Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 3 (1842)
- Issue
- Heft 12 (19.3.1842)
- Date
- 1842-03-19
- Page
- Seite 96 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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96 Geist emgehaucht worden ist. Und doch ist der.alte Cannadich nicht ganz aus der Mode gekommen; noch immer spukt er in der Welt als ein aus der Restcmrationszeit herüberreichendes Gespenst.umher. Auch um UM schaart sich noch eine Partei, die man als Ritter seiner Legitimität bezeichnen könnte; das beweisen die neuen Auflagen seines Buches, die man von Zeit zu Zeit in öffentliche Blättern angezeigt findet. Ich habe keine dieser „verbessertem und vermehrten" Auflagen zu Gesichte bekommen. Ob wohl noch immer alle Völkerlisten Cannabichs mit dem stereotypen Schlüsse „Juden und Zigeuner" endigen? Ob bei den Beschreibungen der einzelnen ungarischen Comitate noch immer jene Formel den stets wiederkehrenden Refrain bildet? .Ich weiß es nicht, aber das weiß ich und erkenne es mit Freude und mit innigem Danke gegen den höchsten Richter unser Aller, daß man in Ungarn selbst die Juden nicht mehr den Zigeunern an die Seite stellt, daß man dem Vorurtheile: mit Muth und Energie zu begegnen an fängt, auch dort criisängr, wo noch an so vielen Institutionen der Rost des Mittelalters klebt. Von diesem Fortschritte des Geistes der Reform im Lande der. Ungarn, diesem. Juwele in Oesterreichs herrlicher Länderkrone, giebt auch die vorliegende Schrift ein erhebendes Jeugniß. Der Verfasser kämpfte auf dem benkimirdigen Reichstage von 1840 männlich und freimüthig für due Rechte seines Volkes; überall war die Vertheidigung unbeschrankter Humanität und Duldung der Angelpunkt, um den sich seine Wirksamkeit als Redner, als Vertreter eines tapftrn Stammes drehte. Und viele Andere standen ihm wacker bei m dem Kampfe um die höchsten Güter des Menschenlebens, um Freiheit, Vaterland und Selbstständigkeit; und einer der Edelsten in dieser Phalanx begeisterter Patrioten war sein Freund: Simeon von Dubrawi czky, dem die vorliegende Schrift gewidmet ist. In ungarischer Sprache geschrieben, femd sie bald einen geistvollen Uebersetzer in einem Ungarn, Herrmann Klein, der die Reinheit seines deutschen Styles bereits durch zahlreiche selbstständige Produktionen bewährt hat. Die Schrift enthalt eigentlich nichts Neues, und wie könnte auch uns Deutschen etwas Nenes über ein Thema ge-, sagt werden, das von Juden und Christen bis in seine kleinsten Nuancen hinein behandelt wordem ist? ~~ Man würde sich jedoch irren, wenn man in dem Freiherrn von Eötvös einen unbedingten Lobredner der Juden vermachen sollte; nein, bei aller seiner Hstmänität ist 'er nicht blind für die Schattenseiten seiner Clienten, aber er erklärt sie. aus dem Drucke, der Beschränkung, dem Vorurtheile, dem Neide und Hasse ihrer Gegner. — Mas so viele Liberale in Deutschland noch nicht, einsehen oder eingestehen mögen, das spricht ein ungarischer Edelmann offen und. unumwunden aus: Die Iudenemancipation ist ein integrirendes Element des allgemeinen Fortschrittes und die Art und Weise, wie man über sie denkt, wird zum Prüfstein für die Echtheit oder Unechtheit des freisinnigen SLrebens überhaupt. Aber was uns noch mehr freut, ist, daß.in dieser Culturfrage wieder einmal ein Christ und gewiß ein unverdächtiger Zeuge das Wort nahm. Man hat den Juden die ewige. Erneuerung ihres'Guerillakrieges gegen ihre Verläumder und Angreifer übel genommen, und erst vor kurzer Zeit haben zwei Schriftsteller, ein Christ und ein Jude — wir mögen die Namen nicht nennen, damit man nicht chei der Nennung des einen, derselben eine Persönlichkeit wittere die Ansicht ausgestellt, es wäre an der Zeit, daß die Juden ihre Selbstvertheidigung aufgäben. ' Man könnte nun freilich einwenden, daß jede Partei selbst am besten die Beweisgründe und Stützen für die Verfechtung ihrer Angelegenheit kennen muß, und daß es mindestens anmaßend wäre, wenn die Juden ihren christlichen Mitgliedern zumurhen wollten, auf jede Anzapfung zu antworten, als ob es sich um ihre eigene Sache handelte. —> Wer wollte jedoch nicht gerne bekennen, daß den Juden der Kampf pro aris et focis erleichtert, oft ganz erspart würde, wenn sich in der nächsten Folgezeit noch viele edle Christen öffentlich in Druckschriften zu ihren Gunsten aussprächen, wie es seit 1830 ein vor wenigen Jahren verstorbener preußischer Negierungsrath (von Ulmenstein), ein naffauischer protestantischer Geistlicher (Robert Haas), ein sächsischer Universitätslehrer (der nun verstorbene- Professor Krug in Leipzig), ein norwegischer Dichter (Professor Wergeland in Christiania) und unser Freiherr von Eötvös gethan haben? — Wem der Name Freiheit und Vaterland kein leerer Schall ist, und wer das Herz und den Sinn hat, seinen Nebenmenschen, weß Glaubens sie auch seien, im Kampfe für das Rechte beizustchen, der trete muthig in die Schranken und gewiß, die Unterdrückten alle, sie werden horchen seinen Worten und ihm freudig zujauchzen, wenn er die Hyder des Vorurtheils überwältigt hat. Ed» Co hm P« Briefkasten. Die Fortsetzung der Recension über Kusari habe ich erhalten;'ich bitte um die 2. u. 3. Abhandlung» Ebenso die Berichtigung über Chajes Aufsatz über die .Typographie, die nächstens folgen wird. L. L—y's (aus St.) Miscelle wird nächstens ausgenommen werden, — Die große und ausführliche Abhandlung v. D. C. in B. über halachische Exegese bereits abgesetzt» — Erhalten: 1) das Panorama der Gegenwart bis Nr. 24. — 2) Kol Jacob bis Nr. 11. mit Ausnahme, der 3 ersten Nummern. — 3) Moses Mendelssohn u» seine Schule v. Steinheim» — 4) Nevldirte Statuten des Vereines für Krankenpflege, m Hamburg gestiftet. — Die zwei Fortsetzungen über die Unsierblichkeitslehre von Ls. Kämpf erhalten und der Abdruck desselben wird fortgesetzt. — An C.: Von den Schriften über den jetzigen Streit in Hamburg habe ich nur diejenigen erhalten, die ein Recensent in diesem Literaturblatte anzeigt. —• Verlag von C. L. Fr-tzsHe. Druck von I. H. Nagel.