Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 3 (1842)
- Issue
- Heft 12 (19.3.1842)
- Date
- 1842-03-19
- Page
- Seite 89 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Dritter Jakgang. Berichte, Studien und Kritiken Das Abonnement für ein Jahr ist 5 Thlr. Man abonrrirt bei allen Lobt. Postämtern und allen solid. Buchhandlungen auf ein Jahr. für jüdische Geschichte und Literatur. Herausgegeben von Nr. Julius Fürst. Won dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich, das Literaturbkatt mitgerechnet, zwei Bogen, und zwar an jedem Samstag regelmäßig. M l*. Leipzig, den 19. März 184». Deutschland. (Posen. Bericht über den Eindruck der Antwort Sr. Maj. des Königs v. Preußen d. d. 30. Decbr. 1841 auf die Bittschrift mehrerer Gemeinden Preußens. Leipzig. lieber die jüd. Zustande in Lübeck. Posen. WohLthatigkeitssmn in Fraustadt. Altona. Hamburger Gebetbuchstreit. Gegenbemerkungen gegen einen früheren Aufsatz des Orients, Hannover. Kammerberathungen üb. jüd. Verhältnisse. Darmsta dt. Schutzjuden in Alsfelds Gegenstand einer Besprechung irr Zweiter Kammer.) — Böhmen. (Böhmische Grenze. Bildungsanstalten in Imrgbunzlau. Prag Beschränkungen jüd. Fortschritte.) — Volksthümliche A u fsa tz e. und B e ur t h ei lu n g e n. Judenemancipation — Cötvös. — Briefkasten. — LB. d. Or. Deutschland. 30. Jan. 1843. (Eingesandt) Die Antwort Sr. Maj» des Königs d. d. 30. Decbr. 1841 auf die Bittschrift mehrerer Gemeinden Preußens, daß er in Betreff der.Regulirung des Cultus Vorschläge vom den Juden selbst erst anhören wolle, hat bei uns kein angenehmes Gefühl geweckt; wir sollten uns über die Gnade des hochherzigen Königs freuen, und konnten doch bei den vorherrschenden Verhältniffen, in denen uns etwas ganz anderes noch thut, nicht sonderlich uns befriedigt fühlen. Erlauben Sie' mir, in der Erörterung dieser Behauptung ein treues Bild unserer innem Zustande zu entwerfen; ich, sage, ein treues Bild, denn ich schreibe außerhalb aller Fraetionen — nicht Parteien denn sehr richtig bemerkt neuerdings ein geistvoller Mann, es gibt in dem Judenthume noch keine Parteien. Einzelne, ja sogar viele Individuen sind in unserer Provinz, was man so nennt, sehr fortgeschritr en» Zobel und Marder, in denen sich die alte Judenheit hier hüllte, sind mit der allgemeinen Lichtung des uralten Chaos bis auf Wenige getilgt; nur hier und da wandelt noch ein Wolf oder Fuchs auf dürrer Heide einher. Sie haben. zum'Theil abgelegt den alten Pelz und sich in das gefällige Fell friedlicher Hausthiere, wie sie im preußischen Lande leben, eingekleidet; zum Theil behielten sie den alten Pelz, und warfen sich ein Schafsfell darüber. Die erstern haben ihre Natur als Juden aufgegeben, die andern haben ganz den alten Typus bnbehalten, und haben nur äußerlich sich zu verbergen gesucht. Die Folgen sind leicht zu ersehen; die Einen sind dem Judenthume entfremdet, sie nennen sich die Aufgeklärten, weil , sie leichtsinnig genug sind, sich über die alte Sitte hinwegzufttzen und thun stolz, daß die Christen mit ihnen an ttchle ck'Iwle speisen. Das Regiment der jüdischen Angelegenheiten, das immer noch dem jüdischen Plebs anvertraut ist, ist darum in den Händen der Andern, die sich allein darum noch bekümmern. Diese aber sind trotz ihres Ueberwurss nicht um ein Iota anders als ihre Vorfahren, und sie handeln, wenn sie nicht etwa eine Demonstration abgeben wollen, oder sich sonst nicht zu verrathen fürchten, daß ihre alte wilde Natur kenntlich werde, ganz nach ihrem natürlichen Charattec. Daher bewegt sich in der Provinz Alles in dem alten Gleis; die Stellen werden nach wie vor besetzt, und der alte Schlendrian (reibt sich fort, wie in jenen altenZeiten» Führen Sie mir nun nicht Schwerin als ein Beispiel vom Gegentheil, vom Fortschritt an, weil es Dr» Geiger zur Einweihung einer Synagoge berufen.. Schwerin hat nur seine Einrichtungen darum in diesem Sinne getroffen, weil es seinen Berliner Geschäftsfreunden das Muster einer intelligenten Gemeinde abgeben wollte; es war kein innerer Drang dazu. Man wollte glanzend verfahren und Aufsehen machen; durch seine Streitigkeiten mit seiner Gemeinde, durch öffentliche Insinuationen, die in Ktatschblattem mit großen Buchstaben abgedruckt waren, hat dieser Mann seinen Namen mit solchem Eclat verbreitet, daß selbst zu den Schweriner Herren das dunkle Gerücht seines Daseins drang; 12