Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1842
- Issue
- 4 (22.1.1842)
- Date
- 1842-01-22
- Page
- Spalte 63-64 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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64 63 Jüdische Merthumskunde. Beschneidung. Lift Anzeigen. und geübt haben muß. Was um die Priorität der Einführung dieses Gebrauches bei den Völkern betrifft, so neigt sich Herodot dahin, sie den Egyptern und Aethiopen zuzueignen. Indessen ist diese Ansicht nicht ganz begründet. Denn - er sagt selbst, daß er über ödn Ursprung der Beschneidung nichts Bestimmtes angeben kann, weil er bis in das graueste Alcerthum hinaufreicht (ov% l'^co siTtsiv — aqyjcdov yaq cpcdvB'Wi)* Daher sind seine Behauptungen in diesem Betracht nur als Hypothesen anzusehen. Als eine solche, und als nichts Anders weiter muß auch sein ganz eigemhürnlich klingender Ausspruch über die Israeliten (die Syrier in Palästina) hingenommen werden, daß sie die Beschneidung eben so wie die Phönicier von den Egyptern erhalten haben und daß sie dieses selber eingestehen. Wir finden aber nirgends eine Spur davon, daß die Israeliten ein Ueberkommen der Beschneidung von den Egyptiern eingestanden. Im Gegentheile wird in den israelitischen Schriftdenkmalen nicht bloß ein solches Eingestandniß überhaupt vergebens gesucht, sondern die Beschneidung als ein selbstständiger, den Israeliten eigenthümlicher Aßt hervorgehoben. Es wird in der Bibel ausdrücklich nachgewiesen, daß die Vorfahren der spätem Israeliten, die in Egypten mehre Jahrhunderte wohnten, bereits als ein beschnittener Familienstamm dorthingekommen wären und der Ursprung der Beschneidung bei den Israeliten wird nicht sowohl an das Moment der Niederlassung in Egypten, sondern vielmehr an den viel älteren Befehl Gottes an Abraham angeknüpst. Zwar fällt'die Ausübung der ersten Beschneidung von Seiten des Patriarchen Abraham so ziemlich mit der Zeit zusammen, da er mit Egypten und seinem Könige Pharao in nähere Berührung trat, indessen stehen beide Data isolirt von einander da und. können nur auf eine gezwungene Weise verbunden werden. Uebrigen's hatte Herodot vom Standpunkte seiner exoterischen Anschauungsweise vollkommen Recht, wenn er das egyptische Volk als die Hauptfigur unter den kleinen Völkerschaften des Orients betrachtete und von ihm aus mit vielen andern Einrichtungen und Gebräuchen auch die Beschneidung zu den Nachbarvölkern ausgehen ließ, unter denen auch die Syrier in Palästina mitgerechnet werden mußten. In gleichem Grade aber können auch die Israeliten ihren Standpunkt rechtfertigen, auf dem sie als das ursprünglich die Beschneidung auf göttlichem Befehl übendes Volk erscheinen und sich als die einzigen betrachten, denen die Ausübung dieses Gebrauches zukäme. Jedenfalls ist es kaum zu begreifen, aus welchen Quellen Herodot die Behauptung nehmen konnte, daß die Syrier in Palästina selbst das Geständniß der von den Egyptiern auf sie übergegangenen Beschneidung abgelegt hätten (y.ai avtol ofioloysovöi) t wenn er es nicht aus dem Munde der egyptischen Priester gehabt hat, die das Ansehen ihres eigenen Volkes auf Kosten Anderer zu erheben suchten. (Fortsetzung folgt.) ÄLLerarifche Ankündigungen. In diesen Ankündigungen werden literarische Anzeigen aller Art, so weitste jüdische und orientalische Geschichte und Literatur betreffen, gegen Einen Groschen für die gespaltene Petit-Zeile oder'deren Raum ausgenommen. [6.] Bei E. L. Fritz sche in Leipzig sind nachstehende für Israeliten interessante und wichtige Neuigkeiten erschienen und durch jede Buchhandlung zu erhatten: Holdheim, S., (Großherzogl. Meklenburg. Landesrabbiner) der religiöse Fortschritt im deutschen Judentum. Ein friedliches Wort in einer aufgeregten Zeit, gr. 8. Preis Druckp. 5 Ngr. Velinp. 64 Ngr. — — Gedachtnißrede zu der zum Andenken Friedrich Wilhelm's HI. an der Synagoge z. Frankfurt cn O. am 23. Juni 1840 gehaltenen Todenfeier. gr. 8. Preis 3^0 Ngr. [7/j Die seit z w ei I.ah ren erscheinende israelitisch - theologische Zeitschrift; D e r Jsraettt des LN. Jahrhunderts, herausgegeben vom Landrabbmer M. Heß, - - wird auch im Jahre 1842 fortgesetzt und ist durch alle Verlag von C.L. Fritz sch e. Buchhandlungen und Postämter für jährlich ein Thlr. 20 Sgr. (3 fl. rhein.), halbjährl. 25 Sgr. (1 fl. 30 kr. rhein.) zu beziehen. Wöchentlich erscheint eine Nummer in gr. 4to auf Maschinen-Velinpapier. Die Tendenz dieser Zeitschrift, die auch Christen mit Vergnügen lesen werden, ist: der religio se und bürgerliche Fortschritt der Israeliten, ihr zeitliches und ihlr ewiges Wohl. Hersfeld in Kurhessen im Januar 1842. F. Schuster. [8/| Briefkasten. Eingegangene Bücher zur Beurtheilung: 1) Geschichtliche Darstellung der israelitischen Freischule zu Hamburg rc. von Dr. Kley. — 2) Das neue Gebetbuch und seine Verketzerung rc. v. Dr. G. Salomon. — 3) Praktisches Hilfsbuch zur methodischen Einübung der hebräischen Grammatik von Dr. Brückner. — 4) Hiob. Neu übersetzt und erläutert von Dr. K. W. Iusti. — Hrn. St—r ersuche ich um die Fortsetzung nach einer Unterbrechung von 6 Wochen und zwar durch Zusendung per Post. — Druck von I. H. Nagel.