Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1842
- Issue
- 6 (5.2.1842)
- Date
- 1842-02-05
- Page
- Spalte 95-96 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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95 [i3 ] Nvthige Bemerkung zu einer ' in dieser Nummer abgedruckten Correspondenz^ datirt Hamburg. In No. 3 der allgem. Zeitg des Judentums stand ein Aufsatz als Erwiderung auf einen in No. 48 des vor. Jahrgangs befindlichen Bericht über die hiesige Talmud-Lora. Als ich diese Erwiederung einsandte, antwortete mir der Ne- ■ dakteur des genannten Blattes in einem sehr höflichen Schreiben, daß er sie wohl ausnehmen wollte, jedoch nur wenn er einige zu harte injuriöse Ausdrücke mildern dürfe. Ich gestand ihm dies zu, unter Hinzufügung der Bitte, den Wertausdruck, so viel wie möglich beizubehalten. Möge nun das Publikum, vor dessen Forum ich den Redaeteur lade, lesenund selbst urtheilen, wie derselbe seine mir gegebene Zusage-gehalten hat! Es ist der eben in dieser Nummer hier Seite 42 stehende Artikel, aus Hamburg datirt. Alles dort mit ^größerer Schrift Gedruckte fehlte in dem Aufsatze, den es ihm beliebte, statt des meinigen einzurücken. Ich glaube mm nicht, daß irgend Jemand es mir verargen kann, wenn ich über die elende Zerstückelung des Aufsatzes entrüstet wurde, da eigentlich seine Forderung, injuriöse Ausdrücke zu mildern, schon eine ungerechte war. Denn ein Mann, der so manche Nummer seines Blattes mit einem Gemisch von deutschen und hebräischen nichtssagenden Phrasen, mit persönlichen Beleidigungen gegen achtbare, in Amt und Würden stehende Männer füllt, der jedes Geschwätz, wäre es auch nur das 'eines Layenbegierig aufnimmt, der stellt Jemandem, der doch fast gar nicht in das Gebiet jener Streitigkeiten überging, die Bedingung, Injuriöses zu mildern? Doch/ich gab meine Einwilligung, in der Erwartung, nur den am Schlüsse befindlichen Satz: „wie es nur die Damen der Halle können" gemildert zu sehen z da dieser Ausdruck dem Redacteur etwas odiös seyn mochte, wiewohl er lange nicht das enthält, was in andern Einsendungen Injuriöses stand. Was aber mußte. ich erblicken? Ein Stückwerk, das fast bis zur Unkenntlichkeit entstellt war, dem es an gehörigem Zusammenhänge, an Kraft und Saft gebrach, kurz dem viele : auch nicht injuriöse Sätze nicht gemildert, sondern völlig entzogen waren. Denn wie kann das für injuriös gelten, daß ich dem ersten Einsender, als einem böswilligen Verläumder den Mund zu schließen dachte, da seine Person mir völlig unbekannt war und es noch ist? Es hat oft wohl geheißen, und Hr. Dr. Philippson selbst hat dies sogar ausgesprochen, es trete kein einziger Kämpe für unsere Sache aus; was er dafür könne, wenn jene Parthei solche schlechte Vertreter fände? Aber kann man denn gar auftreten? Ist die Zeitung des Iudenthums ein Organ, das nicht blos unpartheiisch sich nennt, sondern es auch durch Aufnahme von Aufsätzen jeglichen Inhalts faktisch bewährt? Kaum man alle die Hindernisse überwinden, die man vorfindet, jeden Stein des Anstoßes befettigen, der uns hemmend den Weg zur Stimme des Publikums versperrt, während jene Einsender, bequem sich in den Mantel ihrer Anonymität hüllend, Alles ungescheut und ungehindert reden können? Warum wurde dieser Aufsatz, nicht in gehöriger Form eingerückt? Warumgerade die Sätze gestrichen, in denen ich die Motive meiner Einsendung auseinandersetzte? Doch genug! ich will' mich nicht weiter in Fragen und Bemerkungen erschöpfen, die zu Nichts führen; das von mir aus allen diesen Bemerkungen gezogene Resultat ist: Verlag von C. L. Fritz sch ft 96 daß Herr Dr. Philippson nicht redlich gegen mich gehandelt hat, zumal er in derselben No. 3 seiner Zeitschrift sich erboten hat, Aufsätze jeglichen Inhalts anzunehmen. Mögen die, die für dieselbe Sache zu schreiben gedenken, ihre Einsendungen nicht ferner an ein Blatt richten, das wohl mit dem Titel eines unparteischen Organs sich brüstet, keineswegs aber demselben in seinen Leistungen entspricht. Mag zum Schluß der Einsender jenes ersten Aufsatzes noch den frommen Wunsch unseres heiligen Königs hinnehmen: i.rai njNJD pny p’iahy nrcm “iptsMnsty nJo>Nn [14.] Bei W. Lev ysohn in Grünberg ist so eben erschienen: Wissenschaftliche Zeitschrift j ü d i s ch e T h e o r o g i e. In Verbindung m i t mehren jüdischen Gelehrten herausgeg eben von - . / Dr. Mbraham Geiger. Raoo. in Breslau. 5r Bd. in'4 Heften Preis 2^ Thlr. Inhalt des Isten Heftes. Abhandlungen. 1. Die Aufgabe der Gegenwart. VonRabb. Dr. Geiger in Breslau. 1Z. Analekten vom Seminardirector Dr. Zu n z inBerlin. 8. Die Gersoniden. Nl. Der Monotheismus in sittlicher Beziehung. Vom Prediger Dr. Saal sch ü tz in Königsberg. IV. Das Verhältnis; des natürlichen Schristsinnes zur talmudischen Schriftdeutung. Eine Skizze. Von G. — Recensr onen. Neue Beiträge zur Geschichte des Streites über das Studium der Philosophie in den Jahren 1232 bis 1306: .4) Milchamot Adonai von Abraham, Sohne des Maimonides; 2) Sendschreiben nach Frankreich , mit Vorwort und Nachwort rc.; 3) Minchat Kenaot von 2lbbamari b. Mosche b. Josef rc.; 4) Anhang über den More rc. Erster Artikel. Von G. — Miscellen. Nachträgliches üben die Thargumim. Von Prof. S. D. Luzzatto in Padua. [15.] Unter der Presse befindet sich Der Hamburger TeinpelstreiL, eine Zeitfrage. Von Dr. Abraham Geiger, Rabbiner in Breslau. Preis 74 Ngc. Der Gegenstand dieser Schrift, welcher die jüdische Gemeinde Hamburgs in zwei Parteien spaltet, bei allen einsichtigen Juden, so wie auch denen, welche in den Bewegungen des Judenthums die Dissonanzen unserer Zeit zu erkennen vermögen, eine lebhafte Lheilnahme findet, wird hier, abgesehen von dem localen und dem ritualgesetztich-bestehenden, noch zugleich von dem geschichtlichen Standpunkte und in seinen Beziehungen zu den allgemeinen Ideen, welche das Judenthum jetzt durchdringen, aufgefaßt. Wir dürfen das Publikum schon jetzt auf diese kleine, aber gehaltreiche Schrift aufmerksam machen und Vorausbestellungen entgegen sehen. Die Verlagshandlung F. E. C. Leu ckart in Breslau. Druck von I. H. Nagel. Literarische Ankündigungen. Nöthige, Bemerkung