Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1842
- Issue
- 7 (12.2.1842)
- Date
- 1842-02-12
- Page
- Spalte 109-110 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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109 Großmann: über die Schriften Philo's. litt men eines Kranken Leigezählt werden! und Ließ um so-mehr, je passender der zweite Lheil der philonischen Werke, in welchem die Bücher des zweiten Bandes der Mangeyschen Ausgabe vom Leben Abrahams an bis zu dem Buche über die Verfluchungen, mit der vorangestellten Abhandlung über die Erschaffung der Welt, fortgesetzt werden, mit dem ersten Lheile zusammenhängt und verbunden ist. Denn diese Bücher alle sind moralischen Inhalts und enthalten gleichsam die Frucht und den Ertrag, wovon Philo behauptet, daß darauf, als auf ihren Zweck, Dialektik und Physik und überhaupt alle theoretischen Studien gerichtet werden müßten (302, 27+ 599, 30.) Da aber das Ergebniß der Ethik auf Uebereinstimmung mit dem positiven Gesetze hinauslief, und da dieses Gesetz, so wie wir oben gesehen haben, sowohl mit dem Naturgesetz, wie es durch die mosaische Kosmogonie ausgedrückt ist, als auch mit dem Sittengesetz, wie es in dem wirklichen Leben der Patriarchen seine Befolgung gefunden hat, unzertrennlich verbunden geglaubt wurde, so ist es außer Zweifel, aus welchem Grunde eine solche Auswahl der in diesen Büchern zu behandelnden Gegenstände getroffen worden ist, wie sie in der That vorliegt. So durfte aus den eben erwähnten Ursachen das Capitel über den Ursprung der Welt und über das Beispiel der Vorfahren, die, ob sie schon des geschriebenen Gesetzes entbehrten, sich dennoch durch das Lob der vollkommensten Lugend auszeichmten, nicht nur nicht mit Stillschweigen übergangen, es mußte auch, da das geschriebene Gesetz an Moses ebenso seinen Dolmetscher, als einen strengen Eiferer hatte, es mußte über die Person des Moses und über seine vierfache Würde, die priesterliche, prophetische, gesetzgeberische und königliche, weitläufig gesprochen werden. Doch da der unter den Juden angenommene Begriff des Gesetzes ein sehr umfassender, war und da dieses Gesetz das gesammte innere, äußere, häusliche, bürgerliche, gesellige, kirchliche und politische Leben derer, die ihm zu gehorchen hatten, mit seinen Vorschriften versah und seinen Geboten unterwarf, so ist es in der Lhat kein Wunder, wenn nicht er allein über die Einheit Gottes und über eine gewissenhafte Gottesverehrung, über die heiligenOerter, Zeiten, Persomn, Gebräuche sich ausführlich verbreitet, sondern auch darüber sich erklärt hat, was im öffentlichen und Privatleben bei vorkommenden Fällen Recht und Billigkeit erheische. Und damit nicht zufrieden knüpfte er noch Untersuchungen über den moralischen Sinn des Gesetzes in den Büchern de justitia, de fortitudine, de humanitute, an, sowie er sich in seinem Aufsatze über die zu erwartenden Belohnungen und Strafen selbst der Christologie, deren tröstenden, ermunternden und erhöhenden Einfluß auf die Gemüther er wohl kannte, nicht vergaß und dieselbe natürlich nicht in christlicher, sondern in jüdischer Weise, mit mosaischen (2, 222, 2 aus Deuter. 48, 18. TtQocpiqxrjg^ 200, 12, d EQiirjvsvg aQiGvog vergl. mit Joh. 4, 25) und prophetischen Farben (2, 422 , 7. 18 folgg. vergl. Ies. 11, 6. 35, 9. 35, 25. Ezech. 3$, 25) ausschmückte. Ja sogar lieferte er zu Ende des Werkes nicht blos das vollkommene und vollständige Ideal eines nach mosaischen Grundsätzen sich verhaltenden Weisen, und dem gegenüber das klägliche Bild eines unweisen Lebens, in den Büchern quod malus omnis servus et pro- ' l)us omnis über sit, mit dem Vorbehalt, über die Herrschaft des Weisen noch später sprechen zu wollen; er ging auch noch in der Schrift %eq\ d^a^aiag kog^iov , die zuletzt steht, auf den Punkt über das jenseitige Leben ein. So weitgreifend war der Stoff und die Reichhaltigkeit des ethischen Theiles! Was Wunder, wenn wir in diesen Büchern durchgehends die synthetische Lehrmethode vorwalten sehen, so daß ävcod'sv närco, vom Allgemeinen stets auf das Besondere übergegangen wird und also erst von dem lebendigen, unsterblichen und durch das große Weltall herrschenden Gesetze gesprochen, alsdann zum moralischen, ungeschriebenen, dem menschlichen Herzen eingeprägten und im Leben der Patriarchen sich abspiegelnden Gesetze fortgegangen wird, daß sich hieran wieder die Aussprüche des Deealogs im Ganzen, ihrer Ordnung nach, reihen, ftmd zuletzt die einzelnen Vorschriften der Gesetztafeln vorgenommen werden! Es brachte dieß der dialektische Satz der Juden von dem Vorrange der Geschlechter, welche unsterblich die Spuren des göttlichen Ursprungs trügen unv auch von Gott zuerst erschaffen worden seien, vor den Gattungen und Einzeldingen, welche vergänglich wären, so Mit sich (tftagpopag — yevcov ngog d'drj 206, 25, xocovxov d'ir.ols'iTtovxca oöov .... cp'd'dQxov stdog cccp&dgxov ysvovg 245, 28. nzqoxsqov — xd yivr\ . . . xdg idsag tfgyd&xp 69, 9. vergl. mit 15.), welche Ordnung denn auch bei dem Verrichten öffentlicher Gebete streng vorgeschrieben war (2, 243, 1); es forderte dieß ebenso theils der im Gesetz ausgesprochene Grundsatz, Rechtmäßiges nur rechtmäßig zu suchen, und Heiliges nur heilig zu betreiben (diKaccog ro 8i%cuov dico/tstv Deuter. 16, 20. 195, 12. c. 346, 25. — oaicog EQurjvEvsiv xd o6ia 610, 10), theils das oben angeführte Beispiel rednerischer Eintheilung, worin Moses selbst vorgegangen war; es forderte dieß endlich die heilige Würde und Hoheit des Gesetzes, dessen Hauptgebote und wichtigsten Punkte, wie dieß die Aussprüche des Decalogs waren, nicht etwa durch Moses in gewöhnlicher Weise hörbar vorgetragen seien, sondern von Gott selbst sin heiliger Gegenwrt avxonQOGc67ccog (2, 208, 35. 2, 107, 29. 122, 19) mittelst göttlicher Stimme jener belebten und mit Vernunft begabten Stimme, (2, 185, 40. .vergl. 2, 295, 39. vergl. Antt. 2, 5, 4), in die Seele des ganzen Volks gleich einer Lichtflamme (443, 26. 482, 24. 2, 188, 12. Ex. 20, 18) eingesenkt und gleichsam hineingehaucht geglaubt wurden. (Fortsetzung folgt.)