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Der Orient · 1842-01-08 · Heft 2 (8.1.1842) · p. Seite 16

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Journal
Der Orient
Volume
3 (1842)
Issue
Heft 2 (8.1.1842)
Date
1842-01-08
Page
Seite 16 (sequence 15)
Language
German
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16 den Gedanken kommen, Herr Witt wäre der Meinung,-alle Juden von jeher bis jetzt wären in Judäa geboren, waren fo wie sie da sind, Groß und Klein, plötzlich eingewandert und wollten mm auf einmal Aemter und Gewerbe so gut haben und treiben wie andere Menschen. Ja, Herr Witt, da haben Sie sich durch Gedankenlosigkeit eine erschreckliche Blöße gegeben , und dadurch geben Sie eben zu, was auch Gutzkow fordert: Alle Juden, - weil sie mit uns auf demselben Grund und Boden geboren worden, hätten auch gleiche staatsbürgerliche Rechte, so weit die Berührung beider Religionen es gestattet. Aber es ist noch nicht Alles, was darüber gesagt worden. Ich hole den Kernspruch nach, von welchem ausgegangen wird, und durch welchen Herr W itt, obwohl er sich darauf selbst mit seinem Beweise wie erwiesen ad absurdum rcbucüt, sicher zu imponiren und eben als Jurist die ganze Emancipation für ein Unding und Unmögliches zu erklären gedenkt. Er sagt nämlich: „Moralische Berechtigung ist keine juristische. Menschenrechte sind keine staatsbürgerlichen Rechte. Jeder Staatsbürger ist ein Mensch , aber nicht jeder Mensch ist ein Staatsbürger?' — Dieser Satz, so ohne bestimmte, zureichende und völlige Erklärung hingestellt, besagt gar nichts. Denn es kann nur ein Hottentotte, ein Buschklepper herbeigerufen werden, und man wird cs, so lange er bleibt wie er ist, zugeben müssen, daß der kein Staatsbürger sei, dazu auch keine juristische Befugniß habe. Allein Herr Witt hält auch vielleicht Juden und Buschklepper, wie oben Juden und Zigeuner, für gleichbedeutend. Doch — wenn auch das moralische Befugniß zugegeben wird, so pocht mein Gegner auf das juristische, und ich habe schon gezeigt, wie schlecht ihm diesmal wenigstens sein Beweis gelungen ist; ich will nicht hoffen, daß. er ihm in der Praxis eben so gelingt. Man verdreht wohl ein Recht, man zeigt das Faktum durch juristischen Witz wohl in einem Verhaltniß zum Recht, durch welches der Gegner sich überführt und besiegt hält, aber man nimmt/nicht blind einen Folgesatz und übersieht alle Vordersätze. Ich hätte mich herzlich gefreut, wenn Herr Witt als Advokat seinen Scharfsinn gezeigt hätte, um den unter uns gebornen Juden dennoch abzudisputicen, daß-sie überh a upt gebor en sind, und ihnen also das Jndigenat mit Haut und Haaren aus den Händen zu winden. Allein das thut Herr Witt nicht, und eben deshalb hat er sein dictum pröbans nid)t allein schlecht interpretirt, sondern auch seinen Prozeß mit allen Unkosten, nämlich denen des Ausgelachtwerdens , verloren. Es ist vielleicht schon zu viel geworden in der Beleuchtung der einzelnen Aussprüche und prunkvollen Behauptungen. Ich würde mich auch gar nicht dieser höchst undankbaren Mühe, die sowohl den Schreiber als Leser ermüdet, weil sie sich immer um einzelne Sätze drehen muß, unterzogen haben, hätte die verständige Abfassung des Schriftchcns im Ganzen Gelegenheit oder Anleitung gegeben , dem darin ausströmenden Jdeengange auf eine gleiche geordnete, fortfließende Weise^ entgegen zu treten. Allein was läßt sich unzusammenhängenden, unrichtigen, verworrenen und unzulänglichen Gedanken, die nur Judenhaß athmen, vernünftiger Weise entgegensitzen? Freilich Vieles, nur nicht dem einseitigen Haß an sich, sobald er unmotivirt austritt. Herr Witt wollte „Einsprache" thun gegen die Vorkämpfer für die Juden-Emancipation. Dies ist, so weit mir die derartige Literatur bekannt ist, noch Keinem weniger gelungen als ihm. Unmöglich ließ sich eine solche Entgegnung, wie sie Verlag von C. L. Fritz sch e. doch beabsichtigt wurde, auf zwölf kleinen Seiten abmachen. Man bedenke doch nur, wie viele Ideen jene Vorkämpfer schon angeregt haben, was z. V. Holst, gehässigen Andenkens, in seinem dickleibigen, berüchtigten Werke Alles vorbringt, und frage sich dann, ob die besagte Einrede auch, nur den allermindesten We»th haben kann. Bei 'dieser literarischen Unerfahrenheit und dem Mangel an geistiger Uebcrsicht hat Herr Witt auch einen sehr beschränkten Kreis sich gedacht oder-.nicht gedacht, dem er seine Rhapsodien und zelotischen Exclamationen mittheilt. Wer aber über einen Gegenstand, wie die vielbesprochene Juden-Emancipation ist, schreiben , und zwar in jetziger Seit schreiben will, der muß das Schlachtfeld kennen und gerüstet sein. , Herr Witt streicht, wie der Kosack auf seinem kleinen niedrigen Gaule, bald nebenher, bald hier und dort in die Flanke, und sucht mit seiner Pike so viele Stöße und Püffe auszuthetleu, als ihm in der Eile gelingen will. Von Strategie, von einer geschulten Fechtkunst ist dabei nicht die Rede. Es fehlt vor Allem ein geordneter Gedankeugang und besonnenes Räsonnement, was ich nochmals bemerke, wenn diesem Schriftchen vielleicht noch einmal ein anderes folgen sollte. Ich will keine Denunciation Vorbringen, allein jetzt ist Herr Witt mehr dem Ganzen, dem Volke überhaupt, als den Juden gefährlich geworden. Seine „impertinenten" Sätze reizen nur und regen auf, ohne zu belehren, denn von Erfahrung enthalten sie eigentlich nichts weiter, als was ein Jeder schon längst gewußt hat. . Es ist endlich spaßhaft, wenn Herr Witt sagt: „Freilich sehen wir, baß nur die un tere V olksklasse höchst krasse Begriffe von den Juden hat, sich ohne Rückhalt und derbe über sie aussprichc, was indeß durch das Benehmen der ordinairen Juden nicht vermindert — was soll dies wohl heißen? — sondern nur gerechtfertigt wird" rc. — und dann doch, indem er es niederschreibr, nicht inne wird, daß er selbst wohl mit seinen krassen Begriffen in die Kategorie dieser untern Volksklasse hineingerathen sein könnte. Man sieht daraus deutlich, daß, was gesagt werden sollte, nicht vorher klar meditirt und geordnet war; so wie denn hier auch die Bemerkung und Wahrheit ganz mit dem übereinstimmt, was ich oben von dem Ziele und Gesichtspunkte sagte, wonach Herr Witt seine Blitze schleudert, wodurch er sich so gewaltig in Feuer gesetzt hat.. Ich habe meine Absicht, die nicht gerade direct auf Zeit umwälzende Dinge berechnet war, vollkommen erreicht, wenn es mir einigermaßen gelungen ist, Herrn Witt nach seiner Weise zu bezeichnen und die zelotischen, gallichten Herzensergießungen möglichst unschädlich zu machen. . Christern. Personalchronik und Miseellen» N e u e A r b e i.t e n. Nach einer Mittheilung einer meiner Mitarbeiter, werde ich für das Jahr 1842 die interessanten Arbeiten mittheilen können: „Ausführliche Geschichte des Jakobsohn'schcn Tempels mit den nöthigen Aktenstücken u. si w." und „Geschichte der Juden in der Stadt Berlin bis 1786 mit allen Urkunden u. s. w." Druck von I? H. Nagel.

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