Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 3 (1842)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1842)
- Date
- 1842-01-01
- Page
- Seite 8 (sequence 15)
- Language
- German
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- 8 - sie noch manchen' Ungebildeten ihre- Ideen anzuverttauen. In einer solchen Lage, wenn die Vernunft nur im Verborgenen wirken muß, wie 'können wir ein ersprießliches Resultat erhoffen? Wie kann die 'Weisheit/ entzweit. mit ihrer Favoritin, der Wahrheitden erwünschten Entzweck erreichen? Wie muthig muß man nicht mit dem' schwankenden Kahne 'der galt5 ischen JB.iibu ng steuern, um in den unermeßlichen Tiefen des allgewaltig hinreißenden Stromes des Aberglaubens nicht zu versinken? — Richten wir nun auf die Hauptstadt dieses Landes „Lemberg" unser Augenmerk. Hier erblicken wir zwar eine bedeutende Anzahl mit reicher Bildung ausgerüsteter Männer, überhaupt eine schöne Klasse der Heranwachsenden Jugend, welche die keimende Saat der Aufklärung für' die Zukunft in ihrem Herzen trägt, allein ohne Zusammenhang undOcdnung, und was das Schlimmste ist ohne — Eintracht. Dies letztere Uebel ist blos ihrem grenzenlosen Egoismus zuzuschreiben/ Durch alle diese gerügten Mängel, wenn auch zuweilen beseitiget, gewinnt jene erwähnte feinere Menschenklasse bei weitem nicht einen namhaften Antheil ihrer finstern abergläubigen Population, worunter auch manche ganz angesehene, Gemeindeglieder zu zählen sind. — Diese jedem vernünftigen Menschen so schmerzhafte Wahrheit ist gegenwärtig, bei der bevorstehenden Wahl' der hier erledigten Kreisrabbinerstelle, % ihren echten grellen Farben ans Licht getreten.. Zu dieser Stelle hat' der jetzt in der literarischen.Welt ausgezeichnet bekannte Zolßiewer Kreisrabb. Hirsch Chajes sich gemeldet, und dessen Unternehmen auch von vielen in Ansehen stehenden Gemeindegliedern aufs Beste unterstützt worden. Dennoch sind diese humanen Männer, bei der angewandten Mühe mit Aufopferung .ihrer Selbst für Recht und .Billigkeit, nicht mächtig tzenrrg, ^veder die anderweitigen Pläne und feindlich gesinnten Machinationen der stolzen gefühllosen Großen ihrer Brüder, scheitern zu lassen, noch ihrem Mißgönnen ■—' welches > sich.'hauptsächlich'auf den Famili ensto lz ihrer bereits v erwesten Ahnen und Anverwandten basirt — Einhalt zu thun. Denn leider! beruht .in jetzigen Zeiten alles, auf Interesse, welcher Leidenschaft fast alle hiesigen Familienväter, ergeben sind, welche ihre commerzielle Verhältnisse mir allen übrigen zu eng verweben, so daß sie dem Vorhaben der selbstsüchtigen Großen, wie es ihnen auch mißfallen mag, sich- ,nicht öffentlich widersetzen wollen. Es" stehet aber zu erwarten, . daß .die h 0 h e u n d e d e l g e si n n t e österreichische Regierung, die atthier. von fehr loyalen und menschenfterundrichen edlen Herren verwaltet wird, selbst einsehen wird, wie angemessen der gelehrte Rabbiner Chajes für die fragliche Lemberger Rabbmatsstelle ist, und wie pünktlich ein Manne von solchen Kenntnissen und von solcher durch mehrjährige Leitung Verlag von Fritzsche. dieses Amts der Kreisstadt Zvlkiew, gesammelte Erfahrung den Vorschriften und Obliegenheiten dieses Faches zur allgemeinen Zufriedenheit zu entsprechen wissen wird, und ihm daher' die in Rede stehende Rabbinatstelle huldreich verleihen'werde. — Möge das Schicksal sein Unternehmen,-— aus reiner Absicht fegenreich in einem gr oße rn Wirkun gskr eise das gemeinnützige Beste zu befördern gewünscht — zu seinem Gunsten, welches auch unser j künftiges Wohl zur Folge Haben wird, entscheiden, und Herrn, Chajes die Früchte seiner Bemühungen dadurch genießen lassen, daß sie ihm sein, seit seiner Zugend zur Wissenschaft in verschiedenen Zweigen,'eifrigstes Streben, , mit dem gekrönten Erfolge belohnen. Möge der gali- - zischen Prinzipalstadt Lemberg, die als Muster für die übrigen Städte dienet, der Rabb. Chajes zum Reliligions- und Bildüngsvorsteher gegeben werden, unter welcher Fahne die hiesige Gemeinde zu. einer ^ziemlich schönen und gedeihlichen Reife in allen Verhältnissen des Lebens hoffentlich gelangen wird. S—n. Personalchronik und Miseelleu. ' Nachweis» ngen. Die Vorwürfe, welche das. PubLt=, kum den jüdischen Blattern macht, daß sie sich gegenseitig aus-. ' schreiben und so sich gegenseitig überflüßig machen,' welche Vorwürfe .die Redactvren selbst zuweilen sich gegenseitig zuschieben, sind wirklich oft nicht ungegründet. Auch ich habe in Bezug auf mein Hauptblatt diesen Lade! erfahren müssen,, obgleich ich theils mein Publikum durch ein selbstständiges Lirerarurblatt entschädigt habe, theils die anderen Redactionen keine gewissenhafteren Ansichten über Eigenchum hatten. Die Zeitschrift, tm sollen aber .nicht blos. den Fortschritt predigen, sondern selbst forrschreiLen. Zur eigenen Ueberwachung meines Hauptblattes — das.Literaturblatt hat bis jetzt an keinem jüdischen oder christlichen Blatte einen Rival gehabt — führe ich die Rubrik „Nachweisungen" hei den Miscellen ein. Auch in den aus - nicht-jüdischen .und ausländisch-jüdischen Blättern übergetrage-' nen Arbeiten sollte der Grundsatz Vorwahlen, sie nur dann aufzunehmen,, wenn sie noch nicht in.einem andern jüdischen Blatte in Deutschland gestanden, damit diejenigen, welche, auft . alle diese Blätter abonnirten , nicht genöthigc sein müßten, ein und dasselbe, zwei bis dreimal zu lesen und zu bezahlen. In der Allg. Z. d. Z. Nr. 52 wird ein Art. „Alexandrien" ausgenommen, der Orient Nr. 50 sich sinder. Cr ist aus dem Arch. Jsr., welche Angabe die Allg. Z. d. I. nicht har. Der. große Artikel Breslau daselbst, aus der Leipz. A.„Z., entnom-. men, steht' Orient schon Nr. 50. — ' Ber mach t»ist. In P ro ß n itz hinrerließ Hr. Ig n a H. Brüll 1000 Fl. für das isr. Spital und 1000 Fl. der Lalmud-Tora-Schule. — Druck von I. H. Nagel.