Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1842
- Issue
- 9 (26.2.1842)
- Date
- 1842-02-26
- Page
- Spalte 133-134 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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133 Franz Delitzsch: Ueber die Prophetie Habakuk's. 134 wogen, stiegen bis zu Iosia herab. So der bizarre Hermann van der Hardt, der in seinem Aufsatze Habacuci Txagoedia in Scytharunv bellum tertium 6) selbstgefällig den wunderlichen Einsall auskramt,! daß unter den vom Propheten angedrohten Chaldäern die im j 15. I. Iosia's in Palästina unter Idanthyrsus eingefallenen! europäischen Scythen zu verstehen seien, und der nüchterne,! tiefsinnige Forscher Camp. Vitringa7 8). Bis in den An-! sang der Regierungszeit Iojakims, in "dessen 4. I. die j Chaldäer die Schlacht bei Karkemisch lieferten, wurde die j Weissagung Habakuk's herabgesetzt durch Usserius und Hei- \ deg ger. Aber alle diese Ansichten sind keinesweges die Rej sultare einer Liefeingehenden Untersuchung, sondern höchstens i mit einigen wenigen, nicht überzeugungskrästigen Gründen I gestützt. An der Grenze dieser Periode stehen zwei Forscher, f deren Blick bereits tiefer geht, weil die hereinbrechende Pro-' j fanität sie auf eine befriedigendere Lösung des Problems hin- | drängte. Es ist Christ. Aug. Crusius, dessen IIy- | pomnemata ad Theologiam Propheticam die neue gläubige Exegese zu ihrem großen Nachtheil unbenutzt gelassen hat. I Für die Bestimmung der Abfaffungszeit der Prophetie Haba- I kuk's enthalten diese nur den Einen fruchtbaren Wink^): I „Habacuc praedicit, tanquam decretum Dei paradoxen, f Tim et pofcentiam Chaldaeorum , per quos Judaei quoll que puniendi sint, etsi tyrannis Chaldaea non admo- \ dum stabilis futuia sit. Convenit hoc tempori, quo | omnium oculi in Assyrioa conversi erant, sigillatim j cum fracto Sanheribo securi Judaei nihil amplius me- I tuerent aiec tarnen resipiscerent" Der andere ist Magnus; Fr. Rvvs, welcher seine eigenthümliche Ansicht folgenderjj maßen ausspricht und begründet 9): „Es scheint nicht, daß | Habakuk unter der Regierung des frommen Königs Iosia Z geweissagt habe: denn obschon damals schon die Fürsten wie J Löwen und die Richter wie Wölfe waren (Zeph. 3, 3.), so I hat doch ohne Zweifel der fromme König vielen Unterthanen j zum Recht geholfen. Unter den Königen Man affe und j Amon hatte die Abgötterei sehr überhand genommen, Habakuk j aber eifert wider keine Abgötterei der Juden. Es scheint also, I er habe seine Weissagung nach dem Lode des Iosia und vor jj dem vierten Jahre Iojakims vom Herrn empfangen, da die i Egypter im jüdischen Lande eine Zeitlang den Meister spielf ten und* unter den gottlosen und jungen Königen Ioahas j und Iojakim Alles drunter und drüber ging." I | ' 4. \ Resultate der modernen Kritik. I Die neuern Untersuchungen von Eichhorn bis Ewald gin- I gen fast sämmtlich, ausgenommen die einer bibelgläubigen k Reaction, von dem unabänderlichen Vorurtheile aus, daß eine nicht auf menschlichen Schlüffen oder natürlicher Divinationsgabe, sondern auf übernatürlicher Erleuchtung beruhende Vorherverkündigung der Zukunft unmöglich sei. Dieses izqcozov 'ipsvdog wurde die Seele der modernen Kritik. Ihre Ergebnisse lassen sich voraus wissen, sie haben alle dasselbe Motiv, dem die Geschichte mit ihren Lhatsachen unbedingt sich fügen muß. So auch bei Habakuk; entweder rückt man ihm die Chaldäer so nahe unter die Augen, daß er ihre Invasion natürlicherweise voraussehen konnte, oder man rückt ihn selbst so weit über jene Invasion hinaus, daß seine Weissagung zu einem Rückblick in die Vergangenheit, verbunden etwa mit der Fernsicht auf den Untergang des chaldaischen Reiches, wird. Nach Bertholdt, Iusti, Abr. Alex. Wolfs weissagte Habakuk, „als Staat und Tempel schon verheert waren, gegen das Ende des Propheten Ieremia." Eichhorn und Anton") setzen ihn unter Zidkia oder auch etwas früher in die Zeit, da der jüdische Staat durch die Chaldäer bereits unterjocht, aber noch nicht aufgelöst war. Andere zerreißen die Prophetie Habakuk's in mehrere, zu verschiedenen- Zeiten ausgesprochene Weissagungen, obgleich sic, wider sich selbst Zeugniß ablegend, in der Auslegung derselben ihren inneren organischen Zusammenhang voraussetzen. So der sonst wackere und besonnene Rosenmüller, der Cap.i. unter Iojakim, Cap. 11. unter Jechonja, Cap. 111. unter Zidkia versetzt. Nicht viel anders Ranitz und Horst. ,Nur als Extrem des Aberwitzes interessirt die von Kalinsky (1748), noch mehr die von Friedrich vorgenommene Viertheilung des Propheten; der Letztere kehrt, die Aufeinanderfolge der einzelnen Stücke verrenkend, das Unterste zu oberst, und bezieht Cap. III, 1 — 15. auf einen siegreichen Krieg Iojakims gegen die Midianiter, der nielgeführt worden ist*'). Alle genannten Ausleger legen mehr oder weniger Gewicht auf die apokryphische Geschichte, die man, wenn sie nicht für die eigne vorgefaßte Meinung spräche, ohne Weiteres verworfen oder ignorirt Haben würde. Hitzig und Ewald endlich stimmen darin überein, daß Habakuk kurz vor der ersten Invasion der Chaldäer in Palästina weissagend ausgetreten sei. Sie machen seine Weissagungen zu'keinen vaticiniis post eventum, wohl aber zu solchen, die kurz vor dem Erfolg selbst mittelst rein menschlicher Ideenassoeiation zu Tage gebracht worden sind. „Habakuk", sagt Hitzig, „führt die Chaldäer als eine neue bisher gänzlich unbekannte Erscheinung vor, er hat somit (!) vermuthlich bei ihrer erstma-. ligen Ankunft in Palästina geweissagt. Diese aber fällt ohne Frage in die Regierungszeit Iojakims (2 Kön. 24, 2.). In Iojakims 4. I., d. i. 606, hatten sie die Schlacht bei Karkemisch geliefert. 605 scheint das chaldäische Heer im Anzuge gewesen zu sein. Die Schrift Habakuks setzt man am richtigsten in den Anfang des Jahres 604." Und Ewald:. 6) 1'. I. inlobum p. 117 88. 7) Tjrp. Doctrinae Propheticac p. 38. 8) Hypornn. T. 1. p. 303. Übersetzung S. 541. 9) Fußrapfen des Glaubens Abrahams, St. VI. S« 101*2. 10) Progr. Cap. III. Chabac. p. 3. n. 1. 11) Stickel? Prolusio ad intcrpr. III. cap. Mab. p. 18 ss. 9 *