Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1842-01-15 · Heft 3 (15.1.1842) · p. Seite 24

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
3 (1842)
Issue
Heft 3 (15.1.1842)
Date
1842-01-15
Page
Seite 24 (sequence 15)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2360092-2360201-2360205--2314-3529018
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

24 am Neujahrs- und Versöhnungstage zu fungiren.") Man schwieg indeß überall, wenn auch der Neid es nicht gerne sah, daß des Lehrers Frau ein Geschäft betrieb, um die zuweilen sehr zahlreiche Familie des Lehrers zu erhalten. Auf der anderen Seite suchte, sich aber die Gemeinde zu sichern,, daß ihr Jugendlehrer durch diesen Nebenverdienst, den man ihm erlauben mußte, sich nicht unfähig mache, für.die Jugend wirken zu können. So machte der M. Moses Jserles (net!) im Namen der Men die Bemerkung: „der Jugendlehrer darf nicht durch zu vieles Nachtwachen sich schwächen, wodurch er am Lage träge wird zum Unterrichten; eben.so ist ihm das viele Fasten oder die freiwillige Entsagung von Speise und Lrank untersagt. Völlerei ist ihm ebenfalls verboten, weil all dergleichen Extravaganzen ihn zum Unterrichte unfähig machen. Wer diesem zuwider handelt, den ist die Gemeinde berechtigt abzuschaffen."23) Wenn nun doch in mancher Schulstube der Regent auf seinem Lhrone vor Ermattung und Ermüdung, zur größten Freude der lieben Jugend, sein Nachmittagsschläfchen machte-, so war das gegen das Gesetz. Dieses aber ließ die Jugend sich entweder zum Vergnügen wohl geschehen, oder auch, weil es die Ehrfurcht vor Eltern und Lehrer verbot, diese im Schlafe zu stören. §. 7. Der Leh rer in der Schulstu be. Glaubte man nun für einen guten Lehrer gesorgt zu haben, so überließ man es demselben auf die Jugend nach Kräften zu wirken. Sahen auch Manche, die noch von Lehrern des vorigen Jahrhunderts in jüdischen Gemeinden Unterricht erhielten, in ihrem Lehrer ihren Tyrannen, zu dem sie mit Widerwillen hingingen, zu dem sie nur mit Furcht und Herzensangst sprachen,, wenn er sie mit wüthendem Geschrei anfuhr; so war das kernesweges immer der Fall und Ausnahmen von solchen Unmenschen fanden allenthalben Statt. Der Widerwille gegen Lehrer und Schulstube, gegen Unterricht und Lehrgegenstand zuweilen, hatte wohl mehr in der Langwierigkeit des Gegenstandes, der dem jugendlichen Sinne zu wenig Interesse abgewinnen konnte und in der langen Dauer des täglichen Unterrichts seinen Grund, als in der Frauen auch Statt. Ferner ist von diesen in größeren Gemeinden noch die Corporation der Begleitung der Lodten, getrennt. Ebenso gibt es Bruderschaften für rnin zur Unterstützung der Armenschulen, rHDij u^rpn für Weisen u.s.w. Die „Gesellschaft der Freunde" in Berlin, und in andern Gemeinden schon nachgeahmt, ist dem Prmzipe dieser ehrwürdigen, alten Chebrot entsprossen. Eine jede dieser Chebrot nun hatte in alter Zeit ihren Rabbi, Lehrer, der an den Sabbatnachmittagen oder bei sonstigen, gottesdienstlichen Versammlungen den Mitgliedern dieser resp. Gesellschaften seinrn die Lection, aus einem W*T)'Ö, IINön niijE, Sipsr* oder aus dem selbst abhielt. Solches Amt durfte der Lehrer wohl bekleiden. 22) An den Festtagen des Neujahrs und des Versöhmmgstages ist es für den gewöhnlichen Vorsänger eine zu große Anstrengung, das ganze Gebet zu verrichten, und Gesetz und Gebrauch stimmen dafür, daß Privatleute aus der Gemeinde ihn zuweilen ablösen. Dies Amt ist ehrenvoll, und diesem durste der Lehrer sich wohl unterziehen. 23) Jore Deah Cap. 245, §. 17. Anm. Persönlichkeit des Lehrers selbst^ Daß der Lehrer sich bei feinen Jungen in Respect halten muß, dagegen wird die philanthropistische Ansicht der Pädagogik selbst nichts haben können, da er ja auf den rohesten Stoff zuweilen durch das sanfte Wort der Weisheit und der Lugend wirken soll. Das alte talmudische Sprichwort: „Wirf Galle unter die Schüler!" — d. h. zeige der Jugend deinen Unwillen, wo es nöthig ist 24), — soll dem Lehrer einen Fingerzeig geben, wie er sich bei der lieben Jugend in Respect zu setzen habe. Dabei aber bemerkten die Mschnaisten schon, daß durch blinde Wuth jede gute Wirkung gelähmt wird. „Der Jähzornige ist ein schlechter Lehrer." ~5) — Durch ein würdevolles Benehmen in Gegenwart der Jugend, sagten die Alten, wird der Lehrer am besten ihrer Hochachtung sich versichern. „Der Lehrer handele nicht leichtfertig vor Kindern, er scherze und lache nicht vor ihnen; er soll mit ihnen weder essen noch trinken, damit Furcht vor ihm sie stets beherrsche, und sie recht schnell von ihm lerneu. "26) Klingt ein solcher Ausspruch unfern Ohren auch etwas hart und scheint ec gegen die pädagogischen Regel der Neueren zu seyn, die es allerdings empfiehlt, sich zum Kinde zuweilen im Spiet und Scherz herabzulassen, um auf das Kind besser zu wirken und spricht dafür auch die Erfahrung, so bedenke man, daß dem vernünftigen Lehrer dennoch sein individuelles Betragen gegen ein oder das andere Kind überlassen blieb; nur sollte die Achtung vor ihm bei der Jugend nicht verloren gehen, und hier sollten nur die Ursachen, woher dieses meistentheils kömmt, wie auch einige Fingerzeige gegen dies Uebel angegeben werden. — Vom guten Lehrer fordert das Gesetz ferner, daß er nie verdrießlich werde, wenn das Kind das Vorgetragene nicht so leicht fasse. „Wenn ein Lehrer unterrichtet und die Scholaren ^erstehen es nicht alsobald, so zürne er nicht über sie, sondern er wiederhole dasselbe zwei und mehrere Male, bis der Schüler es gründlich aufgefaßt und verstanden hat."2-) Nur wenn der Lehrer Unaufmerksamkeit bemerkt und bösen Willen.wahrnimmt, darf er'zornig erscheinen; „denn oft steht die Liefe des Gegenstandes und die noch schwache Auffassungskrast des Kindes dem Verstehen eines Lehrsatzes entgegen, (dann erzürne der Lehrer ja nicht;) ist es dem Lehrer aber-augenscheinlich, daß seine Schüler nachläßig und träge beim Aufmerken sind und deswegen im Verfolg des Vortrags Etwas nicht auffas- 'sen können, dann muß er zornig sehn, (erscheinen, denn das nur läßt sich gebieten, wenn es nicht überhaupt nur sagen soll: er muß seinen Unwillen darüber zu erkennen geben, was DJDim TliphU häufig bedeutet, —) sie mit Worten beschämen, um sie künftig aufmerksamer zu machen." —29). 24) Tal. Tract. Ketubot p. 103. b. 25) Tr. Aboth Cap. 11. §. 5. 26) Jor. Deah Cap. 24-6.'$. 11. 27) Die Alten machten hier dem Lehrer zur Pflicht, was die Jetztwelt durch ein, von Nahrungssorgen freies Leben bei dem Schulmann zu bewirken sich verpflichtet fühlt: der Schulmann soll stets bei guter Laune sich erhalten in seiner Schulstube. 24) Jore Deah Cap, 246* §. 10, 29) ib. ib* 11. (Fortsetzung folgt.) Verlag von C. L. Fritzsche* Druck von I., H. Nagel.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.