndet^stch /in Nr. 8 der"'„Neuen Lübecker Blätter" eine Entgegnung auf Dr. Riessers Aufsatz, welche mit,, Christianus" unterzeichnet ist. Der Verfasser, verdat divide et impera“ gern bei den Juden erproben möchte, will die gebildeten Juden für Deisten angesehen wissen und meint, gegen die Emaneipation dieser Kategorie sei nichts einzuwenden. Uebrigens würden ja auch 'christliche Gelehrte in Lübeck nicht zu Staatsämtern zugelassen (?). Die nähere Beleuchtung dieses Artikels behalte ich mir bis zur Uebersendung meines resumirenden Aufsatzes und der betreffenden Nummer vor. 8 n u m c u i qu e. Die allgemeine Zeitung des Judenthums fährt fort, sich zuweilen das Vergnügen zu machen» Parthien aus meinem Blatte ausdrucken zu lassen'"). Da ich aber nicht glauben kann, daß das Judenthum oder die Zeitung des Judenthums dadurch einen Zuwachs. an Güte erhält, so bitte, ich ergebenst den Herrn Redacteur, entweder den „Orient" als Quelle zu nennen, damit ich ihm das Schlechte mirtragen helft, oder mein Blatt lieber mir allein zu überlassen. Fürst. *) vgl. § 107. "*) Vgl. z. B. den Art. Preußen S. 48. — Die Rechte der Juden im Mittelalter und ihre Anhäufung in Polen vgl. Orient des vorigen Jahres. — In Nummer 12; Das Gutachten dis Dr. Meier u. s. w. Druck von I. H. Nagel.

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