Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1842
- Issue
- 8 (19.2.1842)
- Date
- 1842-02-19
- Page
- Spalte 125-126 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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125 Großmann: über die Schriften Philo's. 126 Philonifche Literatur. Dr. Großmariit's Abhandlung über die Reihenfolge und die chronologische Ordnung der Schriften des Juden Philo. (Fortsetzung.) Es entspricht demnach diese zweite Reihe der Bücher Philo's ganz der praktischen Philosophie j? Buxtorf 5. 1954)/ welche als Ordnerin und Lenkerin des Glaubens und Lebens die Lalmudischen Rabbinen Ha lacha d. h. Bestimmung des Rechtes, ftstgestellte, anerkannte und herkömmliche Ueberlieftrung, nach welcher man sich zu verhalten und zu leben habe, zu nennen pflegten. Siehe Zunz im angeflB. S. 42 folgg. Hirschfeld im angef. B. S. 12. 14 solgg^ Woher es denn auch kommt, daß ein noch etwas mannichfaltigeres Gemisch von rabbinischen Ueberlieferungen, als in den theoretischen Schriften, in diesen Büchern hier enthalten ist, wie dieß der Verfasser selbst mit ausdrücklichen Worten bezeugt (2, 81, 13 —16. xd Isyo^sva zolg avayivcoGHcofisvois asl Gvvvyaivav %al dia zovz’ sdo^cc [uxllov ezeqoov zd tzsql zov ßiov ttXQißcaGect,). So finden sich exegetische Ueberlieferungen (2, 163, 47), namentlich aber rituale, so z. B. daß man den Sabbath nicht entweihen soll durch Holzholen (2, 167, 38. Num. 15, 32), durch Feueranzünden (2, 168, 29. 2, 282, 42.), durch das 2tbreißen von Früchten, Resten und Reißern (2, 137, 46. vergl. Luk. 6, 1. 2.), durch Vernachlässigung der Sabbathjahre (2, 434, 5. 18. vergl. 2 Chrom 36, 21). Und einmal auf das Lob des Sabbaths eingegangen redet er von dem vorzeitlichen Bestehen desselben (2, 125, 36. 37), von der durch ihn zu bewirkenden Vollendung der Welt (2, 281, 33), welche dunklen Worte bei einer audern Gelegenheit von mir werden erklärt werden. Er nennt ihn den Geburtstag der Welt, welcher mit der Welt selbst gleiche Ehre genießen muffe (ysvs&?>iov zov V113,47.2, 167, 2.2,176,2.2, 239,13. 2, 281.41), den wünschenswertesten Lag unter allen zQLTto&rjzov rjpsQciv 2, 113, 45. 46), und wiederholt eine Beschreibung des Sabbatfchema's (2, 476, 10. vergl. 675, 22). Sodann werden zweifelhafte und unter den Rabbinen bestrittene Fragen besprochen z. B. über die Strafe des Meineids (2, 275, 12.)- über Ehegelöbniffe und über die Straft derer, die sie verletzen (2, 311, 42 folgg.), über Nothzucht (2, 310, 37 folg.), über die Scheidung, daß sie nicht willkührlich und des geringfügigsten Grundes wegen erfolgen solle (2, 313, 2 folg, vergl. Matth. 5, 31. 19, 3.), über die Vermeidung einer zweiten Ehe mit verschon einmal Geschiedenen (2, 804,30 folg.), über die Vermeidung gemischter Ehen (2, 304, 19 folg. Deut. 7, 3 im Gegensatz von Deut. 21, 17.). Endlich herrscht in den Büchern über die Gesetze die wörtliche Erklärung vor der allegorischen vor, die nach rein rabbinischemund der Halachaeigenthümlichem Gebrauche nur um der Gelehrten willen hinzugesetzt wird (2, 180, 5). Siehe Zunz S. 58. Hirsch selb S. 323* Dieses zusammrngenommen, halte ich dafür, beweist zur Gnüge, daß Philo gar kein zu verachtender Rechtskcnner, und mehr einer strengen Ansicht über die Ehe zugethan sei, nicht in Hillrlianischer, sondern Sameanischer Weise (vergl. L i g h t f o o t Opp. 2, 290. zu Matth. 5, 31. Th oluck Bergpredigt S. 244). Gesetzt nun,, es wären die meisten Schriften Philo's unter die Hagada und Halacha so zu vertheilen, daß die einen dieser, die andern jener Clafse beigezählt würden (denn den aus beiden Klaffen gemischten Büchern sowie den eine bestimmte äußere Angelegenheit [2, 364, 36. 41. 2, 546, 6. 2.572, | 32. 2, 597, 14. 2, 600, 16^ betreffenden Schriften, wie Phi-! lo einmal eine solche als Gesandter vor dem Kaiser Cajus (Caligula) zu führen hatte, welche Klasse zusammen Eusebius praepar. erang-, 8, 5 V7i'.ofrzziKcH zu nennen scheint, wird zu seiner Zeit ihre Stelle angewiesen werden), wer, frage ich, wird dann ohne genaue Ueberlegung sogleich annehmen, es müsse deshalb, weil der theoretische Theil nicht ganz dieselbe Einrichtung wie der praktische habe, dem Urtheile Kirschbaums beigepflichtet werden? Ja wenn der Gesammtinhalt der rabbinischen Weisheit aus Hagada und Halacha, oder wenn man lieber will, aus einem theoretischen und praktischen Lheile der Philosophie, gleichsam wie aus verschiedenen Resten eines und desselben Baumes, besteht, so ist es klar , daß in den philomschen Werken nicht allein das Letzte mit dem Ersten in bester Ordnung zusammenhängt, und das Einzelne in richtiger Aufeinanderfolge der Lheile streng unter sich verbunden ist, obschon nicht Alles dieselbe Gestalt und dasselbe Aussehen hat, sondern daß auch nicht einmal eine entfernte Muthmaßung darüber stattsinden darf, es könne ein Christ der Verfasser so offenbar jüdischer Schriften gewesen sein. Aber doch, wendet er ein, wird die Verwüstung des heiligen Landes in dem Buche de execrationibus 2, 436, 19 folgg. erwähnt, wo es heiße: TtuQaysvoftsvcov &e (nehmlich zcov 7tQo {(uxqov GTtOQccdcov 2, 435, 48) no%i6&7]Govzca TVttXcV dl £ Q 8 ITC l 0 l y £ V 6 ß SV U t, 7t Q 0 [l t%Q 0 V %dl?] k'q rj[.c o g o l%i G&ri G8z cu nal rj gzslqco&sXgu yrj {iszaßaXsX TtQog £vyoviav. Da in diesem Worte unlaugbar die unter Titus durch das Heer der Römer herbeigeführte Verheerung und Zugrunderichtung des heiligen Landes und der heiligen Stadt beschrieben werde, so folge, daß die Abfassung dieses Buches in die Zeit nach dem Untergang Jerusalems fallen müsse, und folglich auch die ethischen Bücher znsammengenommen, von denen das erwähnte einen Theil ausmache, nicht von Philo herrühren könnten (S. 25.). (Fortsetzung folgt.)