Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1 (1840)
- Issue
- Editorial
- Date
- 1840-01-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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VII Borwor t. VIII wahren und gesunden Kern der jüdischen und der darauf bezüglichen Zustande festhalten; ich werde auch meine geehrten Correspondenten zu diesem Zwecke ersuchen, einen würdigen, gehaltenen und eindringenden Ton zu wählen, und den klatschenden von Auserwähltheit überströmenden Styl abzulegen. Auf Mittheilungen, zu denen die Überschrift Jichus paßt, leistet der Orient großmüthig Verzicht; eben so auf jüdische Virtuosen, Schauspieler, Sänger, Lanzer, da man in der ganzen Welt nicht von christlichen Virtuosen, Schauspielern, Sängern und Tänzern spricht. Von Zeit zu Zeit werde ich übersichtliche Darstellungen über jüdische Geschichte und Literatur der Gegenwart und pragmatische Aufsätze über Literatur- und Geschichtsepochen liefern, z. B. über die neuhebräische Poesie in ihrer neuesten Gestaltung, Geschichte der Emancipationsfrage, Entwickelung der Kultreformen im neunzehnten Jahrhundert, die jüdische Journalistik und ihre Leistungen, die jüdische philologische Wissenschaft, die jüdisch-arabischen Schriftsteller und ihre Leistungen, Schicksal des More Nebuchim und die Reihe seiner Commentare, Schilderungen der hellenistischpalästinischen, maurisch-spanischen Periode u. s. w. In Allen soll aber die organische und geistige Auffassung der Geschichte und Literatur vorwalten. Mögen die Gelehrten von Fach nah und fern dieses Unternehmen, das eine Quelle für die Geschichte des jüdischen Volkes und für die Geschichte der jüdischen Literatur, das eine Bereicherung der universalen Literatur- und Weltgeschichte, eine Bereicherung der Alterthumswissenschaft und der Religionsgeschichte und' eine Materialiensammlung für die allgemeine Rechtsgeschichte bildet, uneigennützig fördern helfen. Möge das gebildete Publikum christlichen oder jüdischen Glaubens, diesem Unternehmen diejenige Theilnahme gewähren und diejenige thätige Unterstützung schenken, die zur Erhaltung eines solchen Instituts nöthig sind. Die Wissenschaft ist ein freies Gut, wie die Lebenslust, die wir athmen, wie die Sonnenstrahlen, die uns wärmen; die Wissenschaft scheidet nicht nach Bekenntnissen, sondern nach Wahrheit und Lüge. Leipzig, Frühlingsanfang, 1840. irr. Julius Fürst.